Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Weitere Maßnahmen zur Risikovorsorge bei Blutspenden

14.11.2000


... mehr zu:
»Blutspende »Risikovorsorge
Wer sich zwischen 1980 und 1996 insgesamt länger als sechs Monate im Vereinigten Königreich (Großbritannien und Nordirland) aufgehalten hat, sollte aus Gründen der Risikovorsorge bis auf Weiteres auch in Deutschland
von Blut- und Plasmaspende ausgeschlossen werden. Eine entsprechende Stellungnahme hat der Arbeitskreis Blut auf seiner Sitzung am 13. November 2000 beschlossen. "Bei dieser Empfehlung handelt es sich um eine Vorsichtsmaßnahme, da sich das Risiko der Übertragung der neuen Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (vCJK) durch Blut nicht völlig ausschließen lässt", erklärte der Vorsitzende des Gremiums und stellvertretende Direktor des Robert Koch-Instituts, Professor Reinhard Burger. Bislang wurde allerdings beim Menschen kein Fall beobachtet, in dem die krankheitsauslösenden Prionen durch Blut übertragen worden wären.
Der Arbeitskreis Blut appelliert außerdem an die Blutspendedienste, in denen die spätestens zum 1.10.2001 vorgeschriebene Leukozyten-depletion bislang noch nicht durchgeführt wird, diese so früh wie möglich vorzunehmen und nicht wegen der höheren Kosten zu verschieben. Durch die Leukozyten-depletion werden die weißen Blutkörperchen aus dem Spenderblut entfernt; das ursprünglich im Zusammenhang mit Leukozyten-assoziierten Nebenwirkungen diskutierte Verfahren soll auch das Risiko einer Prionenübertragung verringern.
Grundlage der Empfehlungen sind neue - wenn auch eher vorläufige - wissenschaftliche Ergebnisse zu möglichen Übertragungswegen des BSE-Erregers und die signifikant steigende Anzahl an Fällen der neuen Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (vCJK) im Vereinigten Königreich; vCJK wurde wahrscheinlich durch den Verzehr von Nahrungsmitteln ausgelöst, die Material von BSE-infizierten Rindern enthielten, vor allem zwischen 1980 und 1996.
Frühere Untersuchungen in verschiedenen Tiermodellen wiesen bereits darauf hin, dass geringe Mengen des Erregers im Blut vorkommen können. Wie die jüngst in der britischen Fachzeitschrift Lancet publizierten vorläufigen Ergebnisse zu zeigen scheinen, kann diese Menge zur Infektion des Empfängers durch eine Bluttransfusion ausreichen, zumindest in dem gewählten Tiermodell: Bei diesen Versuchen war Hirngewebe eines an BSE erkrankten Rindes an Schafe verfüttert worden, denen danach Vollblut entnommen und in gesunde Empfänger-Schafe transfundiert wurde. Bislang erkrankte eines von 19 Tieren an BSE-ähnlichen Symptomen.
Der Arbeitskreis Blut hat die vorläufigen Daten aus England angesichts der potentiellen Bedeutung ernst genommen, da erstmals die Übertragung des BSE-Erregers während der symptomlosen Inkubationszeit ohne Artenbarriere (zwischen Schafen, durch Bluttransfusion) und durch natürlich vorkommenden Übertragungsweg (Verfütterung von Hirn) möglich zu sein scheint. Im Falle einer Übertragbarkeit von BSE-Erregern durch Blut bestünde die Gefahr, dass sich der Erreger auch über Blut oder Plasmaprodukte in der Bevölkerung ausbreiten könnte (bei der klassischen Form der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit gibt es dagegen keinerlei Hinweise für eine Übertragbarkeit durch Blut oder Blut-Produkte).
"In Deutschland ist bislang kein vCJK-Fall gemeldet worden", unterstreicht Professor Reinhard Kurth, Direktor des Robert Koch-Instituts, in dem solche Meldungen auflaufen würden. Blut und Blutprodukte aus Großbritannien seien generell nicht auf dem deutschen Markt, betont Professor Johannes Löwer, Leiter des Paul-Ehrlich-Instituts, der in Deutschland für die Zulassung von Blutkomponenten und Blutprodukten zuständigen Behörde.
Der Ausschluss von Personen, die sich insgesamt mehr als sechs Monate im Vereinigten Königreich aufgehalten haben, von der Blutspende führt voraussichtlich nur zu einer geringfügigen Verringerung der Blutspenden (ca. 0,2 Prozent). Trotz der Unverzichtbarkeit von Bluttransfusionen und Blutprodukten hält der Arbeitskreis Blut dies für verantwortbar.
Der Arbeitskreis Blut ist ein Expertengremium nach § 24 Transfusions-Gesetz, das die Bundesregierung in Fragen der Sicherheit bei der Gewinnung und Anwendung von Blut und Blutprodukten berät, und dessen Geschäftsstelle am Robert Koch-Institut angesiedelt ist. Dem Arbeitskreis Blut gehören Vertreter der Bundesärztekammer an, des Deutschen Roten Kreuzes, der Arbeitsgemeinschaft der Ärzte staatlicher und kommunaler Bluttransfusionsdienste, des Bundesministeriums der Verteidigung, der einschlägigen Fachgesellschaften, der pharmazeutischen Industrie, der Aufsichtsbehörden der Länder sowie der Verbände, in denen sich Hämophilie-Patienten zusammengeschlossen haben, die regelmäßig Blutprodukte anwenden müssen. Zusätzlich sind das zuständige Bundesministerium für Gesundheit, das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte sowie das Paul-Ehrlich-Institut als ständige Gäste im Arbeitskreis Blut vertreten.

Dr. Susanne Stöcker | idw

Weitere Berichte zu: Blutspende Risikovorsorge

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Ein Knebel für die Anstandsdame führt zu Chaos in Krebszellen
22.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

nachricht Spezialisten-Zellen helfen Gedächtnis auf die Sprünge
17.03.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Im Focus: Physiker erzeugen gezielt Elektronenwirbel

Einem Team um den Oldenburger Experimentalphysiker Prof. Dr. Matthias Wollenhaupt ist es mithilfe ultrakurzer Laserpulse gelungen, gezielt Elektronenwirbel zu erzeugen und diese dreidimensional abzubilden. Damit haben sie einen komplexen physikalischen Vorgang steuern können: die sogenannte Photoionisation oder Ladungstrennung. Diese gilt als entscheidender Schritt bei der Umwandlung von Licht in elektrischen Strom, beispielsweise in Solarzellen. Die Ergebnisse ihrer experimentellen Arbeit haben die Grundlagenforscher kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift „Physical Review Letters“ veröffentlicht.

Das Umwandeln von Licht in elektrischen Strom ist ein ultraschneller Vorgang, dessen Details erstmals Albert Einstein in seinen Studien zum photoelektrischen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

Unter der Haut

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Neues Schiff für die Fischerei- und Meeresforschung

22.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Mit voller Kraft auf Erregerjagd

22.03.2017 | Biowissenschaften Chemie