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Betablocker verhindern negative Auswirkungen von Stress

23.11.2011
Trotz Stress das Ziel nicht aus den Augen verlieren
Betablocker verhindern negative Auswirkungen von Stress
RUB-Psychologen berichten in Journal of Neuroscience

Gestresste Personen verfallen in Gewohnheiten und verhalten sich nicht zielgerichtet. Dass dafür der Botenstoff Noradrenalin entscheidend ist, berichten Bochumer Wissenschaftler um Dr. Lars Schwabe (RUB-Fakultät für Psychologie) in Journal of Neuroscience. Stoppt man die Wirkung von Noradrenalin durch Betablocker, bleibt der Stresseffekt aus. „Die Ergebnisse können bedeutend für Substanzabhängigkeiten sein, für die Stress ein zentraler Risikofaktor ist“, sagt Schwabe. „Sie zeichnen sich durch eingeschliffene Routinen und Gewohnheiten aus.“

Stress erfahren mit und ohne Betablocker

Bereits in einer vorangegangenen Studie fanden die Bochumer Forscher heraus, dass Stress das zielgerichtete Verhalten während einer Lernaufgabe beeinträchtigt. Nun erforschten sie, wie diese negativen Effekte aufgehoben werden können. Schwabe und seine Kollegen setzten die Hälfte der Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer stressigen Situation aus. Einem Teil der gestressten Probanden gaben die Wissenschaftler zuvor das Medikament Propranolol, einen Betablocker. Es besetzt bestimmte Rezeptoren und verhindert so, dass Noradrenalin wirkt. Die übrigen Probanden nahmen eine Placebo-Tablette ein.

Lernen mit Kakao und Orangensaft

Dann lernten alle Probanden, dass sie Kakao oder Orangensaft als Belohnung erhielten, wenn sie am Computer bestimmte Symbole anklickten. Nach dieser Lernphase durften die Teilnehmer entweder so viele Orangen oder so viel Schokopudding essen, wie sie wollten. „Das schwächt den Wert der Belohnung“, erklärt Schwabe. „Wer Schokopudding isst, für den verliert Kakao an Reiz. Wer mit Orangen gesättigt ist, hat weniger Verlangen nach Orangensaft.“ Nicht gestresste Probanden, die Schokopudding gegessen hatten, klickten in den anschließenden Versuchsdurchgängen seltener die Symbole an, die zu einer Belohnung mit Kakao führten. Nicht gestresste Teilnehmer, die zuvor Orangen gegessen hatten, entschieden sich seltener für Symbole, die mit Orangensaft assoziiert waren.

Noradrenalin vermittelt Stresseffekte

Ganz anders verhielten sich gestresste Probanden, die eine Placebo-Tablette verabreicht bekommen hatten. Unabhängig davon, was sie gegessen hatten, wählten sie weiterhin sowohl mit Orangensaft als auch mit Kakao assoziierte Symbole. Sie blieben also bei ihren Gewohnheiten. Gestresste Probanden in der Betablocker-Gruppe handelten hingegen genauso zielgerichtet wie die Probanden, die keinen Stress erfahren hatten. Waren sie z. B. mit Schokopudding gesättigt, wählten sie seltener die Symbole, die zu Kakaobelohnung führten. Dieses Ergebnis belegt, dass Noradrenalin den Stresseffekt vermittelt und dass Betablocker die negativen Konsequenzen von Stress abwenden können. Die Studie wurde durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft und das Rektoratsprogramm der RUB gefördert.

Titelaufnahme

L. Schwabe, O. Höffken, M. Tegenthoff, O. Wolf (2011): Preventing the stress-induced shift from goal-directed to habit action with a beta-adrenergic antagonist, Journal of Neuroscience, doi: 10.1523/JNEUROSCI.3304-11.2011

Weitere Informationen

Dr. Lars Schwabe, Abteilung Kognitionspsychologie, Fakultät für Psychologie der Ruhr-Universität, 44780 Bochum, Tel.: 0234/32-29324

Lars.Schwabe@ruhr-uni-bochum.de

Angeklickt

Abteilung Kognitionspsychologie
http://www.cog.psy.ruhr-uni-bochum.de/index.html
Frühere Presseinformation
http://www.pm.ruhr-uni-bochum.de/pm2009/msg00169.htm
Redaktion
Dr. Julia Weiler

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.ruhr-uni-bochum.de

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