Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Vermächtnis eines goldenen Zeitalters

28.11.2000


Die heilende Wirkung des Ginkgobaumes ist in der westlichen, vor allem aber in der chinesischen Medizin anerkannt. In der traditionellen und der Volksmedizin Chinas werden seit Jahrhunderten Extrakte von Nüssen

und Samen des Ginkgobaumes z.B. bei Erkrankungen der Atemwege, des Unterleibes und der Verdauung angewendet. Auszüge der Blätter helfen bei Wunden, Hautflecken und Frostbeulen. Auch in der europäischen Schulmedizin gewinnt seine heilende Wirkung an Bedeutung. Nachgewiesen werden konnten zwei Inhaltsstoffe in den Blättern, die bei Störungen der Hirnleistung, z.B. Vergesslichkeit, und bei Gefäßverengung Abhilfe schaffen. Darauf hat Dr. Eva-Maria Schneider, Institut für Geschichte und Ethik der Medizin der Universität zu Köln, hingewiesen.

Ginkobäume können sich gut an verschiedene Wetterverhältnisse anpassen. Auch gegen Feuer, Schädlinge und Schadstoffe sind sie relativ resistent. In Hiroshima waren Ginkgobäume die ersten Pflanzen, die ein Jahr nach dem Atombombenabwurf trotz der verheerenden Brände wieder Leben zeigten und damit ein Zeichen der Hoffnung setzten.

Symbolischen oder integrativen Wert als "Vermächtnis eines goldenen Zeitalters" hat der Ginkgo zuweilen bei gesellschaftlichen Anlässen. Sein Blatt wird z.B. als Ehrenzeichen verliehen, oder Ginkgobäume werden bei wichtigen Anlässen gepflanzt.


Von dem Wunderbaum aus dem fernen Osten kamen gegen Ende des 17. Jahrhunderts zunächst nur Berichte in die westliche Welt. Die ersten Pflanzen erreichten Europa dann in der Mitte des 18. Jahrhunderts. Mit dem botanischen außergewöhnlichen Ginkgobaum beschäftigen sich seitdem Wissenschaftler wie Schriftsteller.

Einer der ältesten Bäume Deutschlands (1796) steht z.B. im Schlosspark Dyck im Rheinland. Heute werden Ginkgobäume vor allem an städtischen Straßen angepflanzt. Dabei werden männliche Bäume bevorzugt, da die weiblichen Ginkgobäume im Herbst übelriechende, weiche Früchte abwerfen.

Charles Darwin nannte den Ginkgo ein "lebendes Fossil". Im Grunde ist er seit 7 Millionen Jahren ausgestorben. In China konnte eine einzige Art überleben. Der Ginkgo hat in der Holzstruktur Merkmale von Nadelbäumen, pflanzt sich aber auf dieselbe Art fort wie Farne. Die häufig gelappten, gespaltenen oder herzförmigen Blätter haben sich seit Urzeiten kaum verändert, wie Funde von Blattfossilien zeigen.

In der Literatur ist Johann Wolfgang von Goethe der bekannteste deutsche Dichter, der den Ginkgo verewigt hat. Das Gedicht "Gingo biloba" (1815) widmete er Marianne von Willemer. Goethe fügte dem Gedicht zwei Ginkgo Blätter eines Baumes aus dem Park des Heidelberger Schlosses bei. Dort waren sich beide vorher begegnet. Das Gedicht beschreibt das Ginkgo Blatt als Symbol für die Doppelsinnigkeit allen Seins, ein Motiv aus der antiken Mythologie, das auch häufig in der modernen Literatur verwendet wird. Außerdem sieht Goethe das zweilappige Blatt als Symbol für seine Beziehung zu Marianne und ihre Trennung. Das Gedicht erschien im Band "Westöstlicher Divan", den Goethe nach dem Vorbild orientalischer Dichtung schrieb.

Ein modernerer deutscher Schriftsteller, der sich mit dem Ginkgo befasste ist Peter Härtling. In seinem Gedicht "An den Ginkgo vor der Tür" thematisiert er den Doppelsinn und das Wachstum des Baumes. In der Literatur dient der Ginkgo einerseits dekorativen Zwecken, andererseits als Symbol für Mahnung und Erinnerung an menschliche Vernunft, für besondere Naturkräfte oder allgemein für den fernen Osten.

Der Ginkgo, auch Entenfußbaum, oder Fächerblattbaum genannt, bekam seinen Namen durch einen Schreib- oder Lesefehler bei der Wiedergabe des japanischen Wortes "ginkyo". Versuche diesen Fehler durch Umbenennen zu beheben, waren wegen der botanischen Prioritätsregel erfolglos.

Verantwortlich: Dr. Wolfgang Mathias

Für Rückfragen steht Ihnen Professor Dr. Klaus Bergdolt unter der Telefonnummer 0221/478-5266, der Fax-Nummer 0221/478-6794 und der Email-Adresse bergdolt@uni-koeln.de zur Verfügung.
Unsere Presseinformationen finden sie auch im Internet unter: http://www.uni-koeln.de/organe/presse/pi/index.html

Gabriele Rutzen | idw

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Maßgeschneiderte Strategie gegen Glioblastome
26.09.2016 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Neue Therapie gegen osteoporosebedingte Knochenbrüche
26.09.2016 | Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Quantenboost für künstliche Intelligenz

Intelligente Maschinen, die selbständig lernen, gelten als Zukunftstrend. Forscher der Universität Innsbruck und des Joint Quantum Institute in Maryland, USA, loten nun in der Fachzeitschrift Physical Review Letters aus, wie Quantentechnologien dabei helfen können, die Methoden des maschinellen Lernens weiter zu verbessern.

In selbstfahrenden Autos, IBM's Watson oder Google's AlphaGo sind Computerprogramme am Werk, die aus Erfahrungen lernen können. Solche Maschinen werden im Zuge...

Im Focus: Synthese-chemischer Meilenstein: Neues Ferrocenium-Molekül entdeckt

Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben zusammen mit Kollegen der Freien Universität Berlin ein neues Molekül entdeckt: Die Eisenverbindung in der seltenen Oxidationsstufe +4 gehört zu den Ferrocenen und ist äußerst schwierig zu synthetisieren.

Metallocene werden umgangssprachlich auch als Sandwichverbindungen bezeichnet. Sie bestehen aus zwei organischen ringförmigen Verbindungen, den...

Im Focus: Neue Entwicklungen in der Asphären-Messtechnik

Kompetenzzentrum Ultrapräzise Oberflächenbearbeitung (CC UPOB) lädt zum Expertentreffen im März 2017 ein

Ob in Weltraumteleskopen, deren Optiken trotz großer Abmessungen nanometergenau gefertigt sein müssen, in Handykameras oder in Endoskopen − Asphären kommen in...

Im Focus: Mit OLED Mikrodisplays in Datenbrillen zur verbesserten Mensch-Maschine-Interaktion

Das Fraunhofer-Institut für Organische Elektronik, Elektronenstrahl- und Plasmatechnik FEP arbeitet seit Jahren an verschiedenen Entwicklungen zu OLED-Mikrodisplays, die auf organischen Halbleitern basieren. Durch die Integration einer Bildsensorfunktion direkt im Mikrodisplay, lässt sich u.a. die Augenbewegung in Datenbrillen aufnehmen und zur Steuerung von Display-Inhalten nutzen. Das verbesserte Konzept wird erstmals auf der Augmented World Expo Europe (AWE), vom 18. – 19. Oktober 2016, in Berlin, Stand B25 vorgestellt.

„Augmented Reality“ (erweiterte Realität) und „Wearable Displays“ (tragbare Displays) sind Schlagworte, denen man mittlerweile fast täglich begegnet. Beide...

Im Focus: OLED microdisplays in data glasses for improved human-machine interaction

The Fraunhofer Institute for Organic Electronics, Electron Beam and Plasma Technology FEP has been developing various applications for OLED microdisplays based on organic semiconductors. By integrating the capabilities of an image sensor directly into the microdisplay, eye movements can be recorded by the smart glasses and utilized for guidance and control functions, as one example. The new design will be debuted at Augmented World Expo Europe (AWE) in Berlin at Booth B25, October 18th – 19th.

“Augmented-reality” and “wearables” have become terms we encounter almost daily. Both can make daily life a little simpler and provide valuable assistance for...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von der Probe zum digitalen Modell - MikroskopieTrends ´16

26.09.2016 | Veranstaltungen

300 Experten diskutieren auf größter Entrepreneurship-Konferenz im deutschsprachigen Raum

26.09.2016 | Veranstaltungen

Idealer Ablauf für GMP-konforme Projekte

26.09.2016 | Veranstaltungen

 
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Phänotyp auf Knopfdruck

26.09.2016 | Biowissenschaften Chemie

Effiziente elektrische Antriebe: TU Graz startet Christian Doppler Labor

26.09.2016 | Maschinenbau

Methodenentwicklung an BESSY II: Automatische Auswertung beschleunigt die Suche nach neuen Wirkstoffen

26.09.2016 | Biowissenschaften Chemie