Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Pränatale Diagnostik verbessern - Spätabbrüche vermeiden

16.05.2002

Das Bundesverfassungsgericht hat in seinem Urteil von 1995 gefordert, die Praxis des Schwangerschaftsabbruchs immer wieder einer kritischen Überprüfung zu unterziehen. Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) begleitet und hinterfragt die Entwicklung permanent. Die Arbeitsgruppe der DGGG zum Schwangerschaftsabbruch hat nun Vorschläge zur Verbesserung der Pränatalen Diagnostik (PND) und der Vermeidung von Spätabbrüchen bei Lebensfähigkeit des Kindes erarbeitet und stellt sie zur Diskussion.

Prof. Hans Georg Bender, Präsident der DGGG, fordert eine detaillierte Analyse der 177 Spätabbrüche des vergangenen Jahres (2000 waren es 154) und die Wiedereinführung einer differenzierten Dokumentation und Statistik, denn die Ärzte sehen sich einem Dilemma ausgesetzt, da in vielen Fällen die medizinische- eine embryopathische Indikation ist.

"Wir wollen keinen Abbruch nach Eintritt der Lebensfähigkeit des Kindes durchführen. Nur wenn das Kind eindeutig durch seine Krankheit nicht lebensfähig wäre oder wenn schwere gesundheitliche Risiken für die Mutter zu erwarten sind, sollten Ausnahmen möglich sein," so Bender. Untersuchungen zeigen, dass in vielen Fällen eine verbesserte Pränatale Diagnostik die Entscheidung für oder gegen eine Schwangerschaft zu einem früheren Zeitpunkt ermöglicht und damit ein Spätabbruch bei Lebensfähigkeit des Kindes vermieden werden könnte. Während für die Frau und die Familie der Arzt der Hauptansprechpartner sein sollte, schlägt Bender eine interdisziplinäre Kommission bei der Bewertung von Spätabbrüchen vor. "Wir brauchen ein Gremium, dass den behandelnden Arzt berät und auch gegenüber der Gesellschaft Verantwortung mitträgt," fordert Bender.

Prof. Klaus Diedrich, Leiter der Arbeitsgruppe Schwangerschaftsabbruch und 1. Vizepräsident der DGGG, sieht erheblichen Verbesserungsbedarf bei der Beratung zur Pränatalen Diagnostik. In der 8.-10. Woche, bereits vor der ersten Ultraschalluntersuchung, sollen die Frauen und Familien eine umfassende Beratung über PND erhalten. Vor jeder weiteren Untersuchung hat eine gezielte Information mit Dokumentationspflicht zu erfolgen. Sowohl vor der Durchführung einer PND und erst recht bei einem auffälligen Ergebnis nach PND sollen die Eltern mindestens drei Tage Bedenkzeit wahrnehmen: "Eltern brauchen Zeit, damit sie eine überlegte und selbstverantwortete Entscheidung treffen können," so Diedrich.

Für Anfragen stehen zur Verfügung: Prof. Hans Georg Bender (Tel. 0211/ 811-7500)
Prof. Klaus Diedrich (Tel. 0451/500-2133)

Isa Berndt | idw

Weitere Berichte zu: DGGG PND Schwangerschaftsabbruch Spätabbruch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften