Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ärztliche Meldepflicht bei Vergiftungen bleibt auch unter europäischem Chemikalienrecht REACH erhalten

16.11.2007
Broschüre bietet Überblick über Vergiftungsfälle im Jahr 2006

Ob im Haushalt oder in der Industrie - Chemikalien und chemische Produkte gehören zum alltäglichen Leben. Doch manche Produkte können Risiken für die Gesundheit bergen. In Deutschland gibt es ein einzigartiges gesetzliches Melde- und Dokumentationssystem für unerwünschte Wirkungen von chemischen Produkten und Stoffen. Es bleibt auch nach dem Inkrafttreten des neuen europäischen Chemikalienrechts REACH erhalten.

Schwerwiegende Vergiftungen mit Chemikalien oder chemischen Produkten sind selten. Doch auch leichtere Risiken müssen rechtzeitig erkannt werden, damit Vergiftungssymptome schnell und nachhaltig behandelt werden können. Deshalb sind behandelnde Ärzte in Deutschland auch weiterhin verpflichtet, jeden begründeten Verdacht auf eine Vergiftung dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) zu melden. Das Institut legt nun die ausgewerteten Daten für 2006 vor: 4551 Vergiftungsfälle sind dem BfR im Berichtsjahr gemeldet worden. Einen Überblick mit konkreten Fallbeschreibungen und Vergleichszahlen aus den Vorjahren gibt die Broschüre "Ärztliche Mitteilungen bei Vergiftungen 2006".

Seit dem 1. August 1990 besteht nach § 16e des Chemikaliengesetzes eine ärztliche Meldepflicht für Vergiftungsfälle. Das BfR sammelt die Meldungen und wertet sie aus. Der überwiegende Teil der 4551 im vergangenen Jahr eingegangenen Meldungen bezog sich auf Vergiftungen mit chemischen Produkten. Es folgen Vergiftungen mit chemischen Grundsubstanzen. Geringere Anteile machen Vergiftungen durch Pestizide, Arzneimittel, Kosmetika, Lebensmittel und andere Produkte aus.

... mehr zu:
»BfR »Chemikalienrecht »Vergiftung

Von den 4551 Meldungen kamen 89,4 Prozent von Berufsgenossenschaften, die übrigen aus Kliniken, Arztpraxen und Giftinformationszentren. Bei den meisten Vergiftungsfällen handelt es sich um Unfälle mit Chemikalien oder chemischen Produkten am Arbeitsplatz. Aber auch im Haushalt passieren Unfälle. Ausführlich berichtet wurde von den Medien im vergangenen Jahr über ein Spray, das zur Versiegelung von Flächen in Küche und Bad angewendet wurde. Obwohl das Mittel innerhalb kurzer Zeit mit Hilfe des BfR vom Markt genommen wurde, hatten rund 150 Verbraucher nach bestimmungsgemäßer Anwendung teils schwere Atemwegsreizungen bis hin zum Lungenödem erlitten. Verätzungen an Augen, Haut, Mund und Rachen durch Chemikalien kommen immer wieder vor. Nicht selten sind Verwechselungen die Ursache, beispielsweise wenn versehentlich Reinigungsmittel getrunken wird.

Folgenreich kann auch der Erwerb von Chemikalien aus dem Internet sein. Dort werden gefährliche Substanzen und Produkte angeboten, die teilweise lebensgefährliche Wirkungen hervorrufen können. Im normalen Handel können Verbraucher solche Chemikalien oft gar nicht erwerben und im Internet wird nicht oder nicht ausreichend auf gesundheitliche Risiken hingewiesen. Eine junge Frau nahm zum Beispiel ein Mittel zur Gewichtsreduktion ein, das im Internet angeboten worden war. Sie wusste nicht, dass das darin enthaltene 2,4-Dinitrophenol (DNP) zu Kreislaufversagen führen kann und verstarb schließlich daran. Auch das Schnüffeln von Deo-Sprays kann lebensgefährliche Folgen haben, wie der ebenfalls in der Broschüre geschilderte Fall eines jungen Mannes zeigte.

Die Erfassung und Auswertung der gemeldeten Vergiftungen schafft eine wichtige Grundlage, um die Gefährdung der menschlichen Gesundheit durch Chemikalien realistisch einzuschätzen. Mit den jährlichen Berichten über die ärztlichen Mitteilungen informiert das BfR regelmäßig über die aktuelle Vergiftungssituation in Deutschland. Auch Hersteller und Vertreiber erhalten vom BfR Hinweise zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch ihre Produkte.

Die Broschüre "Ärztliche Mitteilungen bei Vergiftungen" enthält eine Übersicht über alle gemeldeten Vergiftungen des Jahres 2006, ein Meldeformular für Ärzte sowie ein Adressenregister der Giftinformationszentren. Sie ist kostenlos in deutscher und englischer Sprache erhältlich und kann schriftlich, per E-Mail oder Fax beim BfR angefordert werden. Auch ein Download von der Homepage des Instituts http://www.bfr.bund.de ist möglich. Dort finden Sie unter dem Menüpunkt "Publikationen/Broschüren und Faltblätter" alle Jahresberichte der Dokumentationsstelle seit 1995.

Dr. Irene Lukassowitz | idw
Weitere Informationen:
http://www.bfr.bund.de
http://www.bfr.bund.de/cm/238/aerztliche_mitteilungen_bei_vergiftungen_2006.pdf

Weitere Berichte zu: BfR Chemikalienrecht Vergiftung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften