Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bestimmte Medikamentenallergien sind auf das Erwachen "schlafender" Viren

09.09.2010
Philippe Musette, Leiter der Uniklinik für Dermatologie in Rouen, untersucht seit mehreren Jahren bestimmte Formen von Medikamentenallergien. Nun konnte er aufzeigen, dass bestimmte Medikamentenallergien auf das Erwachen "schlafender" Viren, wie Herpes-Viren, zurückzuführen sind und nicht wie bislang angenommen das Ergebnis einer Reaktion des Organismus auf das Arzneimittel selbst sind.

Diese Arbeit wurde in der amerikanischen Fachzeitschrift Science Translational Medicine vom 25. August 2010 veröffentlicht [1].

Das Überempfindlichkeitssyndrom - starke Reaktion des Immunsystems - tritt erst mindestens drei Wochen nach der Einnahme des Medikaments auf. Die Symptome dieses seltenen Syndroms reichen von Infektionen, über Fieber, geschwollene Lymphknoten, Hautausschlag bis hin zu eventuellen Auswirkungen auf Lunge, Nieren, Leber und Herz. Die Sterblichkeitsrate liegt bei ungefähr 10%.

Die Arzneimittel, die das Syndrom auslösen, sind in den meisten Fällen Antiepileptika (Antikonvulsiva) und Antibiotika, aber auch Allopurinol (gegen Gicht).

Prof. Musette zufolge "wecken" diese Arzneimittel bei bestimmten Personen mit genetischer Veranlagung das Epstein-Barr-Virus (EBV), das normalerweise im "Schlaf-Modus" im Organismus vorkommt. Das Risiko einer Überempfindlichkeitsreaktion liege für ein Antikonvulsivum wie Tegretal (Carbamazepin) bei 1/8.000.

Im Rahmen dieser Studie wurden 40 Patienten untersucht, die diese Überempfindlichkeit aufwiesen. Bei 76% von ihnen beobachteten die Forscher eine Vermehrung des EBV im Blut. Bei diesen Patienten richteten sich die meisten Immunzellen, insbesondere die T-Lymphozyten CD8+, gegen die Viren-Partikel. Die Forscher um Philippe Musette konnten so beweisen, dass der Körper gegen die vom Arzneimittel verursachte Reaktivierung des Virus kämpft, und nicht gegen das Arzneimittel selbst, wie bislang angenommen. Somit könnte das Überempfindlichkeitssyndrom nicht nur durch das Aussetzen des Arzneimittels behandelt werden, sondern auch mit Kortikoïden, und in den schlimmsten Fällen mit wenig oder teilsweise effizienten Virostatika (wie Ganciclovir).

[1] "Drug Reaction with Eosinophilia and Systemic Symptoms (DRESS): A Multiorgan Antiviral T Cell Response", Picard, Janela, Descamps, […] Joly & Musette - Science Translational Medicine - 25.08.2010 - http://stm.sciencemag.org/content/2/46/46ra62.abstract

Kontakte:

- Philippe Musette - Uniklinik für Dermatologie, 1 rue de Germont, 76031 Rouen - Tel: +33 232 88 68 41 - E-Mail: philippe.musette@chu-rouen.fr

- Internetseite der Uniklinik für Dermatologie (auf Englisch): http://www.ihunormandyrouen.fr/ihugb/?page_id=986

Quelle: "Certaines allergies médicamenteuses dues au réveil de virus dormant", Artikel aus Les Echos - 25.08.2010 http://www.lesechos.fr/depeches/medecine-sante/afp_00276137-certaines-allergies-medicamenteuses-duesau- reveil-de-virus--dormant-.htm

Redakteurin: Léna Prochnow, lena.prochnow@diplomatie.gouv.fr

Léna Prochnow | Wissenschaft-Frankreich
Weitere Informationen:
http://www.wissenschaft-frankreich.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht In Deutschland wächst die Zahl der Patienten mit Diabetes mellitus
23.02.2017 | Versorgungsatlas

nachricht Ursache für eine erbliche Muskelerkrankung entdeckt
22.02.2017 | Klinikum der Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2017

23.02.2017 | Veranstaltungen

Wie werden wir gesund alt? - Alternsforscher tagen auf interdisziplinärem Symposium in Magdeburg

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Heinz Maier-Leibnitz-Preise 2017: DFG und BMBF zeichnen vier Forscherinnen und sechs Forscher aus

23.02.2017 | Förderungen Preise

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Planeten außerhalb unseres Sonnensystems: Bayreuther Forscher dringen tief ins Weltall vor

23.02.2017 | Physik Astronomie