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Quecksilber-Grenzwerte offensichtlich zu hoch bemessen

12.11.2000


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Geringere Quecksilberkonzentrationen, als bisher angenommen, können die Funktion des Mutterkuchens beeinträchtigen. Das stellten Mediziner der Universitäts-Frauenklinik Jena bei Laborversuchen
mit vitalen Plazenten fest, deren Lebensfunktionen nach der Geburt des Kindes über einen künstlichen Kreislauf mehrere Stunden lang aufrecht erhalten wurden. Das giftige Schwermetall beeinträchtigte bereits bei Dosierungen von 30 Mikrogramm pro Liter Blut die Hormonproduktion und den Stoffwechsel des Mutterkuchens erheblich.

Außerdem überwand es die Plazentaschranke, so dass es in den Kreislauf des Fötus hätte gelangen können. Die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen und in Deutschland geltenden Grenzwerte liegen indes bei 50 Mikrogramm. "Wir haben aufgrund unserer in-vitro-Versuche nun ernstzunehmende Hinweise darauf, dass Konzentrationen unter diesen Grenzwerten nicht unbedenklich sind", erklärt Dr. Ekkehard Schleußner."

Üblicherweise finden sich in entwickelten Industrieländern Quecksilberkonzentrationen von drei bis zehn Mikrogramm im Blut werdender Mütter. In stark umweltbelasteten Regionen oder bei berufspezifischer Belastung können diese Werte jedoch deutlich höher liegen. Quecksilber wirkt vor allem schädlich auf das sich entwickelnde Nervensystem, nach schweren Chemieunfällen kam es auch zu Fehlgeburten oder Missbildungen der Kinder. "Den Schutz werdender Mütter am Arbeitsplatz können wir eigentlich gar nicht ernst genug nehmen", warnt Dr. Schleußner, "Auch internationale epidemiologische Studien lassen die derzeitigen Richtlinien über die Exposition von Schwermetallen und giftigen Substanzen als zu hoch erscheinen."

Schleußners Kollegin Katrin Seiler, die die Jenaer Studien maßgeblich betreute, wurde für ihre Arbeiten jetzt beim sechsten Meeting der International Federation of Placenta Associations in den USA mit einem Nachwuchswissenschaftlerpreis des National Institutes of Child Health and Human Development ausgezeichnet.

Ansprechpartner:
Dr. med. Ekkehard Schleußner
Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Tel.: 03641/933478
E-Mail: Ekkehard.Schleussner@med.uni-jena.de


Friedrich-Schiller-Universität
Referat Öffentlichkeitsarbeit
Dr. Wolfgang Hirsch
Fürstengraben 1
07743 Jena
Tel.: 03641/931031
Fax: 03641/931032
E-Mail: roe@.uni-jena.de

Dr. Wolfgang Hirsch | idw

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