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Bessere Versorgung nach schweren Unfällen

12.02.2009
Interdisziplinäre Forschergruppe der Universität Witten/Herdecke entwickelte weltweit ersten Standard, der die Versorgung nach schweren Unfällen mit Mehrfachverletzungen verbessern soll / Preis von der Europäischen Gesellschaft für Trauma und Notfallmedizin (ESTES)

Die langfristige Versorgung von schwerstverletzten Unfallopfern soll ein neuartiger Fragebogen verbessern helfen, den Unfallchirurgen und Wissenschaftler des Instituts für Forschung in der Operativen Medizin (IFOM) der Universität Witten/Herdecke in jahrelanger Arbeit entwickelt haben.

"Bei vielen Patienten steht eben nicht nur der reparierte Knochen nach einem Unfall im Mittelpunkt, meist ist die Seele viel stärker verletzt und der Patient braucht eine psychotherapeutische Behandlung", erklärt Professor Neugebauer, Direktor des IFOM.

"Seit 1991 stand ein Fragebogen, der über die körperlichen Spätfolgen hinaus auch die psychischen und sozialen Folgen erfasst, auf der Wunschliste der Ärzte weltweit" so Neugebauer weiter. 2006, nach mehreren Studien und vor allem vielen Abstimmungsprozessen, haben Neugebauer und sein Team ein modulares Instrument (Polytrauma Outcome POLO- Chart ) vorlegen können, das die Lebensqualität zuverlässig misst. Dafür haben sie jetzt den Preis der Europäischen Gesellschaft für Trauma und Notfallmedizin (ESTES) als beste Publikation erhalten.

Nach den Sport- und Freizeitunfällen sind Verkehrsunfälle nach wie vor die häufigste Ursache nach schweren Verletzungen; weltweit liegt die Todesrate bei 5 Mio./Jahr (Schätzung WHO 8.4 Mio./Jahr in 2020) und ist damit vergleichbar mit der Todesrate nach Lungenkrebs. In 75 % sind Männer zwischen 20 und 45 Jahren betroffen.

Dank der Fortschritte in der Medizin überleben in Deutschland mehr als 80% der Opfer ihre schweren Verletzungen, jedoch die Hälfte nur mit starken körperlichen, sozialen und psychischen Einschränkungen noch 2 Jahre nach dem Unfall. Diese Spätfolgen und ihre Auswirkungen auf die Patienten erfasst erstmals der neu entwickelte Fragebogen. Er erfasst die individuellen Profile der Unfallfolgen und bietet dem Behandler damit neue Perspektiven für die weitere Therapie.

"Wir Mediziner, Psychologen und Gesundheitswissenschaftler haben uns auf den Begriff 'Lebensqualität' geeinigt, um ein Maß zur Bewertung von individuellen Gesundheitszielen (Outcomes) zu haben. Dabei ist es von entscheidender Bedeutung, dass Patienten selbst Auskunft über ihren Zustand geben. Nicht der Arzt weiß, wie es dem Patienten geht, sondern dies kann er nur selbst beurteilen" erläutert Neugebauer den Ansatz der Forschungen.

Lebensqualität im wissenschaftlichen Sinne der Mediziner umfasst die subjektive Befindlichkeit und das Handlungsvermögen im somatischen, im psychischen und im sozialen Bereich. Die Messung der Lebensqualität in der Medizin ist immer dann von Interesse, wenn das subjektive Krankheitserleben im Vordergrund steht. "Die Behandlungseffekte sollten sich in einer besseren Lebensqualität des individuellen Patienten abbilden und nicht nur in sog. objektiven Maßeinheiten des behandelnden Arztes", fasst Neugebauer die Bemühungen zusammen, die Forschung auf den Patienten und sein Wohlbefinden auszurichten.

Weitere Informationen bei Univ. Prof. Dr. Edmund A. M. Neugebauer
Institut für Forschung in der Operativen Medizin, 0151/525 65 378, edmund.neugebauer@uni-wh.de

Originalpublikation: Quality of Life in Multiple Injured Patients: Developement of the Trauma Outcome Profile (TOP) as Part of the Modular Polytrauma Outcome (POLO) Chart. European Journal of Trauma, 1/2006, S. 44 - 62

Kay Gropp | Uni Witten/Herdecke
Weitere Informationen:
http://www.uni-wh.de

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