Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Biofeedback reduziert Migräneattacken

21.11.2007
Biofeedback kann Migräneattacken ebenso wirksam vorbeugen wie Entspannungstechniken und medikamentöse Therapien. Das belegt eine aktuelle Untersuchung.

"Der erhöhte technische Aufwand lohnt sich aber nur bei Patienten, die von den anderen Verfahren nicht profitieren", kommentieren die Experten in den "Kopfschmerz-News", dem Mitgliederorgan der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG).

Das Biofeedback-Verfahren hilft Patienten dabei, unbewusste Körperfunktionen wahrzunehmen und zu beeinflussen. Das Prinzip dieses Verhaltenstrainings: Sensoren registrieren beispielsweise die Muskelspannung oder den Blutfluss in einer Arterie. Von einem Computer werden diese Signale in Bilder oder Töne "übersetzt". Ändert sich die Körperfunktion, wird dies sicht- oder hörbar. So kann der Patient lernen, diese Körperfunktionen zu beeinflussen.

Zwei Wissenschaftlerinnen vom Institut für klinische Psychologie und Psychotherapie der Marburger Philipps-Universität unterzogen die Ergebnisse von 55 Biofeedback-Studien einer erneuten Analyse. Die Daten von über 2000 Migränepatientinnen und - patienten, die im Schnitt seit über 16 Jahren an Migräne litten, gingen in diese Meta-Analyse ein. 84 Prozent der Betroffenen waren Frauen.

Weniger Migräneanfälle, weniger Angst. Das Fazit: Am deutlichsten reduzierte das Biofeedback-Training nach durchschnittlich elf Sitzungen die Häufigkeit und Dauer der Migräneanfälle, sowie Depressionen und Ängstlichkeit der Patienten. Diese Wirkung basiert vor allem auf der Wahrnehmung der Betroffenen, die trainierte Körperfunktion kontrollieren zu können. Die Kopfschmerzintensität und der Medikamentenbedarf bei einer Attacke veränderten sich hingegen weniger.

Die unterschiedlichen Methoden des Biofeedback erwiesen sich als gleichwertig, wobei das sogenannte Blutvolumenpuls-Feedback gegenüber anderen Methoden etwas überlegen schien. Bei dieser Form des Biofeedback lernen die Patienten, die Schläfenarterie durch eigene Willenskraft zu verengen bzw. zu erweitern. Manche Patienten beißen in ihrer Vorstellung in eine Zitrone, andere legen in Gedanken einen Eiswürfel auf ihre Schläfe. Patienten, die zuhause das Training weiterübten, konnten ihre Ergebnisse im Durchschnitt um 20 Prozent verbessern und diese Verbesserungen auch langfristig erhalten. Die Autorinnen der Analyse empfehlen die Biofeedback-Methode daher auch zur dauerhaften Vorbeugung von Migräneanfällen.

"Das Biofeedback-Training wirkt jedoch nicht besser als andere Verfahren zur Migräneprophylaxe. Wegen des erhöhten technischen Aufwands ist es daher nur für jene Patienten sinnvoll, die von Entspannungstherapie und psychologischen Techniken nicht profitieren", kommentieren die DMKG-Experten.

Quelle: Nestoriuc Y, Martin A. Efficacy of biofeedback for migraine:
A meta-analysis. Pain 2007; 128:111-127
Pressekontakt:
ProScience Communications GmbH
Dipl. Biol. Barbara Ritzert
Andechser Weg 17
82343 Pöcking
Tel.: 08157 9397-0
Fax: 08157 9397-97
ritzert@proscience-com.de

Barbara Ritzert | idw
Weitere Informationen:
http://awmf.org

Weitere Berichte zu: Biofeedback Migräne Migräneattacken

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften