Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Trotz Expertenstandard Dekubitusprophylaxe: Viele Druckgeschwüre werden nicht oder falsch behandelt

15.05.2002


Bei der Prävention und pflegerischen Versorgung von Druckgeschwüren (Dekubitalulcera) pflegebedürftiger und kranker Menschen bestehen große Defizite. "In diesen Bereichen stößt man bei den Mitarbeitern in Krankenhäusern und Pflegeheimen oft auf erschreckend große Unkenntnisse und auch Pflegefehler, was bei den Erkrankten zu unerträglichen Schmerzen und gesundheitlichen Risiken bis hin zum Tod führen kann", sagte Christine Sowinski, Pflege-Expertin des Kuratoriums Deutsche Altershilfe (KDA) heute vor der Presse in Hannover.
Das bestätigte auch Ute Pilzecker, Leiterin des Referates Pflegeversicherung beim Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) Schleswig-Holstein. Sie hatte in einer Untersuchung der schleswig-holsteinischen Pflegeheime im August letzten Jahres zusammenfassend festgestellt, dass nur in jeder zweiten der insgesamt 554 analysierten Altenpflege-Einrichtungen die offensichtliche Dekubitus-Gefährdung der Bewohner in der Pflegeplanung überhaupt berücksichtigt wurde. "Die Gefahr wird dokumentiert, doch es werden nur in 20 Prozent der Fälle die erforderlichen Maßnahmen zur Vermeidung nachweislich erbracht", erklärte Ute Pilzecker. Im Rahmen des Projektes hatten die Gutachter beispielsweise eine inkontinente Bewohnerin angetroffen, die über sechs Stunden in ihrem Urin lag. Feuchtigkeit kann die Entstehung eines Dekubitus beschleunigen. In anderen Heimen lagen oder saßen gefährdete Bewohner stundenlang auf derselben Körperstelle, obwohl ihre Position in regelmäßigen Abständen hätte verändert werden müssen. Fehlende Druckentlastung ist die Hauptursache für die Entstehung eines Dekubitus. Alarmierend sei auch der häufig unsachgemäße Einsatz von Dekubitusmatratzen gewesen. Ute Pilzecker: "In einer Einrichtung haben wir eine Wechseldruckmatratze vorgefunden, die auf ein Körpergewicht von 80 Kilo eingestellt war. Die Bewohnerin, die darauf lag, wog aber gerade mal 35 Kilo. In diesem Fall wurde der Dekubitus erst durch die zu hart eingestellte Matratze verursacht."

Zahlreiche ähnliche Beispiele von Pflegefehlern sind dem KDA bekannt. "Nach unseren Erfahrungen existieren immer noch haarsträubende Rituale und ’Wandersagen’ in der Dekubitusprophylaxe und -therapie, wie beispielsweise der Einsatz von Gummiringen, von Wasserkissen oder durchblutungsfördernden Salben", berichtete Christine Sowinski. Obwohl inzwischen nachgewiesen sei, dass ihre Verwendung mehr schade als nütze, seien sie bisher einfach nicht ausrottbar. Und das, obwohl seit zwei Jahren der erste deutsche "Nationale Expertenstandard in der Pflege" zum Thema Dekubitusprophylaxe existiere. Dieser empfiehlt beispielsweise - auf der Basis eines individuellen Bewegungsplanes - so genannte Mikrobewegungen zu fördern. Unter Mikrobewegungen versteht man schon kleinste Positionsveränderungen wie das Herumrutschen auf einem Stuhl. "Leider ist aber dieser Standard in vielen Einrichtungen noch nicht bekannt oder er wird nicht als relevant erachtet", so Christine Sowinski. Dabei benötigten diese leicht und schnell durchzuführenden Handlungsmöglichkeiten weder mehr Personal noch mehr Zeit.

Klaus Großjohann | idw
Weitere Informationen:
http://www.kda.de/

Weitere Berichte zu: Dekubitus Dekubitusprophylaxe Druckgeschwür

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue statistische Verfahren zur Überprüfung von Arzneimittel-Generika
25.07.2017 | Ruhr-Universität Bochum

nachricht Chancen für die Behandlung von Kinderdemenz
24.07.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Im Focus: Breitbandlichtquellen mit flüssigem Kern

Jenaer Forschern ist es gelungen breitbandiges Laserlicht im mittleren Infrarotbereich mit Hilfe von flüssigkeitsgefüllten optischen Fasern zu erzeugen. Mit den Fasern lieferten sie zudem experimentelle Beweise für eine neue Dynamik von Solitonen – zeitlich und spektral stabile Lichtwellen – die aufgrund der besonderen Eigenschaften des Flüssigkerns entsteht. Die Ergebnisse der Arbeiten publizierte das Jenaer Wissenschaftler-Team vom Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT), dem Fraunhofer-Insitut für Angewandte Optik und Feinmechanik, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Helmholtz-Insituts im renommierten Fachblatt Nature Communications.

Aus einem ultraschnellen intensiven Laserpuls, den sie in die Faser einkoppeln, erzeugen die Wissenschaftler ein, für das menschliche Auge nicht sichtbares,...

Im Focus: Flexible proximity sensor creates smart surfaces

Fraunhofer IPA has developed a proximity sensor made from silicone and carbon nanotubes (CNT) which detects objects and determines their position. The materials and printing process used mean that the sensor is extremely flexible, economical and can be used for large surfaces. Industry and research partners can use and further develop this innovation straight away.

At first glance, the proximity sensor appears to be nothing special: a thin, elastic layer of silicone onto which black square surfaces are printed, but these...

Im Focus: 3-D scanning with water

3-D shape acquisition using water displacement as the shape sensor for the reconstruction of complex objects

A global team of computer scientists and engineers have developed an innovative technique that more completely reconstructs challenging 3D objects. An ancient...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

Gipfeltreffen der String-Mathematik: Internationale Konferenz StringMath 2017

24.07.2017 | Veranstaltungen

Von atmosphärischen Teilchen bis hin zu Polymeren aus nachwachsenden Rohstoffen

24.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

IT-Experten entdecken Chancen für den Channel-Markt

25.07.2017 | Unternehmensmeldung

Erst hot dann Schrott! – Elektronik-Überhitzung effektiv vorbeugen

25.07.2017 | Seminare Workshops

Dichtes Gefäßnetz reguliert Bildung von Thrombozyten im Knochenmark

25.07.2017 | Biowissenschaften Chemie