Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hausstaub ist nicht Ursache von Asthma im Kindesalter. Studie an der Charité

07.11.2000


... mehr zu:
»Antikörper »Asthma
Epidemiologische Untersuchungen stellen seit Jahren eine Zunahme der Häufigkeit von Asthma im Kindesalter fest. Die Gründe dafür sind bisher nicht gefunden, gleichwohl wurden immer wieder Umweltfaktoren als
Verursacher angeschuldigt. Besonders verdächtig erschienen Hausstäube, Milben und Katzenhaare. Außerdem war die Vorstellung verbreitet, die Höhe der Belastung in Innenräumen bestimme die Häufigkeit von Asthma.

Tatsächlich jedoch hängt es nicht von der Menge an Hausstaub oder Katzenhaaren in der Umgebung von Säuglingen und
Kindern ab, ob sie an Asthma erkranken.

Dies hat eine an fünf deutschen Städten durchgeführte Studie (German Multicenter Allergy Study) ergeben, bei der sieben Jahre lang rund tausend Kinder beobachtet und untersucht wurden.

Dr. Susanne Lau von der "Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Allergologie und Immunologie" der Charité, wo die Studie koordiniert worden ist, konnte die Ergebnisse jüngst in der Fachzeitschrift "Lancet" veröffentlichen (Band 356, [2000], Seite 1392-97).

Im Rahmen dieser großen, prospektiven Untersuchung wurde die Entwicklung der Kinder über die ersten sieben Lebensjahre
verfolgt und in festgelegten zeitlichen Abständen immer wieder die häusliche Belastung mit Hausstaub durch Probenentnahme aus Teppichen im Wohn- und Schlafbereich bestimmt. Außerdem dokumentierte man die Beobachtungen der Eltern zur Entwicklung von Atemwegserkrankungen ihrer Kinder bis hin zu Asthma und hielt fest, wie oft von ärztlicher Seite die Diagnose "Asthma" gestellt wurde. Zusätzlich wurden an Hand von Blutproben das Ausmaß der Antikörperentwicklung gegen Hausstaubmilben, Katzenhaar, Gräser- und Birkenpollen bestimmt. Im Alter von sieben Jahren unterzogen sich die Kinder auch einer (objektiven) Lungenfunktionsprüfung.

Es zeigte sich, dass Kinder durchaus auf Allergenbelastung in Innenräumen mit ihrem Immunsystem reagieren. Sie bilden -
individuell unterschiedlich stark - je nach Belastung - Antikörper dagegen. Aber, ob sich Asthma entwickelt, ist unabhängig von der Menge an Antikörpern und unabhängig vom Ausmaß der Exposition. Offenbar bedarf es noch anderer Faktoren, damit ein Kind in allergenreicher Umgebung Asthma entwickelt. (Ist indessen ein Kind tatsächlich an Asthma erkrankt, so wirkt sich eine allergenarme Umgebung günstig auf die Schwere der Erkrankung aus.)

Die Ergebnisse bestätigen in gewisser Weise auch Studien in Frankreich und Nordamerika, die zeigten, dass Schutz vor
Allergenen (Hausstaub oder Katzenhaar) nicht dazu führt, dass Kinder von Asthma verschont bleiben. Denn die Rate an
asthmatischen Kindern unter exponierten wird nicht geringer, wenn die Kinder in sehr allergenarmer Luft, in Wüstenklima oder in großen Höhen, aufwachsen.

Die Erkenntnisse von Dr. Lau und ihren Mitarbeitern dürften auch von ganz praktischer Bedeutung sein: Familien werden vom Vorwurf entlastet, wegen zu hoher Innenraumbelastung mit allergisierenden Stäuben an der Asthmaerkrankung des Kindes
mitschuldig zu sein. Ebenso kann man Eltern davor bewahren, ihre gesamte Wohnung zu kacheln, Matratzen ständig zu erneuern oder auf Teppiche zu verzichten, in der Absicht dadurch Schutz vor Asthma zu erzielen.

Silvia Schattenfroh
____________________________________________________________

Charité
Medizinische Fakultät der
Humboldt Universität zu Berlin

Dekanat
Pressereferat-Forschung
Dr. med. Silvia Schattenfroh
Augustenburger Platz 1
13353 Berlin

FON: (030) 450-70 400
FAX: (030) 450-70-940

E-Mail: silvia.schattenfroh@charite.de

Dr. med. Silvia Schattenfroh | idw

Weitere Berichte zu: Antikörper Asthma

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

nachricht Tropenviren bald auch in Europa? Bayreuther Forscher untersuchen Folgen des Klimawandels
21.06.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften