Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Minimal-invasive Gefäßöffnung soll Zahl der Amputationen senken

15.11.2007
Bei Gefäßverschlüssen in den Beinen kann die Blutversorgung so stark eingeschränkt sein, dass Bagatellverletzungen zu schlecht heilenden Wunden und Infektionen führen.

Betroffen sind vor allem Diabetiker sowie Patienten mit einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit ("Raucherbein³). Jährlich verlieren z.B. etwa 30.000 Menschen mit Diabetes in Deutschland deshalb ein Bein. Eine schnelle und dauerhafte Wiedereröffnung von Unterschenkelschlagadern kann die Zahl der Amputationen nachweislich senken. Das zeigen erste Ergebnisse einer klinischen Studie am Universitätsklinikum Magdeburg.

"Aufgrund dieser Effizienz empfiehlt es sich, diese Untersuchungen auszuweiten und noch mehr Patienten mit dieser wirksamen Methode der Eröffnung von Blutgefäßverschlüssen am Unterschenkel zu behandeln", teilt Prof. Jens Ricke von der Universitätsklinik für Radiologie und Nuklearmedizin Magdeburg mit.

Die neue Therapiemethode basiert auf der minimal-invasiven radiologischen Wiedereröffnung von Einengungen und Verschlüssen durch Aufweitung mit einem Ballonkatheter und anschließende Einlage einer Gefäßstütze (Stent). Diese Technik wird bereits bei Verschlüssen von Herzkranzgefäßen, Becken- und Oberschenkel-Schlagadern routinemäßig angewendet. Dank neuer Materialien sind Ballonerweiterungen und Stenteinlagen jetzt auch in den feineren Gefäßen der Unterschenkel- und Fußregion möglich. Bei der Behandlung werden die Verschlüsse oder Einengungen mit einem flexiblen Führungsdraht sondiert, über den anschließend ein Ballonkatheter geführt wird. Das Gefäß wird dann durch Aufblasen des Ballons wiedereröffnet (perkutane transluminale Angioplastie) und durch Einschub eines Metallgitterröhrchen (Stents) offengehalten.

... mehr zu:
»Gefäß »Gefäßeröffnung

Für die Gefäßeröffnung ist keine Narkose notwendig, der Eingriff wird in örtlicher Betäubung durchgeführt. Weiterer Vorteil der minimal-invasiven Gefäßeröffnung ist unter anderem eine kurze Krankenhausverweildauer von häufig nur einer Nacht.

Die bisherigen Ergebnisse zeigen eine Erfolgsrate von über 90 Prozent. Bei der Mehrzahl der Patienten wird die Durchblutung des Unterschenkels und Fußes nachweislich gesteigert. Die Abheilung von Geschwüren und die Abgrenzung von totem Gewebe wird in wenigen Wochen erreicht. "Es ist zu erwarten, dass viel mehr Patienten als bisher die Amputation erspart und damit die Mobilität erhalten werden kann", sagt Dr. Ulf Redlich vom Gefäßzentrum des Magdeburger Uni-Klinikums.

Im Rahmen der klinischen Phase-II-Studie wollen die Ärzte die Wirksamkeit der minimal-invasiven Eröffnung von Unterschenkelgefäßen bei amputationsgefährdeten Patienten noch besser beurteilen lernen. In die Studie einbezogen werden können Patienten mit einem diabetischen Fußsyndrom oder einer kritischen Durchblutungsstörung des Unterschenkels und Fußes. "Aber auch außerhalb des Studienrahmens ist diese minimal-invasive Gefäßeröffnung möglich", erklärt Dr. Redlich. "Über Sinn oder Unsinn dieser Maßnahmen wird ohnehin bei jedem Patienten individuell durch die Gefäßmediziner des Gefäßzentrums entschieden und so eine optimale Therapie gewährleistet."

Nähere Auskünfte unter Tel. 0391/6713199 (Ambulanz für Mikrotherapie)

Kontakt für Redaktionen:
Dr. med. Ulf Redlich, Tel. 0391 6713030, email: ulf.redlich@med.ovgu.de
Prof. Dr. med. Jens Ricke, Tel. 0391 6713030, email: jens.ricke@med.ovgu.de
Ambulanz für Mikrotherapie, Tel. 0391 6713199
Klinik für Radiologie und Nuklearmedizin, Universitätsklinikum Magdeburg
Leipziger Str. 44, 39120 Magdeburg

Kornelia Suske | idw
Weitere Informationen:
http://www.med.uni-magdeburg.de/

Weitere Berichte zu: Gefäß Gefäßeröffnung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Entschlüsselung von Kommunikationswegen zwischen Tumor- und Immunzellen beim Eierstockkrebs
06.12.2016 | Wilhelm Sander-Stiftung

nachricht Tempo-Daten für das „Navi“ im Kopf
06.12.2016 | Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e.V. (DZNE)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Innovationen für eine nachhaltige Forstwirtschaft

06.12.2016 | Agrar- Forstwissenschaften

Diabetesforschung: Neuer Mechanismus zur Regulation des Insulin-Stoffwechsels gefunden

06.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Was nach der Befruchtung im Zellkern passiert

06.12.2016 | Biowissenschaften Chemie