Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bleiben meine Kinder gesund? – Neues zu familiärem Risiko bei Typ 1 Diabetes

21.06.2011
Die Vorhersagbarkeit von Typ 1 Diabetes bei Kindern und Jugendlichen wird mittels genetischer und immunologischer Verfahren zunehmend besser. Insbesondere Kinder mit familiärem Risiko für Typ 1 Diabetes profitieren von solchen Untersuchungen.

Inzwischen ist es kein Geheimnis mehr: Typ 1 Diabetes gehört in Deutschland zu der häufigsten Stoffwechselerkrankung bei Kindern und Jugendlichen. Dem Deutschen Gesundheitsbericht Diabetes 2011 zu folge leben derzeit etwa 15.000 (bis 14 Jahre) von ihnen in Deutschland.

Jährlich kommen zwischen 2.100 und 2.300 Neuerkrankungen hinzu. Auch sind die betroffenen Kinder zum Zeitpunkt des Ausbruchs immer jünger. Man erwartet, dass sich die Zahl der Neuerkrankungen bis zum Jahre 2020 bei den unter 5-jährigen sogar noch verdoppelt.

Univ.-Prof. Dr. med. Anette-Gabriele Ziegler, Leiterin der Forschergruppe Diabetes der Technischen Universität München, widmet sich bereits seit 25 Jahren der Erforschung von Typ 1 Diabetes, der Ursachen und einer möglichen Prävention des Krankheitsaus-bruchs. „Es geht aber auch darum, eine mögliche Krankheitsent-wicklung rechtzeitig zu erkennen oder sogar vorherzusagen.“, so Professor Ziegler. Um einordnen zu können, ob jemand eines Tages an Typ 1 Diabetes erkrankt, messen die Wissenschaftler im Rahmen mehrerer klinischer Studien Biomarker und Genotypen, die eine Abschätzung des Erkrankungsrisikos messbar machen.

Die bisher zuverlässigste genetische Risikoabschätzung konnte bislang anhand von HLA-Genotypen (Humane Leukocytes Antigene) gemacht werden. Diese Genotypen lassen sich häufig bei Kindern nachweisen, die ein familiäres Risiko für die Entwicklung von Typ 1 Diabetes besitzen. Dabei steigt das Risiko mit der Anzahl der erkrankten Familienmitglieder ersten Grades. Aber auch bei Kindern ohne familiäre Vorbelastung (gesunde Eltern und Geschwisterkinder), die einen Hochrisiko-HLA-Typen aufweisen, liegt das Erkrankungsrisiko für Typ 1 Diabetes bei 5%. Stammt das Kind aber aus einer Familie, in der Vater, Mutter oder Geschwisterkind bereits an Typ 1 Diabetes erkrankt sind und weist gleichzeitig HLA-Risikogene auf, so steigt das Erkrankungsrisiko bereits auf 10 bis 20%. Sind mehrere Mitglieder der Familie erkrankt und HLA-Risikogene können beim betroffenen Kind nachgewiesen werden, liegt die Wahrscheinlichkeit an Typ 1 Diabetes zu erkranken sogar bei 50%.

Das Wissen um die genetischen Einflüsse auf die Entwicklung der Erkrankung schafft aber auch Sicherheit: „Je eher wir eine Krankheitsentwicklung absehen können, desto früher besteht die Möglichkeit im Einzelfall darauf Einfluss zu nehmen.“, erklärt Professor Ziegler und bezieht sich dabei auf die internationale Studie „Pre-POINT“, die durch eine Art Impfung die Entwicklung von Typ 1 Diabetes verhindern soll.

Die Studie richtet sich an Kinder zwischen 18 Monaten und 7 Jahren, in deren Verwandtschaft ersten Grades ein Geschwisterkind oder zwei enge Verwandte bereits erkrankt sind und die damit ein sehr hohes Risiko in sich tragen ebenfalls zu erkranken. „Die Kinder erhalten täglich Insulin in Form von Pulver oral verabreicht. Vorläuferstudien aus den USA haben bereits gezeigt, dass durch die tägliche Insulingabe das Immunsystem günstig beeinflusst werden kann. Demzufolge könnte die Entwicklung von Inselautoantikörpern, welche Vorboten des Typ 1 Diabetes sind, verhindert werden.“, erläutert Professor Ziegler.

Die Pre-POINT-Studie nimmt noch weitere Teilnehmer auf. Interessierte Familien können sich bei folgenden Stellen informieren:

Forschergruppe Diabetes der Technischen Universität München
Leiterin: Univ.-Prof. Dr. med. Anette-Gabriele Ziegler
Lehrstuhl Diabetes und Gestationsdiabetes
Kölner Platz 1, 80804 München,
kostenlose Tel. 0800 8284868, E-Mail: prevent.diabetes@lrz.uni-muenchen.de
oder beim
DFG-Forschungszentrum für Regenerative Therapien Dresden
der Technischen Universität Dresden
Prof. Dr. Ezio Bonifacio
Tatzberg 47/49, 01307 Dresden,
Tel. 0351 458 3772, E-Mail: prevent.diabetes@crt-dresden.de
Quellen:
Ziegler AG, Nepom GT. Prediciton and Pathogenesis in Type 1 Diabetes. Immunity 32, April 23, 2010

Deutscher Gesundheitsbericht 2011, diabetesDE, www.diabetesde.org

Cordula Falk | idw
Weitere Informationen:
http://www.diabetes-point.org
http://www.helmholtz-muenchen.de/idf1

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz: Nierenschädigungen therapieren, bevor Symptome auftreten
20.09.2017 | Universitätsklinikum Regensburg (UKR)

nachricht Neuer Ansatz zur Therapie der diabetischen Nephropathie
19.09.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Im Focus: Ultrakurze Momentaufnahmen der Dynamik von Elektronen in Festkörpern

Mit Hilfe ultrakurzer Laser- und Röntgenblitze haben Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik (Garching bei München) Schnappschüsse der bislang kürzesten Bewegung von Elektronen in Festkörpern gemacht. Die Bewegung hielt 750 Attosekunden lang an, bevor sie abklang. Damit stellten die Wissenschaftler einen neuen Rekord auf, ultrakurze Prozesse innerhalb von Festkörpern aufzuzeichnen.

Wenn Röntgenstrahlen auf Festkörpermaterialien oder große Moleküle treffen, wird ein Elektron von seinem angestammten Platz in der Nähe des Atomkerns...

Im Focus: Ultrafast snapshots of relaxing electrons in solids

Using ultrafast flashes of laser and x-ray radiation, scientists at the Max Planck Institute of Quantum Optics (Garching, Germany) took snapshots of the briefest electron motion inside a solid material to date. The electron motion lasted only 750 billionths of the billionth of a second before it fainted, setting a new record of human capability to capture ultrafast processes inside solids!

When x-rays shine onto solid materials or large molecules, an electron is pushed away from its original place near the nucleus of the atom, leaving a hole...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Höher - schneller - weiter: Der Faktor Mensch in der Luftfahrt

20.09.2017 | Veranstaltungen

Wälder unter Druck: Internationale Tagung zur Rolle von Wäldern in der Landschaft an der Uni Halle

20.09.2017 | Veranstaltungen

7000 Teilnehmer erwartet: 69. Urologen-Kongress startet heute in Dresden

20.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Drohnen sehen auch im Dunkeln

20.09.2017 | Informationstechnologie

Pfeilgiftfrösche machen auf „Kommando“ Brutpflege für fremde Kaulquappen

20.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Frühwarnsystem für gefährliche Gase: TUHH-Forscher erreichen Meilenstein

20.09.2017 | Energie und Elektrotechnik