Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erblicher Brustkrebs: Intensive Überwachung oder vorbeugende Brustamputation?

08.07.2000


Nur fünf Prozent aller Brustkrebspatientinnen sind von der erblichen Variante der Krankheit betroffen. Genträgerinnen haben im Vergleich zu anderen Frauen ein bis zu 80 Prozent höheres Risiko, an diesem Tumor zu
erkranken. Die prophylaktische Brustamputation senkt das Erkrankungsrisiko hingegen um 90 Prozent. Diese drastische Maßnahme ist damit bisher die effektivste Möglichkeit der Vorbeugung, berichten Experten der österreichischen und deutschen Beratungsnetze für "Familiären Brustkrebs" auf dem Senologie-Kongress, der heute in Lugano zu Ende geht.

Die Akzeptanz der prophylaktischen Brustamputation, einer wahrlich einschneidenden Maßnahme zur Vorbeugung, ist bei betroffenen Frauen im deutschsprachigen Raum besonders gering, berichtet Dr. Regina Möslinger aus der Wiener Gruppe für Familiären Brustkrebs. Während sich in Holland jede zweite Frau, die das Brustkrebs-Gen trägt, einer Brustamputation unterzieht, haben sich in Österreich bislang nur sechs Prozent der Betroffenen zu diesem Eingriffe entschieden. "Wir müssen klären, inwiefern die Hemmschwelle der Berater, den Frauen diese weitreichende Maßnahme zu empfehlen, auf das Ergebnis Einfluss hat, und unsere Beratungspraxis eventuell korrigieren," schlussfolgert Professor Teresa Wagner, Koordinatorin des österreichischen Beratungsnetzes.

Auch in Deutschland setzen Experten bislang auf die intensive Krebs-Früherkennung für Hochrisiko-Patientinnen. Da noch unklar ist, ob eine gezielte medikamentöse Prophylaxe hilft, sind engmaschige Kontrollen bislang die einzige Alternative zur vorsorglichen Brustamputation.

Unproblematisch sind die Kontroll-Untersuchungen jedoch nicht. So ist die Aussagefähigkeit einer Mammographie aufgrund des relativ dichten Brustdrüsengewebes der überwiegend jungen Frauen begrenzt. Außerdem besteht das Risiko, dass ihre genetische Veranlagung die Frauen strahlenempfindlicher macht. Die Folge: der Brustkrebs könnte früher auftreten. Die alternative Untersuchung mit der strahlenfreien Magnetresonanz-Tomographie ergibt häufiger falsch positive Befunde. Die Untersuchungsintervalle von bisher zwölf Monaten könnten darüber hinaus zu lang sein, weil der familiäre Brustkrebs besonders schnell wächst.

Während in der Schweiz die Beratungsstellen noch im Aufbau sind, bestehen in Deutschland und Österreich flächendeckende, national vernetzte Zentren. In beiden Ländern gibt es zahlreiche konzeptionelle Übereinstimmungen. Eine Beratung bekommt jede Frau, die fürchtet, ein familiär bedingtes, höheres Krebsrisiko zu haben. Dabei prüfen die Experten auch, ob die Voraussetzungen für einen Gentest erfüllt sind. Dieser wird als freiwillige Maßnahme angeboten.

Die zwölf deutschen Zentren, die in einem Konsortium der Deutschen Krebshilfe zusammengeschlossen sind, bieten Ratsuchenden prinzipiell eine interdisziplinäre Beratung. Experten aus Human- und Molekulargenetik, Gynäkologie/Chirurgie, Psychologie und Pathologie bieten gleichermaßen ihr Know-How an.

Während in allen Zentren der Psychologe bereits ab dem ersten Gespräch immer einbezogen ist, gibt es zwei Strategien: Die simultane Beratung durch Experten alle Fachrichtungen oder die nacheinander geschaltete Beratung. Prof. Wolf-Dieter Gerber vom Institut für Medizinische Psychologie des Universitätsklinikums Kiel berichtet, dass annähernd 90 Prozent der Ratsuchenden das Konzept einer gleichzeitigen Beratung positiv beurteilt. "Überrascht hat uns, dass diese Bewertung unabhängig davon war, ob ein Gentest ein positives oder negatives Ergebnis brachte, beziehungsweise unabhängig davon ob ein Gentest überhaupt erfolgte", kommentiert Gerber die Analysen seiner Arbeitsgruppe.

Er wies auch auf den zwingenden Klärungsbedarf der ethisch-moralischen Folgen einer Gendiagnostik hin. Denn diese kann beispielsweise versicherungs- und arbeitsrechtliche Konsequenzen für idendifizierte Genträgerinnen haben.

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

Dipl. Biol. Barbara Ritzert |

Weitere Berichte zu: Brustamputation Brustkrebs Gentest

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Die neue Achillesferse von Blutkrebs
22.05.2018 | Ludwig Boltzmann Gesellschaft

nachricht Schnelltests für genauere Diagnose bei Hirntumoren
17.05.2018 | Universitätsklinikum Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

Passt eine ultrakalte Wolke aus zehntausenden Rubidium-Atomen in ein einzelnes Riesenatom? Forscherinnen und Forschern am 5. Physikalischen Institut der Universität Stuttgart ist dies erstmals gelungen. Sie zeigten einen ganz neuen Ansatz, die Wechselwirkung von geladenen Kernen mit neutralen Atomen bei weitaus niedrigeren Temperaturen zu untersuchen, als es bisher möglich war. Dies könnte einen wichtigen Schritt darstellen, um in Zukunft quantenmechanische Effekte in der Atom-Ion Wechselwirkung zu studieren. Das renommierte Fachjournal Physical Review Letters und das populärwissenschaftliche Begleitjournal Physics berichteten darüber.*)

In dem Experiment regten die Forscherinnen und Forscher ein Elektron eines einzelnen Atoms in einem Bose-Einstein-Kondensat mit Laserstrahlen in einen riesigen...

Im Focus: Algorithmen für die Leberchirurgie – weltweit sicherer operieren

Die Leber durchlaufen vier komplex verwobene Gefäßsysteme. Die chirurgische Entfernung von Tumoren ist daher oft eine schwierige Aufgabe. Das Fraunhofer-Institut für Bildgestützte Medizin MEVIS hat Algorithmen entwickelt, die die Bilddaten von Patienten analysieren und chirurgische Risiken berechnen. Leberkrebsoperationen werden damit besser planbar und sicherer.

Jährlich erkranken weltweit 750.000 Menschen neu an Leberkrebs, viele weitere entwickeln Lebermetastasen aufgrund anderer Krebserkrankungen. Ein chirurgischer...

Im Focus: Positronen leuchten besser

Leuchtstoffe werden schon lange benutzt, im Alltag zum Beispiel im Bildschirm von Fernsehgeräten oder in PC-Monitoren, in der Wissenschaft zum Untersuchen von Plasmen, Teilchen- oder Antiteilchenstrahlen. Gleich ob Teilchen oder Antiteilchen – treffen sie auf einen Leuchtstoff auf, regen sie ihn zum Lumineszieren an. Unbekannt war jedoch bisher, dass die Lichtausbeute mit Elektronen wesentlich niedriger ist als mit Positronen, ihren Antiteilchen. Dies hat Dr. Eve Stenson im Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) in Garching und Greifswald jetzt beim Vorbereiten von Experimenten mit Materie-Antimaterie-Plasmen entdeckt.

„Wäre Antimaterie nicht so schwierig herzustellen, könnte man auf eine Ära hochleuchtender Niederspannungs-Displays hoffen, in der die Leuchtschirme nicht von...

Im Focus: Erklärung für rätselhafte Quantenoszillationen gefunden

Sogenannte Quanten-Vielteilchen-„Scars“ lassen Quantensysteme länger außerhalb des Gleichgewichtszustandes verweilen. Studie wurde in Nature Physics veröffentlicht

Forschern der Harvard Universität und des MIT war es vor kurzem gelungen, eine Rekordzahl von 53 Atomen einzufangen und ihren Quantenzustand einzeln zu...

Im Focus: Explanation for puzzling quantum oscillations has been found

So-called quantum many-body scars allow quantum systems to stay out of equilibrium much longer, explaining experiment | Study published in Nature Physics

Recently, researchers from Harvard and MIT succeeded in trapping a record 53 atoms and individually controlling their quantum state, realizing what is called a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

Visual-Computing an Bord der MS Wissenschaft

17.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

18.05.2018 | Physik Astronomie

Countdown für Kilogramm, Kelvin und Co.

18.05.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics