Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Lungentherapie: Von der Schadensbegrenzung zur Regeneration

09.11.2007
Rund 140 Quadratmeter Angriffsfläche bietet die Lunge der Umwelt, aus der mit jedem Atemzug neue Pathogene, Stäube und giftige Dämpfe in sie eindringen können. Viele pneumologische Erkrankungen sind dieser intensiven Exposition geschuldet, darunter die chronisch-obstruktive Lungenkrankheit, die mittlerweile vierthäufigste Todesursache weltweit. Doch macht die medikamentöse Behandlung der Lungenkrankheiten große Fortschritte.

Das verdeutlicht das Symposium "Perspektiven der pneumologischen Pharmakotherapie", das die Paul-Martini-Stiftung (PMS) und die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina am 9. und 10. November in Berlin veranstalten. Führende deutsche Pneumologen und Wissenschaftler aus forschenden Unternehmen diskutieren dort unter Leitung von Prof. Dr. Werner Seeger, Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH, und Prof. Dr. Dr. h.c. Peter C. Scriba von der Ludwig-Maximilians-Universität München die neuesten Trends.

Eine Erfolgsgeschichte verbindet sich mit der chronischen pulmonalen arteriellen Hypertonie (PAH): Bis 1991 gab es für diese Krankheit praktisch keine Therapieoption. Die mittlere Überlebenszeit nach der Diagnose betrug knapp drei Jahre. Heute stehen dem Arzt schon drei Klassen spezifischer Präparate zur Verfügung, die nicht nur die körperliche Leistungsfähigkeit, sondern auch die Lebenserwartung verbessern. Kombinationen dieser Präparate und neue Medikamente sind in der fortgeschrittenen Erprobung, so dass mit weiteren Fortschritten zu rechnen ist. Auf dem Symposium werden Ansätze für eine Regression der bei PAH durch proliferative Vorgänge veränderten Lungengefäßarchitektur vorgestellt. Dafür werden Kinasehemmer aus der Onkologie erprobt.

Eine Regeneration von Lungengewebe könnte langfristig auch bei emphysematischen Erkrankungen möglich werden, wie das Symposium zeigt. Dabei sollen in den geschädigten Alveoli Septenbildungen in-duziert werden, wie sie sonst nur bei der vor- und nachgeburtlichen Lungenentwicklung ablaufen.

... mehr zu:
»Leopoldina »Lunge

Problematisch ist die Behandlungssituation bei der Tuberkulose (TB). Seit Anfang dieses Jahrzehnts breitet sich mit dem XDR-TB-Stamm eine Form des Erregers aus, die nur noch auf wenige Präparate anspricht oder sogar vollständige Resistenz zeigt. "Die Dringlichkeit, hier wieder medizinisch die Oberhand zu erlangen, ist offensichtlich", so Symposiumsleiter Scriba. Mittlerweile ist die Suche nach neuen Präpa-raten aber auch auf breiter Front angelaufen. So listet der Welt-pharmaverband IFPMA aktuell neben zwei Impfstoffprojekten 19 Projekte für neue Antibiotika gegen den Erreger Mycobacterium tuberculosis auf. Um den TB-typischen Gewebsschaden zu begrenzen, könnten Medikamente aber statt am Erreger auch an der oft überschießenden Immunantwort des Patienten ansetzen. Das Symposium stellt solche immunmodulierenden Therapiestrategien vor.

Anders als bei den meisten anderen Organen können Wirkstoffe die Lunge nicht nur über die Blutbahn, sondern auch topisch erreichen, wenn geeignete Darreichungsformen sie vor einer vorzeitigen Deposition in den zuführenden Atemwegen bewahren. Das könnte dazu führen, dass sich die Lunge als erstes Organ durch spezifisches Herabregulieren von Genaktivitäten (gene silencing) mittels artifizieller RNA-Moleküle behandeln lässt. Neuartige bioabbaubare Nanocarrier für die Inhalation solcher Wirkstoffe sowie Pläne für erste Patientenstudien werden auf dem Symposium vorgestellt.

Die Paul-Martini-Stiftung
Die gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Berlin fördert die Arzneimittel-forschung sowie die Forschung über Arzneimitteltherapie und intensiviert den wissenschaftlichen Dialog zu Fragen der Arzneimittelforschung und -entwicklung zwischen medizinischen Wissenschaftlern in Universitäten, Krankenhäusern, der forschenden pharmazeutischen Industrie und anderen Forschungseinrichtungen sowie Behörden. Träger der Stiftung ist der Verband Forschender Arzneimittelhersteller (VFA), Berlin, mit seinen derzeit 45 Mitgliedsunternehmen.

Die Stiftung ist benannt nach dem herausragenden Bonner Wissenschaftler und Arzt Professor Paul Martini (1889 - 1964), in Würdigung seiner besonderen Verdienste um die Förderung und Weiterentwicklung der klinisch-therapeutischen Forschung, die er mit seiner 1932 veröffentlichten "Methodenlehre der therapeutischen Untersuchung" über Jahrzehnte wesentlich geprägt hat. Seinen Namen trägt auch der jähr-lich von der Stiftung verliehene Preis für herausragende klinische For-schung.

Die Akademie Leopoldina
Die Leopoldina ist die älteste ununterbrochen existierende naturwissenschaftlich-medizinische Akademie der Welt mit einer 355-jährigen Tradition und mit mehr als 1250 Mitgliedern in aller Welt.

Sie pflegt enge Verbindungen zur Wissenschaft im europäischen und außereuropäischen Ausland, führt jährlich eine Vielzahl nationaler und internationaler Veranstaltungen durch und gibt Stellungnahmen und Empfehlungen heraus.

Ihre wichtigsten Aufgaben sind die Beratung von Politik und Öffentlichkeit zu wissenschaftlichen und wissenschaftspolitischen Themen im nationalen und internationalen Kontext sowie die Förderung des wis-senschaftlichen Nachwuchses.

Kontakt Leopoldina:
Dr. Ulrike Krummrei, Wissenschaftliche Referentin
Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina
Telefon: + 49 (0) 345-4723924
Telefax: + 49 (0) 345-4723919
presse@leopoldina-halle.de
Postadresse: Postfach 11 05 43, 06019 Halle (Saale)
Besucheradresse: Emil-Abderhalden-Straße 37, 06108 Halle (Saale)

Dr. Rolf Hömke | idw
Weitere Informationen:
http://www.leopoldina-halle.de
http://www.paul-martini-stiftung.de/download
http://www.paul-martini-stiftung.de/de/veranstaltungen/2007.html

Weitere Berichte zu: Leopoldina Lunge

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Dimethylfumarat – eine neue Behandlungsoption für Lymphome
28.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

nachricht Die bestmögliche Behandlung bei Hirntumor-Erkrankungen
28.03.2017 | Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Von Agenten, Algorithmen und unbeliebten Wochentagen

28.03.2017 | Unternehmensmeldung

Hannover Messe: Elektrische Maschinen in neuen Dimensionen

28.03.2017 | HANNOVER MESSE

Dimethylfumarat – eine neue Behandlungsoption für Lymphome

28.03.2017 | Medizin Gesundheit