Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ausatmen für den Arzt

04.12.2007
Dortmunder Wissenschaftler haben eine Methode entwickelt, mit der sich Ausatemluft analysieren lässt. In einem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit fast einer Million Euro geförderten Projekt soll daraus ein Gerät werden, das Ärzte zur Diagnose von Krankheiten verwenden können.

Wenn Sie demnächst jemand dazu auffordert, in ein Röhrchen zu pusten, trägt dieser Jemand möglicherweise keine Polizeiuniform, sondern einen weißen Kittel. Und statt nach Anzeichen übermäßigen Alkoholkonsums sucht Ihr Hausarzt in Ihrem Atem nach Hinweisen auf eine Erkrankung.

Die Atemanalyse als medizinische Diagnosehilfe gibt es bereits. Wissenschaftler des Institute for Analytical Sciences (ISAS) haben sie entwickelt und gemeinsam mit Medizinern einer westfälischen Lungenklinik auch erfolgreich getestet. Sie funktioniert ähnlich wie eine Nase, nur dass hier ein spezielles Spektrometer die Aufgabe des Riechorgans übernimmt. Es sucht in der Ausatemluft eines Patienten nach sogenannten Markern, das sind chemische Substanzen, die für bestimmte Krankheiten charakteristisch sind.

Die Suche nach neuen Markern steht im aktuellen Projekt jedoch nicht im Vordergrund. Mit den Fördergeldern des Bundesministeriums für Bildung und Forschung sollen Atemanalysegeräte entwickelt werden, die für den Einsatz in Arztpraxen oder Kliniken geeignet sind. Denn das, was im Moment im Labor des ISAS in Dortmund steht, erfüllt weder ärztliche Bedürfnisse noch gesetzliche Vorschriften für medizintechnische Produkte. "Wir Wissenschaftler wollen erst mal nur herausfinden, ob und unter welchen Bedingungen eine neue Methode funktioniert", erklärt Jörg Ingo Baumbach, verantwortlicher Wissenschaftler am ISAS. "Das heißt, wir verändern die Parameter immer wieder neu und loten so die Möglichkeiten und Grenzen der Methode aus."

... mehr zu:
»Atemanalyse

Ein Hausarzt muss jedoch keine Temperaturen einstellen oder den Atem von Mäusen analysieren können - er will herausfinden, ob sein Patient vielleicht an Mukoviszidose oder an einer bakteriellen Lungenentzündung erkrankt ist. Der Mediziner auf der Intensivstation möchte darüber hinaus durch mehrmalige Messungen erfahren, ob sich der Zustand des Patienten verändert. Um die unterschiedlichen medizinischen Anforderungen zu erfüllen, wird das ISAS sowohl mit Industrieunternehmen als auch mit Kliniken und weiteren Leibniz-Instituten zusammen arbeiten. Das interdisziplinäre Gemeinschaftsprojekt gehört zur der Hightech-Strategie des Forschungsministeriums, mit die Umsetzung von wissenschaftlichen Ideen in Produkte gezielt gefördert werden soll.

Im Fall der Atemanalyse heißt das: Die jetzige Apparatur muss praktischer gestaltet und die Anzahl der Schalter und Regler auf ein bedienerfreundliches Maß reduziert werden. Aus den Diagrammen und Kurven, die momentan als Analyseresultat auf einem separaten Bildschirm erscheinen, muss ein Messergebnis werden, das auch Nicht-Forscher verstehen können. Dafür und auch zur Automatisierung von Abläufen braucht es die passende Software. Und nicht zuletzt muss das fertige Gerät nicht nur die medizintechnischen Sicherheitsbestimmungen erfüllen, sondern auch zu annehmbaren Kosten produzierbar sein. Sonst bleibt die Aufforderung zum Ins-Röhrchen-Pusten doch allein den Kolleginnen und Kollegen von der Polizei vorbehalten.

Uta Deinet | idw
Weitere Informationen:
http://www.bmbf.de/de/6608.php
http://www.isas.de

Weitere Berichte zu: Atemanalyse

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn
19.01.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise