Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

MR-Elastographie der Brust: Elastizität des Tumors verrät ob er gut- oder bösartig ist

10.05.2002


Um in Zukunft noch sicherer und schneller gute von bösartigen Tumoren in der Brust unterscheiden zu können, erproben Radiologen seit einiger Zeit eine neue Methode. Von diesem Magnetresonanz-Elastographie (MRE) genannten nicht-invasiven Verfahren versprechen sich Radiologen in schwierigen Fällen zusätzliche Informationen für die Diagnostik: Die MRE kann physikalische Gewebseigenschaften kartieren und als Schnittbild darstellen, erklären Experten auf dem Deutschen Röntgenkongress in Wiesbaden.

Wenn Mammographie und Ultraschall keine klare bzw. eindeutige Diagnose über die Art eines Knotens liefern können, müssen weitere Untersuchungen folgen. Dazu setzen Radiologen in bestimmten Fällen auch die Magnetresonanztomographie (auch Kernspintomographie genannt) ein. Ein neues MR-tomographisches Verfahren, die Magnetresonanz-Elastographie, kann zusätzlich zur herkömmlichen Untersuchung mit dem MR-Tomographen bestimmte physikalische Eigenschaften des Brustdrüsengewebes, beispielsweise Härte und Elastizität, in einem Schnittbild sichtbar machen.

Das Abtasten der Brust durch den erfahrenen Gynäkologen oder die Frau selbst gehört unbestritten zu wichtigen Maßnahmen, um Knoten in der Brust zu erkennen. Auch ob ein Knoten gut- oder bösartig ist, kann manchmal per Abtasten herausgefunden werden - kleinere oder tiefer in der Brust gelegene Tumore entgehen der Tastuntersuchung allerdings regelmäßig, weswegen sie zur Früherkennung nicht geeignet ist. Aber die Tatsache, daß Brustkrebs unter günstigen Umständen von außen ertastbar ist, zeigt, daß bösartige Tumore offenbar zu erheblichen (nämlich manchmal sogar von außen fühlbaren) Veränderungen (Verhärtungen) des Gewebes führen.
Mit der "MR-Elastographie" können diese Verhärtungen sichtbar gemacht werden - und zwar einschließlich der in der Tiefe gelegenen Brustgewebsabschnitte, die der tastenden Hand entgehen würden: mit Hilfe der MRE können diese Verhärtungen exakt und objektiv ermittelt und als Schnittbild dreidimensional dargestellt werden. Die MR-Elastographie wird daher auch "MR-tomographische Tastuntersuchung" genannt. Sie basiert darauf, daß eine mechanische Welle mit einer Frequenz von 60 Hz in die Brust eingekoppelt und deren Ausbreitung mit Hilfe des Magnet-Resonanz-Verfahrens verfolgt wird. Wie bei einem Stein, der ins Wasser geworfen wird, übertragen sich die Schwingungen auf die Brust, die dadurch leicht vibriert. Diese Untersuchung ist nicht unangenehm und dauert etwa zehn Minuten. Stößt die Welle auf ein Hindernis - wie z.B. einen Knoten - kann dies in einem dreidimensionalen Schnittbild dargestellt werden.

"Mit Hilfe der MRE konnten wir feststellen, dass gutartige Tumore, wie beispielsweise Fibroadenome, viel weicher sind als bösartige. Diese Information können wir für die Unterscheidung gut- und bösartiger Tumore nutzen", erklärt die Radiologin Dr. med. Eva Sondermann. Die Arbeitsgruppe um Priv.-Doz. Dr. Christiane Kuhl, zu der Dr. Sondermann gehört, hat dieses Verfahren bei 60 Patientinnen mit gut- und bösartigen Tumoren an der Radiologischen Klinik der Universität Bonn getestet.

Das neue Verfahren eignet sich nach Meinung der Experten zur weiterführenden Differentialdiagnostik von Tumoren, bei denen bislang auch anhand der Magnet-Resonanz-Mammographie (Kernspin-Tomographie der Brust) nicht geklärt werden konnte, ob sie gut- oder bösartig sind.

Rückfragen an Dr. Sondermann: wiggert.e@gmx.de

Dipl. Biol. Barbara Ritzert | idw
Weitere Informationen:
http://www.drg.de/

Weitere Berichte zu: MR-Elastographie MRE

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Wachablösung im Immunsystem: wie Dendritische Zellen ihre Bewaffnung an Mastzellen übergeben
16.11.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

nachricht Wie Lungenkrebs zur Entstehung von Lungenhochdruck führt
16.11.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

IfBB bei 12th European Bioplastics Conference mit dabei: neue Marktzahlen, neue Forschungsthemen

22.11.2017 | Veranstaltungen

Zahnimplantate: Forschungsergebnisse und ihre Konsequenzen – 31. Kongress der DGI

22.11.2017 | Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Bakterien als Schrittmacher des Darms

22.11.2017 | Biowissenschaften Chemie

Ozeanversauerung schädigt Miesmuscheln im Frühstadium

22.11.2017 | Biowissenschaften Chemie

Die gefrorenen Küsten der Arktis: Ein Lebensraum schmilzt davon

22.11.2017 | Geowissenschaften