Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Berufskrankheiten der Wirbelsäule: Erleichterte Anerkennung im Ergebnis der Deutschen Wirbelsäulenstudie

14.11.2007
Abnutzungserscheinungen und Bandscheibenvorfälle der Lendenwirbelsäule können seit 1993 als Berufskrankheit anerkannt werden, allerdings lag die Anerkennungsquote der gemeldeten Fälle bisher deutlich unter fünf Prozent.

In einem neuen Urteil hat das Bundessozialgericht nun die Schwelle für die Anerkennung einer Berufskrankheit deutlich gesenkt. Grundlage der Entscheidung waren die Ergebnisse der Deutschen Wirbelsäulenstudie, die 950 Patienten mit Wirbelsäulenerkrankungen und 900 Kontrollpersonen untersucht hat. Wesentlich an Planung und Durchführung der Studie beteiligt waren Mediziner der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Abnutzungserscheinungen und Bandscheibenvorfälle der Lendenwirbelsäule können seit 1993 als Berufskrankheit anerkannt werden, allerdings lag die Anerkennungsquote der gemeldeten Fälle bisher deutlich unter fünf Prozent. In über der Hälfte der Fälle scheiterten die Antragsteller, weil die notwendige Gesamtbelastungsdosis für schwere Hebe- und Tragevorgänge im Arbeitsleben nicht erreicht wurde. In einem neuen Urteil hat das Bundessozialgericht am 30. Oktober 2007 nun die Schwelle für die beruflichen Voraussetzungen für die Anerkennung einer Berufskrankheit deutlich gesenkt. Grundlage der Entscheidung waren die Ergebnisse der Deutschen Wirbelsäulenstudie (DWS), die 950 Patienten mit Wirbelsäulenerkrankungen und 900 Kontrollpersonen aus der Bevölkerung untersucht hat.

Die vom Hauptverband der Berufsgenossenschaften finanzierte Studie wurde über drei Jahre in vier bundesdeutschen Städten - Halle (Saale), Frankfurt/Main, Freiburg und Regensburg - durchgeführt. Die Leitung des halleschen Studienzentrums lag beim Institut für Medizinische Epidemiologie, Biometrie und Informatik (Professor Dr. Johannes Haerting) und der Sektion Arbeitsmedizin (Oberärztin Dr. Annekatrin Bergmann) der Universität Halle. Halle war wesentlich an der Planung und Durchführung der Studie, für die Professor Bolm-Audorff (Wiesbaden) als Sprecher und Professor Haerting als dessen Stellvertreter fungieren, beteiligt.

In Zusammenarbeit mit den drei halleschen Kliniken, die Wirbelsäulenerkrankungen behandeln, wurden im Zeitraum 2003 bis 2005 Patienten mit Bandscheibenvorfällen und schweren Verschleißerscheinungen an der Lendenwirbelsäule untersucht und in einem Interview ausführlich zu ihrem Berufsleben befragt. Als Vergleichsgruppe wurden zudem Bewohner aus Halle und dem Saalkreis im gleichen Altersbereich befragt, insgesamt 258 Fälle und 221 Kontrollprobanden aus Halle und Saalkreis.

Der Direktor des Institutes stellte bereits im März gemeinsam mit den Leitern der anderen Studienzentren erste Ergebnisse der Deutschen Wirbelsäulenstudie auf der Jahrestagung der Arbeitsmediziner in Mainz vor. Inzwischen sind die Ergebnisse auch im Zentralblatt für Arbeitsmedizin publiziert. Die Studienergebnisse decken Schwächen der bisher geltenden Berechnungsgrundlage, des so genannten Mainz-Dortmunder-Dosismodells, auf und zeigen, dass im Berufskrankheitenverfahren bisher angewandte Schwellenwerte für die Berechnung der Gesamtdosis für schwere körperliche Arbeit zu hoch angesetzt waren. Aufgrund dieser Studienergebnisse der DWS wurde nun durch das Bundessozialgericht festgelegt, dass der bisher geltende Gesamtdosiswert halbiert werden muss und auch Schwellenwerte für die Tagesdosis nicht mehr verwendet werden dürfen. Dies wird die Anerkennung dieser Berufskrankheit künftig erleichtern. "Es ist ungewöhnlich, dass die Ergebnisse einer epidemiologischen Studie so schnell Eingang in höchstrichterliche Entscheidungen finden", erklärt Professor Haerting.

Ansprechpartner:
Jens Müller
Pressesprecher
Universitätsklinikum Halle (Saale)
Medizinische Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Tel: 0345 557 1032
E-Mail: jens.mueller@medizin.uni-halle.de

Jens Müller | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-halle.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Entschlüsselung von Kommunikationswegen zwischen Tumor- und Immunzellen beim Eierstockkrebs
06.12.2016 | Wilhelm Sander-Stiftung

nachricht Tempo-Daten für das „Navi“ im Kopf
06.12.2016 | Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e.V. (DZNE)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weiterbildung zu statistischen Methoden in der Versuchsplanung und -auswertung

06.12.2016 | Seminare Workshops

Bund fördert Entwicklung sicherer Schnellladetechnik für Hochleistungsbatterien mit 2,5 Millionen

06.12.2016 | Förderungen Preise

Innovationen für eine nachhaltige Forstwirtschaft

06.12.2016 | Agrar- Forstwissenschaften