Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

DRG-Vergütungssystem:Spezifische Bedingungen von Unikliniken müssen berücksichtigt werden

18.08.2000


Eine weitere Auswirkung der in der Öffentlichkeit lebhaft diskutierten Gesundheitsreform steht kurz bevor: die Neuregelung des Krankenhaus-Vergütungssystems. In der unlängst vereinbarten Einführung eines pauschalierenden Vergütungssystems auf der Grundlage von Diagnosis Related Groups (DRG) sieht Günter Auburger, Verwaltungsdirektor des Klinikums der Ludwig-Maximilians-Universität München, erhebliche wirtschaftlich-finanzielle Risiken für Krankenhäuser mit Maximalversorgung. Um diese Gefahren abzumildern, so Auburger, seien zusätzliche Regelungen und Vereinbarungen über aufwandsorientierte Zu- und Abschläge dringend erforderlich. Nur so sei es möglich, zu einer angemessenen Vergütung der High-Tech-Medizin zu gelangen, wie sie z. B. vom Klinikum der LMU vorgehalten und eingesetzt werde.

Nach intensiven Verhandlungen haben sich die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG), die Spitzenverbände der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) und der Verband der privaten Krankenversicherung (PKV) Ende Juni auf die Grundstrukturen eines neuen Vergütungssystems für Krankenhäuser geeinigt. Bislang wurden nur rund 20% der Krankenhausbetriebskosten über Fallpauschalen und Sonderentgelte abgerechnet, rund 80% hingegen über krankenhausspezifische Abteilungs- und Basispflegesätze. Beim neuen Vergütungssystem hingegen wird es sich um ein durchgängig pauschalierendes "Diagnosis Related Groups-System" handeln, das sich an international bereits praktizierten DRG-Standards orientiert. Das heißt, dass ab dem Jahr 2003 alle voll- und teilstationären Krankenhausleis-
tungen in ca. 600 bis 800 Diagnose-abhängigen Fallgruppen gewichtet und - unabhängig vom Krankenhaus-spezifischen Leistungsaufwand - nach pauschalierten Preisen vergütet werden. Die Pauschale orientiert sich dabei am Durchschnitt der für die jeweilige Leistung - ob Geburt oder Herztransplantation - entstehenden Kosten.

Mit schwierigen Fällen und hohen Basiskosten am Ende der Versorgungskette

Der durchschnittliche Behandlungsaufwand und damit auch die Kosten sind in einem Krankenhaus der Grundversorgung naturgemäß niedriger als in einem auf High-Tech-Medizin ausgerichteten Universitätsklinikum. Zum einen, so Auburger, steht die Universitätsklinik in aller Regel am Ende der Versorgungskette, sie hat keine Möglichkeit der Weiter-Überweisung und kann - anders etwa als auf bestimmte Diagnosen spezialisierte Fachkliniken - keine an Gewinn oder Kostendeckung orientierte "Rosinenpickerei" betreiben. "Und wenn wir, was naheliegt, innerhalb einer Diagnosegruppe einerseits vorwiegend die schwierigen Fälle behandeln, andererseits aber nur die auf den durchschnittlichen Fall hin berechnete Pauschale erstattet bekommen, dann sind Defizite für uns vorprogrammiert", fürchtet der Verwaltungschef des LMU-Klinikums. Zum Teil würden die faktischen behandlungsbezogen Kosten zwar auch im neuen System über die Patientenklassifikation berücksichtigt werden, "und je differenzierter diese medizinischen Abstufungskriterien hoffentlich in das DRG-System einbezogen werden, desto eher können die strukturellen Kostennachteile für ein Klinikum wie unseres in Grenzen gehalten werden. Eine vollständige Neutralisierung dieser strukturellen Nachteile lässt sich auf diesem Weg aber nicht erreichen", ist Auburger überzeugt und betont: "Man muss doch auch berücksichtigen, dass unsere Basiskosten erheblich über dem Durchschnitt liegen. Um nur ein Beispiel zu nennen: Ein Universitätsklinikum mit 9000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern braucht logischerweise auch eine personell umfangreicher ausgestattete und damit ’teurere’ Personalabteilung als ein Krankenhaus mit 200 oder 300 Leuten Beschäftigten

Verzögerter Einsatz innovativer Behandlungsverfahren?

Ohne Regelungen, die die entstehenden Abweichungen abfedern, birgt die Einführung der DRGs nicht zuletzt auch die Gefahr, dass innovative Behandlungsverfahren allein aus Kostengründen im Klinikalltag nicht mehr oder jedenfalls nicht mehr sofort eingesetzt werden können. Denn während das alte System den Kliniken noch die Möglichkeit lässt, für solch innovative Verfahren mit den Krankenkassen angemessene Vergütungen im Rahmen von Modellvorhaben zu vereinbaren, dürfen künftig neue Verfahren und Behandlungsmethoden erst nach ihrer definitiven Aufnahme ins DRG-System entsprechend ihren tatsächlichen Kosten vergütet werden.

Die Ende Juni von DKG und GKV/PKV getroffene Grundsatzentscheidung zugunsten der Einführung eines "leistungsorientierten und pauschalierenden Vergütungssystems" nach DRGs ist explizit verbunden mit der Absicht, bis zum 30. September 2000 "ergänzende Regelungen für Zu- und Abschläge" zu formulieren, um damit die angemessene Vergütung finanzieller Auswirkungen, die nicht in allen Krankenhäusern in gleicher Höhe entstehen, sicherzustellen. "Wenn das neue Vergütungssystem nicht nur pauschalierend, sondern - unter Einbeziehung von Aufwandskriterien - tatsächlich leistungsorientiert sein soll, muss in diesen Verhandlungen insbesondere und detailliert über Zuschläge für die spezifischen Leistungen von Universitätskliniken gesprochen werden", drängt Auburger, denn: "Ohne solche Zuschläge innerhalb des neuen DRG-Systems werden diese Kliniken ihre Behandlungs- und Versorgungsstandards nur bei Inkaufnahme erheblicher finanzieller Defizite halten können."

S. Nicole Bongard |

Weitere Berichte zu: DRG Vergütungssystem

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Allergieforschung: Weltweit erstes automatisches Pollennetz in Bayern am Start
28.09.2016 | Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt

nachricht Maßgeschneiderte Strategie gegen Glioblastome
26.09.2016 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Der perfekte Sonnensturm

Ein geomagnetischer Sturm hat sich als Glücksfall für die Wissenschaft erwiesen. Jahrzehnte rätselte die Forschung, wie hoch energetische Partikel, die auf die Magnetosphäre der Erde treffen, wieder verschwinden. Jetzt hat Yuri Shprits vom Deutschen GeoForschungsZentrum GFZ und der Universität Potsdam mit einem internationalen Team eine Erklärung gefunden: Entscheidend für den Verlust an Teilchen ist, wie schnell die Partikel sind. Shprits: „Das hilft uns auch, Prozesse auf der Sonne, auf anderen Planeten und sogar in fernen Galaxien zu verstehen.“ Er fügt hinzu: „Die Studie wird uns überdies helfen, das ‚Weltraumwetter‘ besser vorherzusagen und damit wertvolle Satelliten zu schützen.“

Ein geomagnetischer Sturm am 17. Januar 2013 hat sich als Glücksfall für die Wissenschaft erwiesen. Der Sonnensturm ermöglichte einzigartige Beobachtungen, die...

Im Focus: New welding process joins dissimilar sheets better

Friction stir welding is a still-young and thus often unfamiliar pressure welding process for joining flat components and semi-finished components made of light metals.
Scientists at the University of Stuttgart have now developed two new process variants that will considerably expand the areas of application for friction stir welding.
Technologie-Lizenz-Büro (TLB) GmbH supports the University of Stuttgart in patenting and marketing its innovations.

Friction stir welding is a still-young and thus often unfamiliar pressure welding process for joining flat components and semi-finished components made of...

Im Focus: Neuer Schalter entscheidet zwischen Reparatur und Zelltod

Eine der wichtigsten Entscheidungen, die eine Zelle zu treffen hat, ist eine Frage von Leben und Tod: kann ein Schaden repariert werden oder ist es sinnvoller zellulären Selbstmord zu begehen um weitere Schädigung zu verhindern? In einer Kaskade eines bisher wenig verstandenen Signalweges konnten Forscher des Exzellenzclusters für Alternsforschung CECAD an der Universität zu Köln ein Protein identifizieren (UFD-2), das eine Schlüsselrolle in dem Prozess einnimmt. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Nature Structural & Molecular Biology veröffentlicht.

Die genetische Information einer jeden Zelle liegt in ihrer Sequenz der DNA-Doppelhelix. Doppelstrangbrüche der DNA, die durch Strahlung hervorgerufen werden...

Im Focus: Forscher entwickeln quantenphotonischen Schaltkreis mit elektrischer Lichtquelle

Optische Quantenrechner könnten die Computertechnologie revolutionieren. Forschern um Wolfram Pernice von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster sowie Ralph Krupke, Manfred Kappes und Carsten Rockstuhl vom Karlsruher Institut für Technologie ist es nun gelungen, einen quantenoptischen Versuchsaufbau auf einem Chip zu platzieren. Damit haben sie eine Voraussetzung erfüllt, um photonische Schaltkreise für optische Quantencomputer nutzbar machen zu können.

Ob für eine abhörsichere Datenverschlüsselung, die ultraschnelle Berechnung riesiger Datenmengen oder die sogenannte Quantensimulation, mit der hochkomplexe...

Im Focus: First quantum photonic circuit with electrically driven light source

Optical quantum computers can revolutionize computer technology. A team of researchers led by scientists from Münster University and KIT now succeeded in putting a quantum optical experimental set-up onto a chip. In doing so, they have met one of the requirements for making it possible to use photonic circuits for optical quantum computers.

Optical quantum computers are what people are pinning their hopes on for tomorrow’s computer technology – whether for tap-proof data encryption, ultrafast...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

EEHE 2017 – Strom statt Benzin. Experten diskutieren die Umsetzung neuester Fahrzeugkonzepte. Call vor Papers endet am 31.10.2016!

28.09.2016 | Veranstaltungen

Folgenschwere Luftverschmutzung: Forum zur Chemie der Atmosphäre

28.09.2016 | Veranstaltungen

European Health Forum Gastein 2016 beginnt

28.09.2016 | Veranstaltungen

 
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

EEHE 2017 – Strom statt Benzin. Experten diskutieren die Umsetzung neuester Fahrzeugkonzepte. Call vor Papers endet am 31.10.2016!

28.09.2016 | Veranstaltungsnachrichten

Wie Blockchain die Finanzwelt verändert

28.09.2016 | Wirtschaft Finanzen

Neue Plasmaanlage - Präzise und hoch entwickelte Chips

28.09.2016 | Physik Astronomie