Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wirksame Früherkennung von Hormonstörungen nach Hirnverletzung

30.11.2007
Gehirnerschütterungen und Schlaganfälle können die Hirnanhangdrüse schädigen und damit den gesamten Hormonhaushalt der Betroffenen stören. Denn die mitten im Kopf gelegene Drüse produziert lebenswichtige Hormone.

Doch Unterfunktionen der sogenannten Hypophyse fallen häufig zu spät auf - mit schwerwiegenden Folgen für die Patienten. Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) fordert deshalb eine wirksamere Früherkennung bei Hirnverletzten.

Pro Million Einwohner erleiden jährlich etwa 8 000 Menschen ein Schädel-Hirn-Trauma (SHT). Starke Erschütterungen des Gehirns, etwa durch Sturz oder Verkehrsunfall, können die Hypophyse verletzen. Auch Blutungen in das die Hypophyse umgebende Hirnwasser sind gefährlich. Denn das Blut erzeugt Druck und schädigt damit die Drüse.

"Unsere Untersuchungen zeigen, dass nach jedem vierten schweren Schädel-Hirn-Trauma und nach fast jeder zweiten Subarachnoidalblutung die Hypophyse in Mitleidenschaft gezogen wird", erläutert Professor Dr. med. Günter Karl Stalla von der Sektion Neuroendokrinologie der DGE aus München. Die Symptome lassen sich zwar medikamentös therapieren. Bei den behandelnden Ärzten fehle jedoch das Bewusstsein für diese Störung. Sie wird deshalb nur selten erkannt und nicht angemessen behandelt.

Hinzu kommt, dass die Beschwerden aufgrund einer schadhaften Hypophyse vielfältig sind. Am schnellsten mache sich ein Ausfall von Corticotropin bemerkbar, so Stalla. Dieses Hormon steuert die Bildung des Stresshormons Cortisol in der Nebenniere. Ein Cortisol-Mangel wiederum lässt Blutdruck und Blutzucker sinken und führt zu schweren Elektrolytstörungen. Im schlimmsten Fall droht eine tödliche Kreislaufkrise. Häufiger ist jedoch eine unerklärlich lange Erholungsphase nach der Hirnverletzung. Professor Stalla rät zu einem Hormontest. "Denn eine rechtzeitige hormonelle Therapie kann lebensrettend sein und die Erholung der Patienten deutlich beschleunigen", sagt der Experte.

Ist die Produktion des Wachstumshormons in der Hypophyse gestört, macht sich dies erst langfristig bemerkbar. Das gleiche gilt für den Ausfall der Steuerhormone für Schilddrüse und Hoden beziehungsweise Eierstöcke. Diesbezüglich sind Hormontests laut Stalla drei bis sechs Monate nach der Verletzung erforderlich. Bei einigen Menschen fällt nach Verletzung der Hypophyse auch das antidiuretische - das sogenannte Dursthormon aus. Sie scheiden dann vermehrt Urin aus, begleitet von unstillbarem Durst und unmäßigem Trinken.

Die Schwere eines SHT entspricht nicht unbedingt dem Ausmaß der Hypophyseninsuffizienz. Dass die Hypophyse ihre Hormone im Laufe des Tages unterschiedlich stark produziert, erschwert zudem die Diagnose. Erfahrene Endokrinologen wüssten dies jedoch zu berücksichtigen, sagt Professor Dr. med. Harald Klein, Sprecher der DGE von der Universitätsklinik Bergmannsheil in Bochum. Diese Expertise sei für die richtige Diagnose und die anschließende Therapie unabdingbar.

Quellen:
Schneider HJ, Kreitschmann-Andermahr I, Ghigo E, Stalla GK, Agha A. Hypothalamopituitary dysfunction following traumatic brain injury and aneurysmal subarachnoid hemorrhage: a systematic review. JAMA. 2007 Sep 26;298(12):1429-38. Review.

Schneider HJ, Aimaretti G, Kreitschmann-Andermahr I, Stalla GK, Ghigo E. Hypopituitarism. Lancet. 2007 Apr 28;369(9571):1461-70

| idw
Weitere Informationen:
http://www.endokrinologie.net

Weitere Berichte zu: DGE Früherkennung Hirnverletzung Hormon Hypophyse

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn
19.01.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Im Focus: How gut bacteria can make us ill

HZI researchers decipher infection mechanisms of Yersinia and immune responses of the host

Yersiniae cause severe intestinal infections. Studies using Yersinia pseudotuberculosis as a model organism aim to elucidate the infection mechanisms of these...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

Bundesweiter Astronomietag am 25. März 2017

17.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Flashmob der Moleküle

19.01.2017 | Physik Astronomie

Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn

19.01.2017 | Medizin Gesundheit

Fraunhofer-Institute entwickeln zerstörungsfreie Qualitätsprüfung für Hybridgussbauteile

19.01.2017 | Verfahrenstechnologie