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High-Tech für die Krebsbehandlung

07.12.2000


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»Primärtumor »Tumorausläufer
Forscher des Fraunhofer-Instituts für Graphische Datenverarbeitung IGD gehören zu den Gewinnern des "Innovationswettbewerbs zur Förderung der Medizintechnik". Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
zeichnete sie und elf weitere Preisträger am 24. November im Rahmen des MEDICA-Kongresses aus. Prämiert hat die international besetzte Jury den innovativen Forschungsansatz, den die Wissenschaftler des Fraunhofer IGD und der Dr.-Horst-Schmidt-Kliniken Wiesbaden gemeinsam verfolgen: Sie planen die etablierte Weißlicht-Endoskopie durch eine neue Bildverarbeitungs-Software "aufzurüsten", um eine neuartige Analyse und Informationsbearbeitung des Endoskopbildes zu erreichen. Damit könnten Diagnose und Therapie des Blasenkrebses verbessert werden. In knapp zwei Jahren soll ein erster Prototyp den Ärzten aufschlussreiche Tumor-Bilder liefern. Fällt dieses so genannte Schlüsselexperiment positiv aus, ist die Firma Karl Storz als industrieller Partner sehr daran interessiert, die Ergebnisse zu vermarkten.

In Deutschland erkranken jährlich zirka 16 000 Menschen neu an Blasenkrebs. Zwar ermöglichen es die derzeit eingesetzten hochauflösenden Endoskope, die Blasenschleimhaut exakt darzustellen und einen Tumor präzise zu entfernen, doch die Rückfallquote bei Patienten mit Blasenkrebs ist hoch - sie liegt bei 50 bis 70 Prozent. Dafür verantwortlich ist in zirka der Hälfte der Fälle der Primärtumor, den die Mediziner bei der ersten Operation nicht vollständig erkennen und entfernen konnten. "Wir hoffen mit Hilfe der elektronischen Aufarbeitung des Endoskopiebildes zukünftig nicht nur den Primärtumor vollständig zu erfassen, sondern auch flache Tumorausläufer und Tumorvorstufen sichtbar zu machen", beschreibt Wolfgang Müller-Wittich vom Fraunhofer IGD das Ziel des Forschungsprojektes. Das interdisziplinäre Experten-Team von Fraunhofer IGD und Dr.-Horst-Schmidt-Kliniken nutzt die unterschiedlichen optischen Eigenschaften, die zwischen dem Blasentumor und dem gesunden Gewebe der Blasenschleimhaut bestehen. Zwar sind diese und weitere Charakteristika nicht mit dem bloßen Auge zu erkennen. Doch mit einer innovativen Computersoftware soll es zukünftig möglich sein, diese wichtigen Zusatzinformationen zu kombinieren, zu entschlüsseln und direkt auf dem Endoskop-Monitor sichtbar zu machen. Mit dieser Technologie kann der Tumor während der Operation ermittelt, markiert und den Urologen über das Endoskopiebild angezeigt werden. Mit der verbesserten Endoskopie wäre es den Ärzten möglich, das Blasenkarzinom vollständig zu entfernen. Auch die kleinen Satellitentumore, flachen Tumorausläufer und Tumorvorstufen - verantwortlich für viele Rückfälle - sollen damit entdeckt werden, rechnen die Forscher. Dieses neue Verfahren hat keinen Einfluss auf die Endoskopie- und Operationstechnik - der Patient wird nicht zusätzlich belastet.


Der Innovationswettbewerb

Eine international besetzte Expertenjury hat aus 88 Bewerbern die 12 Sieger des "Innovationswettbewerbs zur Förderung der Medizintechnik" ausgewählt. In diesem Jahr beträgt die Fördersumme des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) für die siegreichen Forscherinnen und Forscher insgesamt 4,4 Millionen Mark. Die Wissenschaftler haben die Möglichkeit mit dem Preisgeld von 300.000 bis 500.000 Mark, ihre Idee mit einem so genannten Schlüsselexperiment zu belegen und damit in kurzer Zeit zu realisieren.

Ansprechpartner:
Wolfgang Müller-Wittig
Ulrich Bockholt
Fraunhofer IGD Darmstadt
Abteilung: "Visualisierung und Virtuelle Realität"
Tel.: (06151) 155 282 oder 283
Fax: (06151) 155 196
E-Mail: Wolfgang.K.Mueller@igd.fhg.de
E-Mail: bockholt@igd.fhg.de
URL: http://www.igd.fhg.de/www/igd-a4

Das internationale Netzwerk der Graphischen Datenverarbeitung (INI-GraphicsNet) besteht aus dem Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung (IGD), dem Zentrum für Graphische Datenverarbeitung (ZGDV) e.V., beide in Darmstadt und Rostock, und dem Fachgebiet Graphisch-Interaktive Systeme (GRIS) der Technischen Universität Darmstadt. Weitere Institutionen des Netzwerkes sind das Fraunhofer-Anwendungszentrum für Computergraphik in der Chemie und Pharmazie (AGC) in Frankfurt, das Fraunhofer Center for Research in Computer Graphics (CRCG) in Providence, Rhode Island (USA), das Fraunhofer Centre for Advanced Media Technology (CAMTech) in Singapur und das Centro de Computação Gráfica (CCG) in Coimbra (Portugal).

Innerhalb des Netzverbundes sind an den sechs Standorten über 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie mehr als 450 wissenschaftliche Hilfskräfte beschäftigt. Bei einem Haushalt von über 70 Millionen DM bildet das INI-GraphicsNet weltweit den größten Forschungsverbund auf dem Gebiet der Graphischen Datenverarbeitung.

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

Bernad Lukacin | idw

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