Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Harnblasenkrebs mit Licht bekämpfen

23.08.2000


Harnblasenkrebs mit Licht bekämpfen
Deutsche Krebshilfe fördert Studie zur photodynamischen Therapie

Regensburg/München - Oberflächlicher Harnblasenkrebs ist schwer zu therapieren: Die Tumoren wachsen an vielen verschiedenen Stellen der Blasenwand. Deshalb kann nur eine Behandlung helfen, welche die gesamte Blasenschleimhaut erfasst. Bei der so genannten photodynamischen Therapie (PDT) wird ein lichtsensibler Stoff verabreicht, der sich selektiv im Tumorgewebe der Harnblase anreichert. Nach einer Bestrahlung mit rotem Licht entfaltet sich in den Tumorzellen eine gewebezerstörende Wirkung. Das bösartige Gewebe eliminiert sich damit sozusagen von selbst. Wissenschaftler aus München und Regensburg wollen die Therapie optimieren, die Wirkmechanismen untersuchen und die neuen Erkenntnisse in klinischen Studien anwenden. Die Deutsche Krebshilfe unterstützt das Projekt über einen Zeitraum von drei Jahren mit knapp 800.000 Mark.

Jährlich erkranken 15.000 Menschen an Blasenkrebs. Betroffen sind überwiegend Männer zwischen 60 und 80 Jahren. 70 bis 80 Prozent der Patienten leiden an oberflächlichen Harnblasentumoren, die an vielen verschiedenen Stellen der Schleimhaut wachsen. Als Alternative zur Blasenentfernung verspricht nur eine Behandlung der gesamten Blasenschleimhaut eine Chance auf Heilung: Gegenwärtig werden zu diesem Zweck Chemo- oder Immuntherapeutika in die Harnblase eingespült. Doch diese Therapie ist kostenintensiv, nebenwirkungsreich und langwierig.

Auch mit Hilfe der so genannten photodynamischen Therapie können oberflächliche Blasentumore behandelt werden. Zunächst wird ein lichtsensibler Stoff verabreicht, der sich im Tumorgewebe - in diesem Fall in der Harnblase - anreichert. Mit Hilfe eines Blasenkatheters wird eine spezielle Lichtquelle in die Blase eingeführt. Diese aktiviert die lichtsensitive Substanz. Die Energie des lichtempfindlichen Stoffes überträgt sich auf Sauerstoffmoleküle in der Tumorzelle. Hierdurch wird hochreaktiver Sauerstoff erzeugt, der lebensnotwendige Strukturen der Zellen und letztendlich den kompletten Tumor zerstört.

Die erste Generation therapeutisch einzusetzender lichtsensitiver Substanzen scheiterte in klinischen Studien: Die synthetisch hergestellten Stoffe lagerten sich nicht nur im bösartigen Blasengewebe, sondern auch im Blasenmuskel und in der Haut ein und führten daher zu starken Nebenwirkungen. Die zweite Generation photodynamischer Therapeutika ist dagegen vielversprechend: In klinischen Studien werden mittlerweile Ausgangsprodukte von körpereigenen Stoffen eingesetzt, welche die Herstellung von lichtempfindlichen Substanzen (Porphyrine) speziell in Tumorzellen anregen. Professor Dr. Ruth Knüchel-Clarke vom Institut für Pathologie der Universität Regensburg, Privatdozent Dr. Martin Kriegmair und Dr. Reinhold Baumgartner, beide von der Urologischen Klinik der Universität München, untersuchen das Ausgangsprodukt Aminolävulinsäure als photodynamisches Therapeutikum. Dr. Kriegmair schildert die Ergebnisse einer klinischen Pilotstudie: "Nach der Behandlung von zehn Blasenkrebspatienten, bei denen alle herkömmlichen organerhaltenden Maßnahmen versagt hatten, konnte die Effektivität der Tumorzerstörung mit Aminolävulinsäure bewiesen werden. Wir haben keine schwerwiegenden Nebenwirkungen beobachtet."

Die Wissenschaftler haben sich zum Ziel gesetzt, die Therapie mit Aminolävulinsäure dahingehend zu optimieren, dass ein breiter klinischer Einsatz möglich wird. Die Deutsche Krebshilfe unterstützt dieses Anliegen. Als Alternative zum Laserlicht wurde bereits eine neue, kostengünstige Lichtquelle zur Aktivierung der lichtempfindlichen Substanzen entwickelt. Die technischen Konzepte zur Ausleuchtung der Harnblase mit weißem Licht dieser Speziallampe liegen vor und befinden sich bereits in der klinischen Erprobung. Untersuchungen, die Aufschluss darüber geben sollen, welche Bestrahlungshäufigkeiten den besten Behandlungserfolg erwarten lassen, laufen derzeit. Außerdem widmen sich die Wissenschaftler den zellulären Wirkmechanismen der photodynamischen Therapie mit Aminolävulinsäure. "Die neuen Erkenntnisse sollen in verschiedenen klinischen Studien umgesetzt werden. Letztlich soll die optimierte photodynamische Therapie des oberflächlichen Harnblasenkrebs mit den herkömmlichen chemo- und immuntherapeutischen Behandlungsmethoden hinsichtlich Therapieerfolg und Kosten verglichen werden", so Professor Knüchel-Clarke.

Interviewpartner und Fotos auf Anfrage!

Projekt-Nummer: 70-2200

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

Dr. med. Eva M. Kalbheim-Gapp |

Weitere Berichte zu: Aminolävulinsäure Harnblase Harnblasenkrebs Tumorzelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz gegen Gastritis
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Wenn Schimmelpilze das Auge zerstören
10.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie