Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Frühkindliche Hörstörungen und ihre Folgen

30.08.2000


Frühkindliche Hörstörungen, die nicht rechtzeitig erkannt und versorgt

... mehr zu:
»FAEP »Hörstörung
werden, können zu nicht mehr kompensierbaren Spätfolgen führen. Aufgrund einer mangelhaften oder sogar fehlenden Aufnahme akustischer Reize kann es zu einer Reifungsverzögerung der Hörbahn kommen. Dies hat sekundäre
Funktionsstörungen der Informationsverarbeitung zur Folge, die für die betroffenen Kinder lebenslange Konsequenzen haben können. Diese Kinder leiden unter anderem an Sprachentwicklungsverzögerungen. Zu diesem Ergebnis gelangen Dr. Martin Walger und Dr. Daniel Tibussek in Untersuchungen, die sie in der Audiologie und Pädaudiologie der Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde der Universität zu Köln erstellten.

Die beiden Kölner Mediziner heben die Bedeutung der sensiblen Phase der Hörbahnreifung hervor, innerhalb derer das frühkindliche Gehör besonders empfindlich für fehlende akustische Reize ist. Störungen, die in dieser Phase auftreten, können aber aufgrund der Plastizität des Hörbahnsystems mit Erfolg geheilt oder kompensiert werden, wenn sie innerhalb der sensiblen Phase versorgt werden z. B. durch hörverbessernde Operationen, den Einsatz von Hörgeräten oder, bei Taubheit, durch Innenohrprothesen. Nach Ablauf dieser Phase ist ein deutlich geringerer Rehabilitationserfolg zu erwarten. Im Erwachsenenalter auftretende Hörstörungen zeigen keinerlei Beeinträchtigungen der zentralen Hörbahn durch den mangelnden akustischen Input. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die zentrale Hörbahn ihren vollen Reifegrad erreicht hat.

Fast die Hälfte der Hörstörungen der untersuchten Kindern ist nicht angeboren, sondern erworben und betrifft in 75 Prozent beide Ohren, seltener nur ein Ohr. Die Ursache ist in den meisten Fällen eine Mittelohrentzündung oder Kinderkrankheiten wie Masern, Mumps, Röteln oder Scharlach.

Den direkten Nachweis von Reifungsstörungen der zentralen Hörbahn konnten Dr. Walger und Dr. Tibussek mit Hilfe objektiver Hörprüfverfahren - der Registrierung früher akustisch evozierter Potentiale (FAEP) - erbringen. So waren bei hörgestörten Kindern die neuronalen Weiterleitungszeiten der FAEP in Abhängigkeit vom Grad der Hörminderung gegenüber der Norm signifikant verzögert. Diese Reifungsstörungen waren unabhängig von der Art der Schwerhörigkeit und traten besonders deutlich bei frühzeitig entstandenen Hörstörungen auf.

Diese Ergebnisse sind wichtige Belege für die Existenz sensibler Phasen in der kindlichen Hörentwicklung. Sie unterstreichen die vielerorts erhobenen Forderungen nach Einführung eines universellen Hörscreenings aller Neugeborenen auf der Basis objektiver Hörprüfungen, um möglichst noch im ersten Lebenshalbjahr geeignete Therapie- und Fördermaßnahmen einleiten zu können.

Verantwortlich: Dr. Wolfgang Mathias

Für Rückfragen steht Ihnen Dr. Martin Walger unter der Telefonnummer 0221/478-4769, der Fax-Nummer 0221/478-3581 und unter der Email-Adresse martin.walger@uni-koeln.de zur Verfügung.
Unsere Presseinformationen finden Sie auch im World Wide Web (http://www.uni-koeln.de/organe/presse/pi/index.html).

Für die Übersendung eines Belegexemplars wären wir Ihnen dankbar.

Gabriele Rutzen |

Weitere Berichte zu: FAEP Hörstörung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Methode der Eisenverabreichung
26.04.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Bestrahlung bei Hirntumoren? Eine neue, verlässlichere Einteilung erleichtert die Entscheidung
26.04.2017 | Universitätsklinikum Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie