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Die Herzerkrankung an der Wurzel packen

10.12.2007
Bundesforschungsministerium fördert umfassendes Forschungsprojekt unter Leitung der Kardiologie am Universitätsklinikum Heidelberg mit mehr als 11 Millionen Euro / Erkenntnisse der Genomforschung sollen Patienten schneller zugute kommen

Was sind die molekularen Ursachen für Herzschwäche? Wie kann man das Wissen darum schnell und gezielt an den Patienten bringen? Die Abteilung Kardiologie an der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg hat dafür ein umfassendes Konzept erarbeitet - mit Erfolg: Sämtliche Vorschläge des nationalen Forschungsverbundes für Forschungsprojekte zur Herzmuskelschwäche fanden die Zustimmung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) und werden in den kommenden fünf Jahren im Rahmen des neuen "Programms der medizinischen Genomforschung" mit insgesamt mehr als 11 Mio. Euro gefördert. Mit mehr als 6 Mio. Euro entfällt der größte Teil der Fördermittel auf die Forscher am Universitätsklinikum Heidelberg.

Vorläufer des neuen Förderprogramms ist das nationale Genomforschungsnetz (NGFN), das seit 2001 von Heidelberg aus mit koordiniert wird und dessen Förderung im Mai 2008 ausläuft. Nun will das BMBF mit den neuen Kategorien "NGFN-plus" und "NGFN-transfer" die medizinische Genomforschung in Deutschland neu ausrichten: Im Blick der Wissenschaftler soll verstärkt die direkte Übertragung (Translation) der Forschungsergebnisse zum Nutzen des Patienten stehen; Kooperationen mit forschenden Unternehmen sollen für eine rasche Umsetzung der Erkenntnisse in Diagnose und Therapie sorgen.

Heidelberger Kardiologie koordiniert deutschlandweites Netzwerk zu genetischen Ursachen der Herzmuskelschwäche

Gleich mit mehreren großen Projekten zum Themenkomplex "Herzschwäche" ist die Abteilung Kardiologie unter der Leitung von Professor Dr. Hugo Katus, dem Geschäftsführenden Direktor der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg, an beiden Kategorien des Förderprogramms beteiligt und liegt damit deutschlandweit an der Spitze.

"Unsere Forschung im Rahmen des NGFN war sehr erfolgreich", erklärt Professor Dr. Hugo Katus. "Die neue Förderung erlaubt es uns nun, diese noch deutlich auszuweiten, um die Volkskrankheit Herzmuskelschwäche an der Wurzel zu packen." Dieser Wurzel bzw. den genetischen Ursachen ist ein neues deutschlandweites Netzwerk auf der Spur, das von Heidelberg aus koordiniert und im Rahmen von "NGFN-plus" mit insgesamt knapp 9 Mio. Euro gefördert wird.

"Das Netzwerk ermöglicht multizentrische Studien mit jeweils mehr als 1.000 Patienten zu verschiedenen Formen von Herzmuskelerkrankungen - wie der linksventrikulären Hypertrophie oder dem Vorhofflimmern", so Professor Katus. In den Studien soll die vollständige Erbinformation der Betroffenen auf Abweichungen im Bauplan untersucht werden, die Fehlfunktionen des Herzens begünstigen oder verursachen. Zusätzlich wird gezielt nach Veränderungen in bestimmten Abschnitten der Erbinformation gefahndet, die im Tierversuch ebenfalls zu Herzerkrankungen geführt haben.

Dem Netzwerk gehören die Universitätskliniken Göttingen (Professor Dr. Gerd Hasenfuß) und München (Privatdozent Dr. Stefan Kääb), die Charité in Berlin (Professor Dr. Reinhold Kreutz), das Max-Delbrück-Zentrum für Molekulare Medizin in Berlin (Professor Dr. Norbert Hübner) und das Leibnitz-Institut für Arterioskleroseforschung in Münster (Professor Dr. Monika Stoll) an. Die Auswertung der gewaltigen Datenmengen und die Entwicklung der dafür erforderlichen Programme leisten die Abteilung für genetische Epidemiologie am Leibnitz-Institut und die Abteilung für Bioinformatik am Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg.

Nahtloser Übergang in medizinische Praxis durch Kooperationen mit forschenden Unternehmen

Ein Kooperationsprojekt mit dem Berliner Biotech-Unternehmen "Metanomics" setzte sich in der Kategorie "NGFN-transfer" durch: Hier soll das im Rahmen des NGFN gewonnene Wissen genutzt und zusammen mit neuen Erkenntnissen nahtlos in die medizinische Praxis überführt werden. Das Projekt widmet sich speziell dem Stoffwechsel erkrankter Herzzellen. "Wir vergleichen die Stoffwechselprodukte erkrankter und gesunder Herzzellen", erklärt Privatdozent Dr. Norbert Frey, Projektleiter und Oberarzt der Abteilung Kardiologie an der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg. "Auf diese Weise erhalten wir Hinweise, welche Prozesse bei den verschiedenen Formen der Herzmuskelschwäche gestört sind. An diesen Schwachstellen könnten wir dann gezielt mit einer individuellen Therapie in Form maßgeschneiderter Medikamente ansetzen." Das BMBF fördert diese Initiative mit mehr als 1,2 Mio. Euro.

Heidelberger Physiologie entwickelt in Industriekooperation innovative Medikamente

Die Heidelberger Kardiologen beteiligen sich ebenfalls an einem "NGFN-Transfer"-Projekt unter der Leitung von Professor Dr. Markus Hecker, Geschäftsführender Direktor am Institut für Physiologie und Pathophysiologie der Universität Heidelberg. Der Physiologe entwickelt in Zusammenarbeit mit der Firma "Avontec", die er mit gegründet hat, in Martinsried innovative Medikamente auf der Basis von Nukleinsäuren, die gezielt bestimmte Gene abschalten, die für eine Herzschwäche verantwortlich sind. So werden die Herzzellen in die Lage versetzt, normal zu funktionieren. Dieses Konzept wurde im Jahr 2003 bereits mit dem Deutschen Gründerpreis ausgezeichnet und erhält nun Fördermittel in Höhe von ca. 1,1 Mio. Euro vom BMBF.

Ansprechpartner:
Dr. Tanja M. Weis
Tel.: 6221 / 56 3 80 64
E-Mail: Tanja.Weis@med.uni-heidelberg.de
Weitere Informationen:
www.herz-kreislauf-netz.com
Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
E-Mail: annette.tuffs(at)med.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/presse

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