Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Blasenkrebs - Mit Strahlen- und Wärmetherapie die Blase erhalten

19.11.2009
Ein aggressiver Blasenkrebs konnte früher nur durch die komplette Entfernung der Harnblase geheilt werden.

Mit einer multimodalen Therapie gelingt es den Ärzten heute häufig, die Blase zu erhalten: Nachdem sie den Tumor mithilfe eines Katheters entfernt haben, kommen Strahlen- und Chemotherapien zum Einsatz. Als vierter Bestandteil kann eine Wärmebehandlung, die Hyperthermie, die Behandlungsergebnisse weiter verbessern. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) anlässlich einer aktuellen Studie hin.

Nach einer kompletten Entfernung der Blase können Ärzte mittlerweile eine Ersatzblase aus Darmschlingen konstruieren. Doch die Lebensqualität der Patienten bleibt stark beeinträchtigt. So ermöglicht die Ersatzblase zwar das Wasserlassen, kann jedoch mit Inkontinenz oder einem unvollständigen Entleeren der Blase verbunden sein. Der Urin muss dann unter Umständen mehrmals täglich zusätzlich über einen Katheter abgeleitet werden.

"Ärzte haben deshalb schon früh nach einer Alternative zur operativen Entfernung der Blase gesucht", berichtet DEGRO-Präsidentin Professor Dr. med. Rita Engenhart-Cabillic, Direktorin der Abteilung für Strahlentherapie am Universitätsklinikum Gießen und Marburg. "So kann eine Strahlentherapie die Tumorzellen in der Blase effektiv zerstören. Die Wirkung lässt sich durch eine gleichzeitige Chemotherapie noch verstärken", erläutert die Radioonkologin.

Heutzutage kommt ein multimodales Behandlungsschema zum Einsatz, das Radioonkologen der Universität Erlangen mitentwickelt haben. Es sieht zunächst die Entfernung des Tumors vor. Dies geschieht über einen Katheter, den die Ärzte durch die Harnröhre in die Blase schieben. An diesen Eingriff schließt sich zwei bis vier Wochen später eine kombinierte Strahlen- und Chemotherapie an. Vier bis sechs Wochen nach dieser Radiochemotherapie wiederholen die Ärzte den Kathetereingriff, um eventuelle Tumorreste zu beseitigen. "Nur wenn wir den Tumor auf diese Weise nicht kontrollieren können, muss die gesamte Blase entfernt werden", berichtet Engenhart-Cabillic. Doch in drei von vier Fällen konnten die Ärzte das Organ erhalten und die Entfernung der Blase vermeiden.

Zu einer weiteren Verbesserung könnte die Hyperthermie führen, die Erlanger Radio¬onkologen seit einiger Zeit bei Patienten mit Blasenkrebs einsetzen. "Zu Beginn der Strahlentherapie erwärmen sie die Blase mittels Mikrowellen auf 40 bis 44° Celsius. Die Hitze steigert die Wirkung der Radiochemotherapie weiter", erklärt die DEGRO-Präsidentin. Die jetzt veröffentlichten ersten Ergebnisse sind vielversprechend. "Bei 43 von 45 Patienten konnten die Ärzte den Tumor vollständig zurückdrängen. Zwar kam es bei einigen Patienten in den folgenden 34 Monaten zu einem Rückfall. Eine Entfernung der Blase konnte aber vermieden werden", so Engenhart-Cabillic. Ein direkter Vergleich mit der sofortigen Entfernung der Blase steht noch aus. Die DEGRO-Präsidentin ist jedoch von der Wirksamkeit der multimodalen Therapie überzeugt. Sie komme bereits heute für Patienten infrage, die eine operative Entfernung ablehnen und ihre Blase erhalten möchten.

Zur Strahlentherapie
Die Strahlentherapie ist eine hochpräzise Behandlungsmethode mit hohen Sicherheits¬standards und regelmäßigen Qualitätskontrollen. Bildgebende Verfahren wie die Computer- oder Magnetresonanztomographie ermöglichen eine exakte Ortung der Krebsherde. Mit modernen Bestrahlungsgeräten können Radioonkologen die Strahlen dann punktgenau auf den Tumor lenken. Umliegendes Gewebe bleibt weitestgehend verschont.
Quelle:
Wittlinger M, Rödel CM, Weiss C, Krause SF, Kühn R, Fietkau R, Sauer R, Ott OJ.: Quadrimodal treatment of high-risk T1 and T2 bladder cancer: transurethral tumor resection followed by concurrent radiochemotherapy and regional deep hyperthermia. In: Radiotherapy and Oncology 2009 Nov;93(2):358-63.

Pressekontakt für Rückfragen:

Silke Stark / Silke Jakobi
Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie e.V.
Pressestelle
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Telefon: 0711 8931-572
Fax: 0711 8931-167
E-Mail: stark@medizinkommunikation.org

Silke Stark | idw
Weitere Informationen:
http://www.degro.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz gegen Gastritis
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Wenn Schimmelpilze das Auge zerstören
10.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie