Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Weltneuheit: Uni Bonn erhält Hochleistungs-Tomographiesystem

06.05.2002


Montage des neuen Tomographen.
Foto: AG Professor Schild


Der 3T-Tomograph.
Foto: Frank Luerweg


Ein ultramodernes Diagnosesystem wurde am 03.05.2002 an der Radiologischen Klinik der Universität Bonn in Betrieb genommen: Der weltweit erste Typ eines neuartigen Hochfeld-Magnetresonanz-Tomographen, der sowohl für die klinische Anwendung am Patienten als auch für die klinische und grundlagenorientierte Forschung völlig neue Möglichkeiten eröffnet. Der Philips-Konzern hat der Universität das mehrere Millionen Euro teure Gerät zur Verfügung gestellt; die Radiologische Klinik hatte sich dabei gegen Mitbewerber aus den USA, Japan und Europa durchgesetzt.

"Mit der Hochfeld-Magnetresonanz-Tomographie werden sich unsere diagnostischen Möglichkeiten deutlich erweitern", erklärt der Direktor der Radiologischen Universitätsklinik, Professor Dr. Hans Schild. Bereits heute gelten Magnetresonanz- oder Kernspin-Tomographen als das "Non-plusultra" der medizinischen Diagnostik. Ohne Strahlenbelastung ermöglichen sie den Blick ins Körper-innere. Dadurch können Radiologen Erkrankungen praktisch sämtlicher Körperteile sehr früh und sehr genau erkennen - in der Regel besser als mit allen anderen Untersuchungsverfahren wie beispielsweise Ultraschall, Röntgen oder Katheteruntersuchungen. Auch auf diffizile Fragen geben die Tomographie-Daten Antworten: So hilft die MR-Tomographie bei der Planung von Tumoroperationen, sie lässt erkennen, wo im Gehirn das Sprachzentrum liegt, ob die Herzkranzgefäße verengt sind und wie sich das beheben lässt.

Das neuartige 3-Tesla-Hochfeld-System, das in diesen Wochen auf dem Bonner Venusberg installiert wird und mit besonders starken Magnetfeldern arbeitet, kann jedoch weit mehr. "Durch das Gerät werden nicht nur bestehende Untersuchungstechniken verbessert; wir erwarten vielmehr, dass sich auch fundamental neue diagnostische Ansätze realisieren lassen", ist die Radiologin Dr. Christiane Kuhl überzeugt. Nicht nur im klinischen Bereich, etwa bei der Früherkennung von Krebserkrankungen wie Brustkrebs, eines drohenden Herzinfarktes oder von neurologischen Erkrankungen wie Schlaganfall oder Multiple Sklerose, rechnet die Medizinerin mit deutlichen Fortschritten. "Auch für die patientennahe Grundlagenforschung, beispielsweise die Untersuchung der Funktionsweise des Gehirns zur Verbesserung der Epilepsie- und Schlaganfallbehandlung, wird die Ultra-Hochfeld-Technologie einen großen Schritt vorwärts bedeuten."

Ein weiterer wesentlicher Forschungsbereich, der mit der neuen Technologie erstmals zugänglich wird, ist das "Molecular Imaging". Dabei markieren die Wissenschaftler pharmakologisch wirksame Moleküle und verfolgen ihre Verteilung direkt im lebenden Organismus, also nicht nur wie bisher in Zellkulturen. Wichtig sind derartige Methoden beispielsweise für die Stammzellforschung, da die Forscher so kontrollieren können, ob die implantierten Stammzellen auch wirklich in das gewünschte Gewebe einwandern und dort gegebenenfalls kranke Zellen ersetzen. "Wir erhoffen uns, dass auf diese Weise zukünftig die Effektivität gentechnologischer Therapieansätze innerhalb kürzerer Zeit kontrolliert und Nebenwirkungen oder Komplikationen so früh wie möglich erkannt werden können", so Professor Schild.

Das nur mit Hochfeld-Magnetresonanz-Systemen mögliche "Molecular Imaging" kann somit dazu beitragen, die klinische Anwendung der Gentherapie sicherer zu machen und eine Gefährdung oder unnötige Belastung von Patienten zu vermeiden.

Grundsätzlich nutzt die Magnetresonanz-Tomographie die Tatsache, dass Atomkerne - beispielsweise die zahlreichen Wasserstoff-Kerne im menschlichen Körper - gewissermaßen winzige Magneten darstellen. Der Tomograph erzeugt um den Körper ein hohes magnetisches Feld, in dem sich die Miniatur-Magneten wie Kompassnadeln ausrichten - und zwar umso mehr, je stärker das äußere Magnetfeld ist. Mit einem Radiowellen-Impuls (mit etwa vergleichbarer Frequenz wie das UKW-Radio) werden die "Kompassnadeln" teilweise aus der Richtung "gestoßen". Wird der Radiowellen-Impuls abgeschaltet, so richten sich die "Kompassnadeln" wieder mit dem Magnetfeld aus. Diese Umorientierung ist stoff- bzw. gewebsspezifisch und kann durch den Tomographen gemessen werden; aus diesen Messdaten kann dann ein Bild des Körperinneren rekonstruiert werden. Je höher das äußere Magnetfeld, desto genauer die Messdaten. Die supraleitenden Magnetspulen des neuen Tomographen können ein Feld von drei Tesla erzeugen - üblich sind bislang maximal eineinhalb Tesla.

Im Wettbewerb mit Einrichtungen und Universitäten aus den USA, Japan und Europa hatte sich die Radiologische Universitätsklinik so überzeugend positionieren können, dass die wissenschaftliche Leitung des Philips-Konzerns sich für Bonn als ersten Standort ihres mehrere Millionen Euro teuren Hochfeld-MR-Systems entschied. "Die Hochfeld-Technologie ergänzt in idealer Weise das aktuelle Profil der Universität Bonn und wird ihre Position als leistungsfähige, international wettbewerbsfähige Einrichtung im Life Science Bereich weiter stärken", betont der Radiologe Professor Schild.

Auch der Rektor der Universität Bonn, Professor Dr. Klaus Borchard, wertet die Entscheidung des Philips-Konzerns als ein deutliches Zeichen der Anerkennung: "Die Tatsache, dass sich die Bonner Alma mater gegen renommierte internationale Mitbewerber durchsetzen konnte, zeigt, dass sich die Universität den geänderten Erfordernissen der modernen Wissenschafts-Infrastruktur erfolgreich stellt. Mit dieser prestigeträchtigen Entscheidung für Bonn wird die Bedeutung der Universität und der Region als Wissenschaftsstandort auf eine noch bessere Basis gestellt."

Frank Luerweg | idw

Weitere Berichte zu: Magnetfeld Multiple Sklerose Tomograph

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Verschwindende Äderchen: Diabetes schädigt kleine Blutgefäße am Herz und erhöht das Infarkt-Risiko
23.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Ein Knebel für die Anstandsdame führt zu Chaos in Krebszellen
22.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise