Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bescheid wissen über Prostatakrebs

13.06.2014

Mediziner aus Marburg und Münster entwickeln eine Computer-gestützte Entscheidungshilfe zur Früherkennung von Prostatakrebs.

Allgemeinmediziner der Philipps-Universität haben hierfür ein Computerprogramm erstellt, das derzeit in hausärztlichen Praxen der Region Marburg erprobt wird. Die Deutsche Krebshilfe fördert das Vorhaben mit insgesamt über zwei Millionen Euro; davon fließen 420.000 Euro an die Philipps-Universität.

Ziel des Projektes ist es, die Datenlage und die Informationsmöglichkeiten zum viel diskutierten PSA-Test zu verbessern. Dabei handelt es sich um einen Bluttest zur Früherkennung von Prostatakrebs (PSA: prostataspezifisches Antigen).

„Die Sterblichkeit am Prostatakarzinom kann durch den PSA-Test zwar gesenkt werden“, erläutert der Allgemeinmediziner Professor Dr. Norbert Donner-Banzhoff von der Philipps-Universität, der das Marburger Teilprojekt leitet; „es werden dadurch aber auch Tumore diagnostiziert, deren Nichtentdeckung und Nichtbehandlung den betroffenen Männern nicht geschadet hätten“.

Wie der Hochschullehrer darlegt, reicht der PSA-Test alleine nicht zur Diagnose; ist der PSA-Wert erhöht, müsse unter anderem mit einer Gewebsentnahme aus der Prostata weiter abgeklärt werden, ob eine bösartige Erkrankung vorliegt oder nicht. Die Behandlung habe häufig belastende Nebenwirkungen.

Die computergestützte Entscheidungshilfe der Marburger Allgemeinmediziner dient dazu, Männer umfassend über den PSA-Test und seine Konsequenzen zu informieren. Das Programm orientiert sich am Vorläuferprojekt „Arriba“, einer Beratungs-Software zur Vermeidung von Herzinfarkten und Schlaganfällen.

„Das persönliche Risiko und die Wirkung von Maßnahmen wie Medikamenteneinnahme oder Verhaltensänderungen werden mit anschaulichen Grafiken so dargestellt, dass die Patienten sich eine eigene Meinung bilden können“, sagt Donner-Banzhoff. „Arzt und Patient können damit gemeinsam eine Entscheidung treffen.“ Die Beratung sei ergebnisoffen, betont der Mediziner: Es gehe nicht darum, Männer zu einer bestimmten Maßnahme zu überreden.

Derzeit wird die neue Beratungs-Software zum PSA-Test in hausärztlichen Praxen der Region Marburg erprobt. Männer in der Altersgruppe von 55 bis 69 Jahren können damit eine gut fundierte Entscheidung treffen, ob sie den Test durchführen lassen oder nicht. Die Beratungen werden teilweise mit der neuen Software, teilweise in herkömmlicher Weise durchgeführt.

Um beide Vorgehensweisen vergleichen zu können, sollen die Patienten eine Einschätzung dazu abgeben, wie zufrieden sie mit der Beratung sind. „Uns interessieren unter anderem die Einbeziehung des Patienten in die Entscheidung, mögliche Entscheidungskonflikte und das Gefühl der Sicherheit der Betroffenen“, führt Donner-Banzhoff aus.

In einer späteren Projektphase sollen 3.000 Patienten in 100 Praxen der Region Münster beraten und um Rückmeldung gebeten werden. An dem Gesamtvorhaben beteiligen sich neben der Klinik für Urologie der Universität Münster und der Marburger Allgemeinmedizin auch Epidemiologen, Statistiker, Labormediziner und verschiedene ärztliche Organisationen.

Weitere Informationen:
Ansprechpartner: Professor Dr. Norbert Donner-Banzhoff,
Abteilung für Allgemeinmedizin, Präventive und Rehabilitative Medizin
Tel.: 06421 28-65119
E-Mail: Norbert@staff.uni-marburg.de

Johannes Scholten | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.uni-marburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Starkes Übergewicht: Magenbypass und Schlauchmagen vergleichbar
17.01.2018 | Universität Basel

nachricht Therapieansatz: Kombination von Neuroroboter und Hirnstimulation aktiviert ungenutzte Nervenbahnen
16.01.2018 | Universitätsklinikum Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Im Focus: Scientists decipher key principle behind reaction of metalloenzymes

So-called pre-distorted states accelerate photochemical reactions too

What enables electrons to be transferred swiftly, for example during photosynthesis? An interdisciplinary team of researchers has worked out the details of how...

Im Focus: Erstmalige präzise Messung der effektiven Ladung eines einzelnen Moleküls

Zum ersten Mal ist es Forschenden gelungen, die effektive elektrische Ladung eines einzelnen Moleküls in Lösung präzise zu messen. Dieser fundamentale Fortschritt einer vom SNF unterstützten Professorin könnte den Weg für die Entwicklung neuartiger medizinischer Diagnosegeräte ebnen.

Die elektrische Ladung ist eine der Kerneigenschaften, mit denen Moleküle miteinander in Wechselwirkung treten. Das Leben selber wäre ohne diese Eigenschaft...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - März 2018

17.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

18.01.2018 | Informationstechnologie

Optimierter Einsatz magnetischer Bauteile - Seminar „Magnettechnik Magnetwerkstoffe“

18.01.2018 | Seminare Workshops

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungsnachrichten