Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

HIV: Späte Diagnose kostet viele Menschenleben

30.11.2007
Die AIDS-Epidemie hat bis heute weltweit mehr als 20 Millionen Menschenleben gefordert.

"Die Epidemie verläuft weiter ungebremst", betont Professor Dr. Jürgen Rockstroh, Präsident der Deutschen AIDS-Gesellschaft DAIG und Immunologe an der Universität Bonn, anlässlich des Welt-Aids-Tages am morgigen 1. Dezember. Zahlreiche Betroffene erfahren laut DAIG zudem erst sehr spät, dass sie mit dem HI-Virus infiziert sind. Diese verspätete Diagnosestellung koste viele Patienten das Leben.

Die aktuellen Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und des UN-Programm zu HIV und AIDS (UNAIDS) sind alarmierend: Weltweit wird die Anzahl der Menschen, die mit HIV leben, auf 33,2 Millionen geschätzt. Im Jahr 2007 haben sich 2,5 Millionen Menschen neu mit dem Virus infiziert. Über zwei Millionen Erkrankte sind im letzten Jahr an AIDS-assoziierten Komplikationen gestorben. Die Zahl der Todesfälle durch HIV und AIDS seit Beginn der Epidemie ist damit weltweit auf über 20 Millionen gestiegen.

Die im Vergleich zum Vorjahr etwas geringere Anzahl der weltweit geschätzten HIV-Fälle geht auf die Einführung eines verbesserten Monitoring-Systems sowie auf die Ergebnisse neuerer Umfragen zurück. "Der vermeintliche Rückgang reflektiert somit eher die neue Berechnungsform als eine tatsächliche Abnahme von Neuinfektionen", betont DAIG-Präsident Professor Dr. Jürgen Rockstroh.

... mehr zu:
»Aids »HIV

Unverändert sind die Länder Afrikas unterhalb des Saharagürtels mit zwei Drittel aller Infizierten weltweit am stärksten betroffen. In Osteuropa einschließlich Russland sind die HIV-Infektionsraten seit 2001 auf das Zweieinhalbfache gewachsen und steigen unverändert weiter. Weltweit findet sich die Hälfte aller HIV-Infektionen bei Frauen, insbesondere bei jungen Frauen im gebärfähigen Alter. Grund sind sexuelle Gewalt, die mit der großen Armut in vielen Ländern einhergehende Prostitution sowie mangelnde Schutzmöglichkeiten, beispielsweise durch Kondome.

50 Prozent aller Betroffenen in Europa kennen ihre Diagnose nicht

Die neuen epidemiologischen Zahlen für Europa und Deutschland sind ebenfalls alarmierend. In West-Europa wird von 760.000 HIV-Kranken, in Ost-Europa sogar von 1,6 Millionen ausgegangen. Seit dem Jahr 2000 sind die Zahlen damit stetig gestiegen. Mit 504 Infektionen auf eine Million Einwohner ist die Prävalenz von HIV derzeit in Estland am höchsten.

Neue Modellberechnungen gehen davon aus, dass 50 Prozent der Menschen, die in Europa mit HIV infiziert sind, ihre Diagnose nicht kennen. Viele Betroffene erfahren erst nach Ausbruch der AIDS-Erkrankung von ihrer Infektion mit dem Virus. Diese verspätete Diagnosestellung kostet viele Patienten das Leben. Daher haben sich in dieser Woche erstmals Politiker, Ärzte und Patientenvertreter in Brüssel im Rahmen zu einer wissenschaftlichen Konferenz getroffen, um über eine bessere Versorgung und optimierte HIV-Teststrategien zu diskutieren. Die Konferenz wurde von der DAIG unterstützt.

Deutschland: Fünf Prozent mehr Neuinfektionen

In Deutschland leben momentan insgesamt etwa 59.000 Menschen mit einer HIV-Infektion oder AIDS-Erkrankung. Nach einer aktuellen Schätzung des Robert Koch-Instituts haben sich in diesem Jahr etwa 3.000 Personen neu infiziert, rund fünf Prozent mehr als im Vorjahr.

Die Deutsche AIDS-Gesellschaft will sich für eine Intensivierung der AIDS-Vorsorge einsetzen. Hierzu gehört auch die Vorbereitung eines wissenschaftlichen Symposiums zu diesem Schwerpunkt. Darüber hinaus will sich die DAIG insbesondere in den HIV-Epidemiegebieten in Ost-Europa engagieren. Vor allem die Vermeidung der Mutter-Kind-Übertragung hat in den am stärksten betroffenen Ländern höchste Priorität. Die DAIG nutzt dazu Konzepte, die unter ihrer Schirmherrschaft zum Thema HIV und Schwangerschaft entwickelt wurden. Behandlungsstrategien auf dem hohen Niveau der Industrieländer sollen auch in geplante Ausbildungsprogramme und medizinische Kooperationen mit HIV-Versorgungseinrichtungen in Afrika einfließen.

Weitere Informationen im Internet:
UN-Programm zu HIV und AIDS: http://www.unaids.org
CDC Europa: http://www.ecdc.europa.eu
Robert-Koch-Institut: http://www.rki.de
Europäische Aids-Konferenz 2009 in Köln: http://www.eacs-conference2009.com
Kontakt:
Nicole Bentrup
Sekretariat der Deutschen AIDS-Gesellschaft e.V.
Medizinische Klinik und Poliklinik 1, Universitätsklinikum Bonn
Telefon: 0228/287-11208
E-Mail: DAIG@ukb.uni-bonn.de

Frank Luerweg | idw
Weitere Informationen:
http://www.daignet.de
http://www.unaids.org
http://www.eacs-conference2009.com

Weitere Berichte zu: Aids HIV

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

nachricht Tropenviren bald auch in Europa? Bayreuther Forscher untersuchen Folgen des Klimawandels
21.06.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften