Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Molekulare Grundlagen und Therapieansätze für großzellig-anaplastische Lymphome

26.11.2007
Die Entwicklung molekularer Therapien stellt einen Meilenstein der heutigen Krebsforschung dar. Voraussetzung hierfür ist die Identifizierung von Signalproteinen und Signalwegen, die in Tumorzellen verändert sind. In einem von der Wilhelm-Sander-Stiftung geförderten Projekt untersucht ein Forscherteam um Prof. Duyster vom Klinikum rechts der Isar in München mit neuen Methoden die molekularen Ursachen der Entstehung des großzellig-anaplastischen Lymphoms und entwickelt neue Therapieansätze.

Diagnose und Therapie von Krebserkrankungen haben sich in den letzten Jahren entscheidend weiterentwickelt. Seit einigen Jahren identifizieren Wissenschaftler immer mehr tumorassoziierte Genveränderungen, die für die Krankheitsentstehung von Bedeutung sind. Die Erforschung dieser Genveränderungen und deren Folgen auf Signalwege in Tumorzellen eröffnen völlig neue Möglichkeiten der Tumortherapie. Mit molekularen Therapien kann direkt in die veränderten Signalwege in Tumorzellen eingegriffen werden und Tumoren somit gezielt und ursächlich behandelt werden. Somit können neue Therapiestrategien entwickelt werden für Tumore, die auf konventionelle Therapien schlecht ansprechen. Außerdem können durch den spezifischen Ansatz an Tumorzellen gesunde Zellen verschont und daher Nebenwirkungen der Tumortherapie verringert werden.

Das großzellig-anaplastische Lymphom gehört zur Gruppe der aggressiven Lymphome. Auf molekularer Ebene liegt in mehr als einem Drittel der Fälle eine genetische Veränderung in den Tumorzellen vor. Infolge dieser genetischen Veränderung findet sich in den Tumorzellen ein onkogenes Protein, NPM-ALK, welches in gesunden Zellen nicht existiert. NPM-ALK scheint für die Entstehung der Lymphome von entscheidender Bedeutung zu sein. Dieses onkogene Protein ist in Tumorzellen ständig aktiv und beeinflusst eine Reihe wichtiger Signalwege, die Proliferation begünstigen und das natürliche Sterben der Zellen, nachdem sie ihre Funktion erfüllt haben, verhindern. Wird NPM-ALK experimentell in gesunde Zellen gebracht, so führt dies zu maligner Entartung und Lymphomentstehung.

Mit neuen experimentellen Ansätzen haben Prof. Duyster und Mitarbeiter die Funktion von NPM-ALK für die Tumorentstehung genauer analysiert und somit die Voraussetzung für neue Therapieansätze geschaffen. Sie haben eine Methode gefunden, die Aktivität von NPM-ALK experimentell effizient zu unterdrücken und können damit die Lymphomentstehung im Mausmodell verlangsamen. Ein entscheidender Schritt in der Untersuchung der Funktion von NPM-ALK für die Tumorentstehung war die Entwicklung eines Lymphom-Modells in Mäusen, das dem beim Menschen beobachteten großzellig-anaplastischen Lymphom möglichst genau entspricht. Dies ist die Voraussetzung, um potentielle molekulare Therapien in vivo zu testen. Der Forschungsgruppe ist es gelungen, durch NPM-ALK eine Lymphom-ähnliche Erkrankung im Mausmodell hervorzurufen. Das Forscherteam um Prof. Duyster arbeitet erfolgreich an der kontinuierlichen Optimierung dieses Modells. Die Tatsache, dass die experimentelle Unterdrückung von NPM-ALK die Lymphomentstehung im Mausmodell verlangsamt, zeigt, dass Inhibitoren von NPM-ALK ein sehr viel versprechender Therapieansatz sind. In Kooperation mit der Industrie arbeitet die Forschungsgruppe derzeit an der Entwicklung einer Phase I Studie zur Evaluation von NPM-ALK-Inhibitoren bei NPM-ALK positiven Lymphomen.

... mehr zu:
»Lymphom »NPM-ALK »Tumorzellen
Kontakt:
Univ.-Prof. Dr. Justus Duyster, Klinikum rechts der Isar der TU München,
E-Mail: justus.duyster@lrz.tum.de, homepage: www.med3.med.tu-muenchen.de,
Tel: 089-4140-4111, Fax: 089-4140-4879
Die Wilhelm Sander-Stiftung förderte dieses Forschungsprojekt in zwei Förderperioden mit über 270.000 €.

Stiftungszweck der Stiftung ist die medizinische Forschung, insbesondere Projekte im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden dabei insgesamt über 160 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Bernhard Knappe | idw
Weitere Informationen:
http://www.wilhelm-sander-stiftung.de

Weitere Berichte zu: Lymphom NPM-ALK Tumorzellen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz: Nierenschädigungen therapieren, bevor Symptome auftreten
20.09.2017 | Universitätsklinikum Regensburg (UKR)

nachricht Neuer Ansatz zur Therapie der diabetischen Nephropathie
19.09.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Im Focus: Ultrakurze Momentaufnahmen der Dynamik von Elektronen in Festkörpern

Mit Hilfe ultrakurzer Laser- und Röntgenblitze haben Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik (Garching bei München) Schnappschüsse der bislang kürzesten Bewegung von Elektronen in Festkörpern gemacht. Die Bewegung hielt 750 Attosekunden lang an, bevor sie abklang. Damit stellten die Wissenschaftler einen neuen Rekord auf, ultrakurze Prozesse innerhalb von Festkörpern aufzuzeichnen.

Wenn Röntgenstrahlen auf Festkörpermaterialien oder große Moleküle treffen, wird ein Elektron von seinem angestammten Platz in der Nähe des Atomkerns...

Im Focus: Ultrafast snapshots of relaxing electrons in solids

Using ultrafast flashes of laser and x-ray radiation, scientists at the Max Planck Institute of Quantum Optics (Garching, Germany) took snapshots of the briefest electron motion inside a solid material to date. The electron motion lasted only 750 billionths of the billionth of a second before it fainted, setting a new record of human capability to capture ultrafast processes inside solids!

When x-rays shine onto solid materials or large molecules, an electron is pushed away from its original place near the nucleus of the atom, leaving a hole...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Höher - schneller - weiter: Der Faktor Mensch in der Luftfahrt

20.09.2017 | Veranstaltungen

Wälder unter Druck: Internationale Tagung zur Rolle von Wäldern in der Landschaft an der Uni Halle

20.09.2017 | Veranstaltungen

7000 Teilnehmer erwartet: 69. Urologen-Kongress startet heute in Dresden

20.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Drohnen sehen auch im Dunkeln

20.09.2017 | Informationstechnologie

Pfeilgiftfrösche machen auf „Kommando“ Brutpflege für fremde Kaulquappen

20.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Frühwarnsystem für gefährliche Gase: TUHH-Forscher erreichen Meilenstein

20.09.2017 | Energie und Elektrotechnik