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Biobank für die Uni-Medizin

04.07.2011
Für fünf Millionen Euro entsteht in Würzburg eine von fünf nationalen Biomaterial- und Datenbanken. 29 Standorte hatten sich um die Fördermittel des Bundesforschungsministeriums beworben, erfolgreich waren am Ende Aachen, Berlin, Heidelberg, Kiel und Würzburg. Die Biobanken sollen die Erkennung und Behandlung von Krankheiten weiter verbessern helfen.

In Biobanken werden systematisch Gewebe- und Flüssigkeitsproben von Patienten gesammelt und langfristig aufbewahrt. Wissenschaftler messen den Biobanken für den medizinischen Fortschritt eine große Bedeutung bei: Sie hoffen, mit Hilfe der Proben Krankheiten und ihre Ursachen besser zu verstehen, besser zu diagnostizieren und im Idealfall auch besser behandeln zu können.

Biomarker spielen dabei eine zentrale Rolle. Damit sind Merkmale gemeint, die Aufschluss über die Art der Erkrankung und deren Verlauf geben. Bei der Herzschwäche zum Beispiel sind es Peptid-Moleküle im Blut, die den Ärzten die Krankheit schon dann anzeigen, wenn die Betroffenen selbst noch kaum Symptome spüren. Auch bei der Behandlung von Krebskrankheiten spielen Biomarker eine große Rolle. „Biomarker helfen uns dabei, die Therapie für sehr viele Patienten individuell zu gestalten“, sagt Professor Roland Jahns. Der Herzspezialist hat den Würzburger Antrag auf eine zentrale Biobank federführend koordiniert.

Wofür eine Biobank gut ist

In der Biobank sammeln die Mediziner Proben für die Forschung der Zukunft. Denkbar ist zum Beispiel, dass in fünf Jahren ein neuer Biomarker entdeckt wird, der eine Krebserkrankung schon in einem sehr frühen Stadium anzeigt. „Dann können wir die eingelagerten Proben daraufhin untersuchen, ob die Konzentration des Biomarkers mit dem Krankheitsverlauf in Verbindung steht“, erklärt Professor Jahns.

Steigt die Biomarker-Menge an, wenn sich die Krankheit verschlimmert? Lässt sich mit dem Biomarker frühzeitig ein Rückfall erkennen? Solche und andere Fragen können die Wissenschaftler mit Hilfe einer Biobank dann schnell und auf Basis vieler Patientendaten bearbeiten – und dabei Erkenntnisse gewinnen, die Diagnostik und Therapie verbessern. Jahns bezeichnet Biobanken darum als einen „schier unerschöpflichen Schatz für die Gesundheitsforschung“.

Was mit den Proben geschieht

In der Würzburger Biobank wollen die Mediziner systematisch Gewebe-, Blut-, Urin- und Speichelproben von möglichst vielen Patienten des Universitätsklinikums sammeln – natürlich nur, wenn die Patienten zustimmen. Die Schwerpunkte liegen dabei auf Krebserkrankungen, Herz-Kreislauf-Leiden, Stoffwechsel-Krankheiten und neurologischen Erkrankungen, außerdem auf seltenen angeborenen Muskelerkrankungen.

Die Proben werden unter einer strengen Qualitätskontrolle mehrere Jahrzehnte lang in Tiefkühllagern aufbewahrt. Über eine zentrale Datenbank lassen sie sich verschiedenen Krankheitsstadien und anderen Untersuchungsbefunden zuordnen.

„Medizinische Forschungsprojekte bekommen nur auf Anfrage Zugang zu den Proben und Daten – und das selbstverständlich unter Einhaltung der ethischen Standards und datenschutzrechtlichen Vorschriften“, sagt Roland Jahns. Generell werde in der Biobank jeglicher Personenbezug unkenntlich gemacht, Probendaten und klinischen Daten grundsätzlich getrennt voneinander gespeichert.

Wo die Biobank stehen wird

Die Biobank untersteht der Medizinischen Fakultät der Universität. Ihre Verwaltungszentrale befindet sich derzeit im Gebäude A9 des Universitätsklinikums, am Straubmühlweg. Gleich daneben wird voraussichtlich Anfang 2012 ein Tiefkühllager für flüssige Proben errichtet. Das Gebäude soll im Endausbau drei so genannte Kryo-Container enthalten, zunächst wird aber nur einer installiert.

Kryo-Container sind robotergesteuerte Lager, in denen die Proben eingefroren sind. Jeder Container ist etwa so groß wie eine Doppelgarage, fasst bis zu 550.000 Einzelproben und kostet 1,5 Millionen Euro. Die Gewebeproben der Würzburger Biobank werden an einem anderen Ort aufbewahrt, in Tiefkühltanks des Pathologischen Instituts.

Bis der Bau des Tiefkühllagers startet, haben die Mediziner noch einige Koordinationsaufgaben zu erledigen. Unter anderem gilt es, die Eingliederung bestehender Biomaterial-Sammlungen einzelner Kliniken in die zentrale Biobank vorzubereiten.

Wie die Patienten informiert werden

In Planung ist auch eine Informationskampagne, denn schließlich sollen möglichst viele Patienten mit der langfristigen Aufbewahrung ihrer Proben und Daten einverstanden sein – in der Überzeugung, damit in Zukunft vielleicht einen Beitrag zu besseren Therapien leisten zu können. Der nagelneue Internet-Auftritt der Biobank stellt schon jetzt erste Informationen bereit.

Zur Homepage der Interdisziplinären Biomaterial- und Datenbank (IBDW) der Universität und des Universitätsklinikums Würzburg: http://ibdw.uk-wuerzburg.de

Kontakt

Prof. Dr. Roland Jahns, Interdisziplinäre Biomaterial- und Datenbank Würzburg, T (0931) 201-46368, jahns_r@klinik.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw
Weitere Informationen:
http://ibdw.uk-wuerzburg.de

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