Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bestrahlung während der Operation kann Therapiezeit verkürzen

03.02.2010
Dietmar Hopp Stiftung spendet 1, 3 Millionen Euro für Universitäts-Frauenklinik Heidelberg / Innovatives Bestrahlungsgerät für die Behandlung von Brustkrebs

Patientinnen mit Brustkrebs können in der Universitäts-Frauenklinik Heidelberg ab diesem Jahr bereits während der Operation bestrahlt werden: Die bisher deutschlandweit einmalige intraoperative Bestrahlung mit Elektronen verkürzt die anschließende Strahlentherapie und entlastet so die Patientinnen. Die Finanzierung des mobilen Bestrahlungsgerätes LIAC der Firma Sordina wird von der Dietmar Hopp Stiftung mit 1,3 Millionen Euro unterstützt.

"Ohne die Unterstützung der Dietmar Hopp-Stiftung müssten wir deutlich zurückhaltender bei der Anschaffung von Innovationen sein", bedankte sich Irmtraut Gürkan, Kaufmännische Direktorin des Universitätsklinikums Heidelberg, bei einer Pressekonferenz am 2. Februar 2010 bei Katrin Tönshoff, Leiterin der Geschäftsstelle der Stiftung. "Das Universitätsklinikum Heidelberg profitiert in hohem Maße von Mäzenatentum, insbesondere durch die Dietmar Hopp-Stiftung", erklärte der Leitende Ärztliche Direktor des Universitätsklinikums Heidelberg, Professor Dr. J. Rüdiger Siewert. Auch den Neubau der Universitäts-Frauenklinik auf dem Neuenheimer Feld unterstützt die Stiftung großzügig.

Deutliche Erleichterung für Patientinnen

Bei der Behandlung von Brustkrebs folgt einer brusterhaltenden Operation in der Regel eine sechs- bis siebenwöchige Strahlentherapie, um im Gewebe verbliebene Tumorzellen abzutöten. So wird das Risiko eines erneuten Tumorwachstums gesenkt. Radiologen bestrahlen dazu die Brust der Patientin von außen mit Röntgen- oder Elektronenstrahlen; dabei wird das umliegende Gewebe zwangsläufig mitbestrahlt.

Anders bei der intraoperativen Bestrahlung: Ist der Tumor entfernt, wird in der offenen Operationswunde gezielt nur das Gewebe, in das der Tumor eingebettet war, bestrahlt. Nach dieser ersten Bestrahlung während der Operation verkürzt sich die anschließende Strahlentherapie bei gleicher Gesamt-Strahlendosis um zwei Wochen. "Je nach Ausbreitung des Tumors können wir eventuell ganz auf die Bestrahlung von außen verzichten", so Professor Dr. Dr. Jürgen Debus, Ärztlicher Direktor der Radiologischen Universitätsklinik Heidelberg. "Das ist eine deutliche Erleichterung für unsere Patientinnen, die häufig für die tägliche Bestrahlung von weit her kommen", ergänzte Professor Dr. Christof Sohn, Ärztlicher Direktor der Universitäts-Frauenklinik.

Elektronen-Strahlen schonen umliegendes Gewebe optimal

Ein weiterer Vorteil der intraoperativen Bestrahlung mit Elektronen ist die begrenzte Reichweite der Teilchen. Im Gegensatz zu Röntgenstrahlen dringen sie je nach Einstellung nur wenige Zentimeter in das Gewebe ein. So werden benachbarte Organe wie Rippen, Herz oder Lunge optimal geschont, Nebenwirkungen treten in der Regel nicht auf. "Die gesamte Strahlenbelastung ist bei dieser Form der Bestrahlung für die Patientin sehr gering", sagte Professor Debus.

Die intraoperative Bestrahlung bei Brustkrebs wird in Deutschland bisher nur an sehr wenigen Standorten angeboten, dann aber mit Röntgenstrahlen. Die Behandlung mit Elektronen ist bisher deutschlandweit einmalig. Trotzdem verfügen die Heidelberger Radiologen über eine große Erfahrung auf diesem Gebiet: Bereits seit 1991 werden in der Chirurgischen Universitätsklinik bei anderen Tumorarten intraoperative Bestrahlungen mit Elektronen vorgenommen. "Denkbar ist in Zukunft auch ein Einsatz dieses Verfahrens bei Tumoren der Gebärmutter oder Eierstöcke", so Professor Debus.

Die Behandlung eignet sich für die rund 80 Prozent der Patientinnen mit Brustkrebs, die an der Heidelberger Frauenklinik brusterhaltend operiert werden. Voraussetzung ist, dass die Tumorränder klar abgrenzbar sind. "Die Behandlung jeder einzelnen Patientin besprechen wir vor dem Eingriff in einer Tumorkonferenz. Auf diese Weise können wir sehr sicher die Patientinnen herausfiltern, die von der intraoperativen Bestrahlung profitieren", erklärte Professor Sohn. "So sichern wir höchste Behandlungsqualität."

Die eigentliche Bestrahlung dauert nur ein bis zwei Minuten. Unmittelbar nach Entfernung des Tumors wird das mobile Bestrahlungsgerät an den Operationstisch gesteuert und ein Rohr, durch das die Strahlung gelenkt wird, in die Operationswunde eingeführt. Der Operationssaal wurde eigens für dieses Behandlungsangebot umgebaut und mit Strahlenschutzvorrichtungen ausgestattet.

Weitere Informationen im Internet:
Über die Frauenklinik:
www.klinikum.uni-heidelberg.de/Frauenklinik.106569.0.html
Über die Radiologische Klinik:
www.klinikum.uni-heidelberg.de/Radiologische-Klinik.106714.0.html
Ansprechpartner:
Professor Dr. Christof Sohn
Ärztlicher Direktor der Universitäts-Frauenklinik
Universitätsklinikum Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 7901
Professor Dr. Dr. Jürgen Debus
Ärztlicher Direktor der Radiologischen Klinik
Universitätsklinikum Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 8201
Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang
Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der größten und renommiertesten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international bedeutsamen biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung neuer Therapien und ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 7.000 Mitarbeiter und sind aktiv in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 40 Kliniken und Fachabteilungen mit 1.600 Betten werden jährlich rund 500.000 Patienten ambulant und stationär behandelt. Derzeit studieren ca. 3.100 angehende Ärzte in Heidelberg; das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. (Stand 12/2008)

www.klinikum.uni-heidelberg.de

Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
E-Mail: annette.tuffs(at)med.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Die neue Achillesferse von Blutkrebs
22.05.2018 | Ludwig Boltzmann Gesellschaft

nachricht Schnelltests für genauere Diagnose bei Hirntumoren
17.05.2018 | Universitätsklinikum Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Im Focus: Faserlaser mit einstellbarer Wellenlänge

Faserlaser sind ein effizientes und robustes Werkzeug zum Schweißen und Schneiden von Metallen beispielsweise in der Automobilindustrie. Systeme bei denen die Wellenlänge des Laserlichts flexibel einstellbar ist, sind für spektroskopische Anwendungen und die Medizintechnik interessant. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT) haben, im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekts „FlexTune“, ein neues Abstimmkonzept realisiert, das erstmals verschiedene Emissionswellenlängen voneinander unabhängig und zeitlich synchron erzeugt.

Faserlaser bieten im Vergleich zu herkömmlichen Lasern eine höhere Strahlqualität und Energieeffizienz. Integriert in einen vollständig faserbasierten...

Im Focus: LZH zeigt Lasermaterialbearbeitung von morgen auf der LASYS 2018

Auf der LASYS 2018 zeigt das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) vom 5. bis zum 7. Juni Prozesse für die Lasermaterialbearbeitung von morgen in Halle 4 an Stand 4E75. Mit gesprengten Bombenhüllen präsentiert das LZH in Stuttgart zudem erste Ergebnisse aus einem Forschungsprojekt zur zivilen Sicherheit.

Auf der diesjährigen LASYS stellt das LZH lichtbasierte Prozesse wie Schneiden, Schweißen, Abtragen und Strukturieren sowie die additive Fertigung für Metalle,...

Im Focus: Achema 2018: Neues Kamerasystem überwacht Destillation und hilft beim Energiesparen

Um chemische Gemische in ihre Einzelbestandteile aufzutrennen, ist in der Industrie die energieaufwendige Destillation gängig, etwa bei der Raffinerie von Rohöl. Forscher der Technischen Universität Kaiserslautern (TUK) entwickeln ein Kamerasystem, das diesen Prozess überwacht. Dabei misst es, ob es zu einer starken Tropfenbildung kommt, was sich negativ auf die Trennung der Komponenten auswirken kann. Die Technik könnte hier künftig automatisch gegensteuern, wenn sich Messwerte ändern. So ließe sich auch Energie einsparen. Auf der Prozesstechnik-Messe Achema in Frankfurt stellen sie die Technik vom 11. bis 15. Juni am Forschungsstand des Landes Rheinland-Pfalz (Halle 9.2, Stand A86a) vor.

Bei der Destillation werden Flüssigkeiten durch Verdampfen und darauffolgende Kondensation des Dampfes in ihre Bestandteile getrennt. Ein bekanntes Beispiel...

Im Focus: Vielseitige Nanokugeln: Forscher bauen künstliche Zellkompartimente als molekulare Werkstatt

Wie verleiht man Zellen neue Eigenschaften ohne ihren Stoffwechsel zu behindern? Ein Team der Technischen Universität München (TUM) und des Helmholtz Zentrums München veränderte Säugetierzellen so, dass sie künstliche Kompartimente bildeten, in denen räumlich abgesondert Reaktionen ablaufen konnten. Diese machten die Zellen tief im Gewebe sichtbar und mittels magnetischer Felder manipulierbar.

Prof. Gil Westmeyer, Professor für Molekulare Bildgebung an der TUM und Leiter einer Forschungsgruppe am Helmholtz Zentrum München, und sein Team haben dies...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Invasive Quallen: Strömungen als Ausbreitungsmotor

23.05.2018 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Matrix-Theorie als Ursprung von Raumzeit und Kosmologie

23.05.2018 | Physik Astronomie

Frühwarnsystem RAWIS in Katastrophenübung mit THW final getestet

23.05.2018 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics