Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Biopharmazeutikum hilft Krebspatienten

10.03.2011
Neues Biopharmazeutikum wirksam und zugelassen

Medizinische Universität Wien begleitete klinische Studien für Krebspatienten

Ein neues Biopharmazeutikum zur Vermeidung von knochenbedingten Komplikationen ist bei Patienten mit bestimmten soliden Krebstumoren wirksam.

Das zeigen zwei im "Journal of Clinical Oncology" und "The Lancet" publizierte klinische Phase III Studie, die u.a. eine positive Wirkung auf die Verzögerung von sogenannten "sceletal related events" bei Patienten mit Knochenmetastasen belegen. Die weltweite Studie wurde an ausgesuchten Zentren durchgeführt.

In Österreich war die Arbeitsgruppe Urologische Tumore der Medizinischen Universität Wien (MUW) zur Durchführung der zwei Studien eingeladen. So konnten dort bereits - nach strikten Kriterien ausgesuchte - Krebspatienten mit dem nun zugelassenen Wirkstoff behandelt werden.

Knochenmetastasen stellen für Patienten mit verschiedenen soliden Krebstumoren ein signifikantes Risiko dar. Knochenbrüche und Kompression des Rückgrats können für die Krebspatienten schwerwiegende Folgen sein. Zwar steht seit dem Jahr 2002 mit einem Medikament von Novartis eine erste, effektive Präventionsmöglichkeit zur Verfügung, doch fehlte es bislang an wirksamen Alternativen.

Der seit Ende 2010 - zunächst in den USA - zugelassene monoklonale Antikörper Denosumab bietet nun eine solche Alternative.

Zur Wirkung des Biopharmazeutikums meint der Leiter der Arbeitsgruppe Urologische Tumore, Prof. Michael Krainer, der die für die Zulassung von Denosumab entscheidenden zwei Studien mit begleitete: "Unsere Daten belegen, dass Denosumab das Eintreten von sogenannten sceletal related events, also knochenbedingte Komplikationen, hinauszögern kann. Dieses auch im Vergleich mit dem bisherigen Standard-Therapeutikum, mit dem wir bereits umfassende und gute Erfahrung gemacht haben. Jedoch ist diese Verzögerung durch Denosumab nur im Fall des hormonresistenten Prostatakarzinoms so ausgeprägt, dass die Datenanalyse eine statistisch signifikante Überlegenheit im Vergleich zum Standard-Therapeutikum zeigt. Dennoch stellt dieses Biotherapeutikum nun eine interessante Alternative dar, mit derem komplexen Wirkmechanismus wir in Zukunft mehr Erfahrung sammeln können."

Der monoklonale Antikörper Denosumab wirkt auf eine neuartige Art und Weise auf den Knochenstoffwechsel: Er verhindert die Aktivierung eines Rezeptors auf Zellen, die zum Knochenabbau beitragen - den Osteoklasten. Diese Blockade der Aktivierung des sogenannten RANK-Rezeptors reduziert den Abbau des Knochenmaterials, trägt so zu einer Stärkung der Knochen bei und verzögert in der Folge knochenbedingte Komplikationen. Tatsächlich findet Denosumab auch bereits Anwendung bei der Osteoporose-Prävention. Für die Behandlung zur Prävention von knochenbedingten Komplikationen bei Patienten mit soliden Tumoren war das Medikament aber bisher nicht zugelassen.

Die Zulassung für diese Indikationen erfolgte nun im November 2010 bereits in den USA und ist für die EU (und zusätzlich weiteren Staaten) beantragt. Das Medikament ist jedoch nicht für Multiples Myelom zugelassen. Die jetzt im "Journal of Clinical Oncology" und in "The Lancet" publizierten Daten aus zwei weltweiten Phase III Studien liegen den jeweiligen Zulassungsanträgen zu Grunde. Insgesamt wurden dabei über 3,500 Patienten in randomisierte, doppelte Blind-Studien aufgenommen und erhielten entweder Denosumab oder das derzeitige Standard-Therapeutikum.

Die Arbeitsgruppe Urologische Tumore von Prof. Michael Krainer wurde auch zur Durchführung von Teilen dieser Studien eingeladen, da die Gruppe international anerkannte Erfahrung mit Proteinen hat, die mit dem RANK-Liganden strukturelle Ähnlichkeit haben. Diese binden ein als TRAIL bezeichnetes Protein (TNF-related Apoptosis Inducing Ligand) und stimulieren einen Mechanismus, der mit dem als Apoptosis bezeichneten Selbstmord einer Tumorzelle endet. Zu diesen Erfahrungen meint Prof. Krainer: "Es ist für die Medizinische Universität Wien - und auch für mich persönlich - sehr befriedigend, wenn unsere Erfahrungen in der klinischen Forschung zur tatsächlichen Zulassung eines neuen Medikaments beigetragen haben. Die Blockierung des RANK-Rezeptors ist in letzter Zeit zwar auch als möglicher Therapieansatz für andere Erkrankungen wie z. B. Brustkrebs sehr öffentlich diskutiert worden, doch sind diese Überlegungen derzeit weit davon entfernt, Betroffenen zu helfen." Die Zulassung von Denosumab hingegen - das bereits im Rahmen der internationalen klinischen Studie einer Zahl, nach internationalen Kriterien ausgesuchten, Patienten an der MUW helfen konnte - kommt nun weltweit zahlreichen Patienten mit soliden Krebstumoren zu Gute.

Originalpublikation:

Henry, D. H. et al., Randomized, Double-Blind Study of Denosumab Versus Zoledronic Acid in the Treatment of Bone Metastases in Patients With Advanced Cancer (Excluding Breast and Prostate Cancer) or Multiple Myeloma, Journal of Clnical Oncology, Doi/10.1200/JCO.2010.31.3304 Siehe auch begleitende Worte der Herausgeber: Doi: 10.1200/JCO.2010.33.5596

Fizazi K., et al., Denosumab versus zoledronic acid for treatment of bone metastases in men with castration-resistant prostate cancer: a randomised, double-blind study. The Lancet, DOI:10.1016/S0140-6736(10)62344-6

Medizinischer Kontakt:
Prof. Dr. Michael Krainer
Medizinische Universität Wien
1090 Wien
T +43 / 664 / 183 76 77
E michael.krainer@meduniwien.ac.at
Redaktion & Aussendung:
PR&D - Public Relations für Forschung & Bildung Mariannengasse 8 1090 Wien T +43 / 1 / 505 70 44 E contact@prd.at

Raphaela Spadt | PR&D
Weitere Informationen:
http://www.meduniwien.ac.at

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz gegen Gastritis
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Wenn Schimmelpilze das Auge zerstören
10.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Platz 2 für Helikopter-Designstudie aus Stade - Carbontechnologie-Studenten der PFH erfolgreich

Bereits lange vor dem Studienabschluss haben vier Studenten des PFH Hansecampus Stade ihr ingenieurwissenschaftliches Können eindrucksvoll unter Beweis gestellt: Malte Blask, Hagen Hagens, Nick Neubert und Rouven Weg haben bei einem internationalen Wettbewerb der American Helicopter Society (AHS International) den zweiten Platz belegt. Ihre Aufgabe war es, eine Designstudie für ein helikopterähnliches Fluggerät zu entwickeln, das 24 Stunden an einem Punkt in der Luft fliegen kann.

Die vier Kommilitonen sind im Studiengang Verbundwerkstoffe/Composites am Hansecampus Stade der PFH Private Hochschule Göttingen eingeschrieben. Seit elf...

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

US-Spitzenforschung aus erster Hand: Karl Deisseroth spricht beim Neurologiekongress in Leipzig

24.08.2017 | Veranstaltungen

Die Zukunft des Leichtbaus: Mehr als nur Material einsparen

23.08.2017 | Veranstaltungen

Logistikmanagement-Konferenz 2017

23.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Individuelle Gebäudehülle aus dem Drucker

24.08.2017 | Architektur Bauwesen

Wie sich Krebszellen gegen Chemotherapeutika „immun“ machen

24.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

"Comammox"-Bakterien: Langsam, aber super-effizient

24.08.2017 | Biowissenschaften Chemie