Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Millionen Informationen pro Mensch - die Medizin wird individualisiert

04.12.2007
Greifswalder Bevölkerungsstudie SHIP soll helfen, die Gesundheitsprobleme der Zukunft zu lösen

An der Universität Greifswald geht eine der größten Gesundheitsstudien zur Erforschung von Volkskrankheiten (SHIP* - Study of Health in Pomerania) in die dritte Runde. In Kooperation mit der Siemens AG soll die neue Untersuchungswelle in einer weltweit einzigartigen Bandbreite durchgeführt werden.

Dazu werden die bisherigen und künftigen Proben komplett auf mögliche genetisch bedingte Erkrankungen und Stoffwechselstörungen untersucht. Die neue Phase der repräsentativen Bevölkerungsstudie umfasst darüber hinaus erstmalig eine Ganzkörperuntersuchung durch einen Magnetresonanztomographen (MRT).

Der Start zur "Individualisierten Medizin" wird einen einmaligen Datensatz hervorbringen, der als Schlüssel zur Lösung vieler globaler Gesundheitsprobleme dienen kann. In der dritten Stufe von SHIP sind mehrere Millionen Variablen pro Person abruf- und nutzbar.

Durch fortschreitende Erkenntnisse aus medizinischer Forschung wird das Wissen um die Entstehung von Erkrankungen und ihrer Ursachen immer komplexer. So richtet sich bereits heute die Wahl eines Medikamentes für einen Patienten mit Bluthochdruck nicht nur nach der Grunderkrankung, sondern berücksichtigt ebenso individuelle Begleiterkrankungen und erbliche Faktoren. "Es ist davon auszugehen, dass der medizinische Fortschritt in den nächsten Jahren zur Etablierung von neuen diagnostischen Strategien führt, die individualisierte Therapieentscheidungen ermöglichen.

Der jeweilige Patient wird ganz individuell nach seinen Bedürfnissen behandelt", erläuterte Prof. Heyo K. Kroemer, Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Greifswald. Eine zunehmend individualisierte Medizin wird die Therapieeffizienz durch die Verordnung spezifischer Medikamente erheblich steigern, das Risiko von Nebenwirkungen vermindern, den Behandlungserfolg verbessern und letztlich die Behandlungskosten senken. Sie wird aber auch zu einer besseren Prävention von Erkrankungen führen, indem sie eine auf den Patienten und seine individuellen Krankheitsrisiken zugeschnittene Vorsorge ermöglicht. Das erfordert ein breites Spektrum von zuverlässigen Informationen über die Patienten. "SHIP und deren wertvoller Datensatz bietet geradezu eine ideale Plattform, um eine ganz auf den einzelnen Menschen abgestimmte Medizin entscheidend voranzubringen", so Kroemer.

"Mit der vor zehn Jahren initiierten Gesundheitsstudie SHIP kann sich Mecklenburg-Vorpommern maßgeblich zu einem der Wegbereiter der Medizin der Zukunft entwickeln", betonte der Ministerpräsident des Landes Mecklenburg-Vorpommern, Dr. Harald Ringstorff. "Die Dichte der wissenschaftlich erhobenen Daten und die Qualität der Auswertung werden im internationalen Forschungsverbund ein neues Zeitalter der Gesundheitsvorsorge eröffnen. Politik, Wirtschaft und Wissenschaft haben die Community Medicine* zu einem exklusiven Markenzeichen des Gesundheitslandes Mecklenburg-Vorpommern gemacht."

"Die hohe Genauigkeit und das stetig wachsende Potenzial moderner diagnostischer Verfahren - der Bildgebung wie der Labormedizin - tragen dazu bei, Erkrankungen immer frühzeitiger zu erkennen", so Prof. Erich R. Reinhardt, Mitglied des Vorstands der Siemens AG und Vorsitzender des Bereichsvorstands von Siemens Medical Solutions*. Voraussetzung für eine sichere Diagnose ist jedoch immer auch die Verfügbarkeit geeigneter Vergleichsdaten, welche eine Unterscheidung zu einem Normalbefund zulassen.

"Die SHIP-Studie der Universität Greifswald hat hierzu eine einzigartige Datenbasis hervorgebracht", so Reinhardt weiter. "Indem wir diese Datenbasis gemeinsam mit den Greifswalder Wissenschaftlern weiter ausbauen und die gewonnenen Informationen mittels leistungsfähiger Informationstechnologie in medizinisch nutzbares Wissen verwandeln, eröffnen wir neue Möglichkeiten, die Qualität der Gesundheitsversorgung zu erhöhen und die Kosten zu senken. Entscheidend ist dabei, alle Abläufe von der Prävention, über die Diagnostik und Therapie bis hin zur Nachsorge lückenlos einzubeziehen."

Als weltweit erstes, voll integriertes Diagnostikunternehmen besitzt Siemens Medical Solutions das dazu notwendige Portfolio. Es vereint Labordiagnostik, Bildgebung (MRT) und Informationstechnologie unter einem Dach.

Das Projekt der "Individualisierten Medizin" im Rahmen der dritten Untersuchungswelle von SHIP startet im Frühjahr 2008 mit einer Laufzeit von drei Jahren. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt die kommenden sechs Jahre die Basisdatenerhebung und -auswertung mit 5,4 Mio. Euro; das Land und die Siemens AG je zur Hälfte die erweiterten Analysemethoden mit insgesamt 8,6 Mio. Euro. Aus den bereits vorhandenen DNA-Proben werden im Interfakultären Institut für Genetik und funktionelle Genomforschung der Universität Greifswald mit Hilfe von Genchips erblich bedingte Wirkzusammenhänge erforscht. Dabei enthält jeder Chip bis zu 1.000.000 Genvarianten. Des Weiteren werden die Urin- und Blutproben mit neuen Laborverfahren hinsichtlich möglicher Stoffwechselerkrankungen untersucht. Allen Probanden in SHIP wird eine kostenlose Ganzkörper-MRT-Untersuchung angeboten. Mit ersten Ergebnissen wird im Jahr 2009 gerechnet. Alle Datensätze werden anonymisiert auf einer Großrechneranlage erfasst und stehen der Forschung in der Universität Greifswald sowie ihren nationalen und internationalen Kooperationspartnern zur Verfügung.

Die *Community Medicine (CM/Gemeindemedizin), zentraler Forschungsschwerpunkt der Medizinischen Fakultät der Universität Greifswald, ist eine bevölkerungsbezogene medizinische Wissenschaft mit starkem Praxisbezug. Im Zentrum steht die Analyse, Vermittlung und Bewertung von Gesundheitsdaten auf der regionalen Bevölkerungsebene. Basiswissenschaften sind Human- und Zahnmedizin, Epidemiologie und Biometrie, Versorgungsforschung, Sozialmedizin, Demographie, Gesundheitspsychologie und Medizinische Informatik. Als Ergebnis bevölkerungsbezogener Forschung und Lehre sollen neuartige Modelle im Bereich der Gesundheitsförderung, der ambulanten und stationären Versorgung sowie der Rehabilitation und Pflege entwickelt und in die Praxis umgesetzt werden (z. B. Telemedizinschwester AGnES). Ziele der CM sind die Verbesserung der Lebensqualität der Bevölkerung und die langfristige Sicherung der Qualität der medizinischen Versorgung. Das bundesweit einzige Institut für Community Medicine ist in Greifswald angesiedelt.

*SHIP - Volksgesundheit auf dem Prüfstand
Die Studie SHIP (Study of Health in Pomerania) ist das Kernstück der Community Medicine. Seit 1997 wurden 4310 zufällig ausgewählte Probanden aus Vorpommern zwischen 20 und 78 Jahren bereits zweimal auf "Herz und Nieren" untersucht und zu ihren Lebensgewohnheiten befragt. Angesichts der demographischen Entwicklung durch Abwanderung und Geburtenrückgang wird in Vorpommern eine Entwicklung vorweggenommen, die in den alten Bundesländern erst in zehn bis 20 Jahren zu erwarten ist. Die SHIP-Studie ermöglicht somit einen einzigartigen Blick auf die Gesundheitsprobleme der Zukunft. Auf Grundlage der Studie entwickeln Wissenschaftler weltweit bevölkerungsbezogene Strategien zur Vorbeugung von Krankheiten. So konnte beispielsweise mit Hilfe von SHIP-Datensätzen ein Risiko-Gen für Gallensteine ermittelt werden.

Alle noch lebenden Probanden der ersten Studie, rund 3.800 Menschen, werden ab Anfang des kommenden Jahres ein drittes Mal untersucht. Dabei kommen modernste Untersuchungs- und Analyseverfahren sowie die Telemedizin zum Einsatz. Seit 1997 wurde das Forschungsprojekt mit rund 10 Millionen Euro gefördert.

*Siemens Medical Solutions ist weltweit einer der größten Anbieter im Gesundheitswesen. Der Bereich versteht sich als medizinischer Lösungsanbieter mit Kernkompetenzen und Innovationsstärke in diagnostischen und therapeutischen Technologien sowie in der Wissensverarbeitung einschließlich Informationstechnologie und Systemintegration. Mit seinen Akquisitionen in der Labordiagnostik, z. B. der jüngsten Übernahme des US-amerikanischen Unternehmens Dade Behring, wird Siemens Medical Solutions das erste voll integrierte Diagnostik-Unternehmen, das Bildgebung und Labordiagnostik, Therapielösungen und medizinische Informationstechnologie miteinander verbindet und um Beratungs- und Serviceleistungen ergänzt. Das Unternehmen bietet Lösungen für die gesamte Versorgungskette unter einem Dach, von der Prävention und Früherkennung über die Diagnose bis zur Therapie und Nachsorge. Siemens Medical Solutions beschäftigt weltweit rund 49.000 Mitarbeiter und ist in über 130 Ländern präsent.

Einladung zum Parlamentarischen Informationsabend
der Universität Greifswald und der Siemens AG
Am Dienstag, dem 4. Dezember 2007, wird die Universität Greifswald in Kooperation mit der Siemens AG im Rahmen eines Parlamentarischen Informationsabends im Schweriner Schloss das Zukunftsmodell der "Individualisierten Medizin" erstmals der Öffentlichkeit präsentieren.

Zu der Veranstaltung sind die Vertreter der Medien recht herzlich eingeladen!

Dienstag, 4. Dezember 2007, ab 17.00 Uhr, Orangerie des Schweriner Schlosses, Lennéstraße 1

Agenda

18.00 Uhr - Begrüßung
Prof. Dr. Rainer Westermann, Rektor der Universität Greifswald
Sylvia Bretschneider, Präsidentin des Landtages von Mecklenburg-Vorpommern
Grußwort
Dr. Harald Ringstorff, Ministerpräsident des Landes Mecklenburg-Vorpommern
Statement
Prof. Dr. Heyo K. Kroemer, Dekan der Medizinischen Fakultät
Gunter Gotal, Kaufmännischer Direktor des Universitätsklinikums Greifswald
Gastreferat
Prof. Dr. Erich R. Reinhardt, Vorsitzender von Siemens Medical Solutions,
Mitglied des Vorstands der Siemens AG
18.45 Uhr Get together und Empfang
Kontakt
Universität Greifswald - Medizinische Fakultät
Dekan: Prof. Dr. rer. nat. Heyo K. Kroemer
Fleischmannstraße 8, 17475 Greifswald
T +49 3834 86-50 00
F +49 3834 86-50 02
E dekamed@uni-greifswald.de
http://www.medizin.uni-greifswald.de
Siemens AG - Medical Solutions
Corporate Communication
Stephan Feldhaus
Henkestraße 127, 91052 Erlangen
T +49 9131 84-61 29
F +49 9131 84-29 24
E stephan.feldhaus@siemens.com

Constanze Steinke | idw
Weitere Informationen:
http://www.siemens.com
http://www.siemens.com/medical
http://www.uni-greifswald.de

Weitere Berichte zu: Informationstechnologie Labordiagnostik SHIP

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Vitamin-Mangel, der Kampf gegen die Antriebslosigkeit und Nahrung für die Nerven
08.12.2016 | PhytoDoc Ltd.

nachricht Entschlüsselung von Kommunikationswegen zwischen Tumor- und Immunzellen beim Eierstockkrebs
06.12.2016 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie