Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bei geringerer Feinstaubbelastung bleibt die Lunge länger fit

06.12.2007
Luftverschmutzung und Gesundheit

Die Schweizer Lungenstudie SAPALDIA erbringt weltweit erstmals den Nachweis, dass sich die Verbesserung der Luftqualität, besonders die Reduktion der Feinstaubbelastung, auch für Erwachsene langfristig positiv auswirkt.

In sauberer Luft atmet es sich leicht. Das spürt man an Stellen mit hoher Luftschadstoffdichte sogar unmittelbar. Dem vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) unterstützen interdisziplinären Schweizer Forschungsprojekt SAPALDIA (Swiss Cohort Study on Air Pollution And Lung Diseases in Adults), das sich mit dem Zusammenhang zwischen langfristiger Luftschadstoffbelastung und der Gesundheit befasst, besonders der Atemfunktion, ist nun weltweit erstmals der Nachweis gelungen, dass auch Erwachsene langfristig von einer Verbesserung der Luftqualität profitieren. Die als kleine wissenschaftliche Sensation geltenden Ergebnisse werden im renommierten New England Journal of Medicine* publiziert.

Verringerte Feinstaubbelastung

Die Querschnittstudie SAPALDIA I diente dem Bundesrat 1998 als wissenschaftliche Grundlage für die Einführung der Immissionsgrenzwerte für Feinschwebestaub, also für Partikel mit einem Durchmesser unter 10 Mikrometern (PM10). Die Studie wurde 1991 mit 9651 zufällig ausgewählten Personen an acht Orten durchgeführt, und zwar in ländlichen Gebieten (Payerne, Wald), städtischen Agglomerationen (Aarau, Basel, Genf, Lugano) und Bergregionen (Davos, Montana). Für SAPALDIA II wurden dieselben Personen im Jahr 2002 erneut zur Befragung und Untersuchung eingeladen. Fast 90 Prozent der Teilnehmenden waren wiederum bereit mitzumachen. In den elf Jahren, welche die Erhebungen von SAPALDIA I von SAPALDIA II trennen, verringerte sich die Feinstaubbelastung an allen acht untersuchten Orten um 4,2 bis 7,5 Prozent.

Die Frage lautete, ob sich die Gesundheit von Personen, die einer hohen Schadstoffbelastung der Luft ausgesetzt sind, schneller verschlechtert als von Personen, die in einer weniger stark belasteten Umgebung leben. "Über die kurzfristigen Effekte der Feinstaubbelastung ist relativ viel bekannt", sagt Ursula Ackermann-Liebrich, Co-Leiterin des Sapaldia-Projektes vom Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Basel. Als schwieriger hat es sich erwiesen, den langfristigen Einfluss von Luftschadstoffen zu belegen.

"Mit dem Alter nimmt die Lungenfunktion ab", erklärt Thierry Rochat, Pneumologe am Universitätsspital Genf und Mitautor der Studie. Welche Rolle dabei die Luftqualität spielt, war vor SAPALDIA II wenig untersucht. Genaue Auskunft über die individuelle Entwicklung der Lungenfunktion lieferte den Forschern die so genannte Spirometrie, welche die Lungenkapazität, also das bei maximaler Anstrengung ausgeatmete Luftvolumen, das Erstsekundenvolumen, die Ausatmungsgeschwindigkeiten und andere Parameter misst.

Entscheidungshilfe für Festsetzung von Grenzwerten

"Zu Beginn der Studie lautete unsere Hypothese: Je stärker der Rückgang der Luftschadstoffbelastung, desto geringer sollte die altersbedingte Abnahme der Lungenfunktion sein", sagt Ursula Ackermann. Diese Hypothese konnte nun belegt werden. "Die altersbedingte Abnahme der Lungenfunktion war dabei im Durchschnitt umso geringer, je stärker sich die Luftqualität im Wohngebiet einer Person verbessert hatte", sagt Thierry Rochat. Auch Erwachsene profitieren also langfristig von einer Verbesserung der Luftqualität. Der bisherige Wissensstand beruhte auf Studien aus Kalifornien, die bei Kindern und im Wachstum befindlichen Jugendlichen eine Verbesserung der Lungenfunktion beobachteten, wenn diese aus Gegenden mit starker Feinstaubbelastung an weniger verschmutzte Orte umzogen.

Besonderes Gewicht legen die Forschenden auf die Tatsache, dass eine Reduktion der Feinstaubbelastung sowohl in städtischen Gebieten als auch in Höhenkurorten bei den untersuchten Personen zu verbesserter Lungenfunktion geführt hat. Die Schweiz weist keine hoch verschmutzte Luft auf, aber auch in Regionen mit guter Luftqualität hat der Unterschied einen Effekt. "Da die Verbesserung an allen acht Messorten nachweisbar ist, können die Resultate der Studie nun zur Festlegung von langfristigen Grenzwerten für Luftschadstoffe herangezogen werden", ist Ursula Ackermann überzeugt.

* Sara H. Downs, Christian Schindler, L.-J. Sally Liu, Dirk Keidel, Lucy Bayer-Oglesby, Martin H. Brutsche, Margaret W. Gerbase, Roland Keller, Nico Künzli, Philippe Leuenberger, Nicole M. Probst-Hensch, Jean-Marie Tschopp, Jean-Pierre Zellweger, Thierry Rochat, Joel Schwartz, Ursula Ackermann-Liebrich und SAPALDIA-Team : "Reduced Exposure to PM10 and Attenuated Age-Related Decline in Lung Function", New England Journal of Medicine, Vol. 357, Nr. 23, S. 2338-2347, 6.12.2007.

Kontakt:
Prof. Dr. med. Ursula Ackermann-Liebrich
Institut für Sozial- und Präventivmedizin
Universität Basel
Steingraben 49
CH-4051 Basel
Tel: +41 (0)61 267 60 66
E-Mail: ursula.ackermann-liebrich@unibas.ch
Prof. Thierry Rochat
Médecin-chef de Service
Service de Pneumologie
Hôpitaux Universitaires de Genève
CH-1211 Genève 14
Tel + 41 (0)22 372 99 02
E-Mail: thierry.rochat@hcuge.ch

| idw
Weitere Informationen:
http://www.snf.ch/D/Medien/BilddesMonats/Seiten/Bdm2007.aspx

Weitere Berichte zu: Feinstaubbelastung Lungenfunktion SAPALDIA

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Dimethylfumarat – eine neue Behandlungsoption für Lymphome
28.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

nachricht Die bestmögliche Behandlung bei Hirntumor-Erkrankungen
28.03.2017 | Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Von Agenten, Algorithmen und unbeliebten Wochentagen

28.03.2017 | Unternehmensmeldung

Hannover Messe: Elektrische Maschinen in neuen Dimensionen

28.03.2017 | HANNOVER MESSE

Dimethylfumarat – eine neue Behandlungsoption für Lymphome

28.03.2017 | Medizin Gesundheit