Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hormonmangel schadet Gehirn

07.11.2007
Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie: Hormonmangel durch vorzeitige Wechseljahre schadet Gehirn und Gedächtnis

Ein Mangel an weiblichen Geschlechtshormonen durch vorzeitige Wechseljahre kann das Gehirn der betroffenen Frauen schädigen. Dies belegen neue Studien: die Entfernung der Eierstöcke vor der Menopause erhöht später das Risiko für eine Demenz- oder Parkinsonerkrankung.

In einer aktuellen Stellungnahme weist die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) in München darauf hin, dass in derartigen Fällen die Gabe von Östrogenen Schutz für Gehirn und Nerven bietet.

Experimentelle Studien belegen eindeutig diesen Nerven schützenden Effekt der Östrogene. "Epidemiologische Ergebnisse aus Klinik und Praxis sind dagegen widersprüchlich", sagt Professor Dr. med. Ludwig Kiesel, Sprecher der Sektion Reproduktionsbiologie und -medizin der DGE, Münster. Denn der natürliche Übergang in die Wechseljahre - einhergehend mit einem verringerten Östrogenspiegel - gefährdet das Gedächtnis nicht. Lässt eine Frau jedoch einen oder beide Eierstöcke operativ entfernen, gibt es Hinweise darauf, dass dies vor allem das episodische und verbale Gedächtnis beeinträchtigen kann: Die Erinnerung an Ereignisse, Fakten und Begriffe ist lückenhaft.

... mehr zu:
»DGE »Hormonmangel »Wechseljahre

Neue Studien der Mayo Clinic in Rochester bestätigen dies jetzt: Wissenschaftler befragten insgesamt 2.327 Frauen, die sich zwischen 1950 und 1987 aus medizinischen Gründen einen oder beide Eierstöcke hatten entfernen lassen. Im Vergleich zu anderen gleichaltrigen Frauen zeigte sich, dass die Studienteilnehmerinnen später bedeutend häufiger an Gedächtnisschwund oder Schüttellähmung litten. Für Parkinsonismus im Alter erhöht sich das Risiko um 68 Prozent. Das Risiko steigt mit der Zahl der Jahre, die zwischen der Operation und dem natürlichen Alter des Eintritts in die Menopause liegen. Für vor dem 38. Lebensjahr operierte Frauen ist es am höchsten.

Den Auslöser für den schleichenden Verlust des Gedächtnisse gilt es noch zu finden: "Denn es bleibt unklar, ob die beobachteten kognitiven Defizite auf vaskuläre oder degenerative zerebrale Veränderungen zurückzuführen sind", sagt Dr. med. Petra Stute von der Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe des Universitätsklinikum Münster. Östrogene scheinen für den neuroprotektiven Effekt verantwortlich zu sein. Aber auch männliche Hormone spielen möglicherweise eine Rolle: "Letztendlich könnten ebenso die vom Ovar produzierten Androgene und Progesteron Einfluss auf die Kognition haben", so die Hormonexpertin.

Sowohl die Studie zu Parkinson als auch zu Demenz sei beeinflusst durch unterschiedliche Definitionen in der Literatur, verschiedene operative Vorgehen und die Praxis der Hormonersatztherapie im Beobachtungszeitraum. "Doch trotz einiger offenen Fragen, unterstützt die Studie die 'Hypothese eines kritischen Zeitfensters' der Neuroprotektion durch Östrogene", betont Professor Kiesel. Demzufolge scheint die therapeutische Gabe von Östrogenen während der Wechseljahre eine schützende, danach jedoch eher schädigende Wirkung zu entfalten.

Die vollständige Stellungnahme der DGE durch Professor Kiesel und Dr. Stute erhalten Vertreter der Medien auf Wunsch in der Pressestelle der DGE.

Studien:
"Increased risk of cognitive impairment or dementia in women who underwent oophorectomy before menopause" Neurology (69) 2007; 1074-1083.
"Increased risk of parkinsonism in women who underwent oophorectomy before menopause" Neurology 2007

W.A. Rocca, J.H. Bower, D.M. Maraganore, J.E. Ahlskog, B.R. Grossardt, M. de Andrade, L.J. Melton III

| idw
Weitere Informationen:
http://www.awmf.org

Weitere Berichte zu: DGE Hormonmangel Wechseljahre

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue statistische Verfahren zur Überprüfung von Arzneimittel-Generika
25.07.2017 | Ruhr-Universität Bochum

nachricht Chancen für die Behandlung von Kinderdemenz
24.07.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Im Focus: Breitbandlichtquellen mit flüssigem Kern

Jenaer Forschern ist es gelungen breitbandiges Laserlicht im mittleren Infrarotbereich mit Hilfe von flüssigkeitsgefüllten optischen Fasern zu erzeugen. Mit den Fasern lieferten sie zudem experimentelle Beweise für eine neue Dynamik von Solitonen – zeitlich und spektral stabile Lichtwellen – die aufgrund der besonderen Eigenschaften des Flüssigkerns entsteht. Die Ergebnisse der Arbeiten publizierte das Jenaer Wissenschaftler-Team vom Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT), dem Fraunhofer-Insitut für Angewandte Optik und Feinmechanik, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Helmholtz-Insituts im renommierten Fachblatt Nature Communications.

Aus einem ultraschnellen intensiven Laserpuls, den sie in die Faser einkoppeln, erzeugen die Wissenschaftler ein, für das menschliche Auge nicht sichtbares,...

Im Focus: Flexible proximity sensor creates smart surfaces

Fraunhofer IPA has developed a proximity sensor made from silicone and carbon nanotubes (CNT) which detects objects and determines their position. The materials and printing process used mean that the sensor is extremely flexible, economical and can be used for large surfaces. Industry and research partners can use and further develop this innovation straight away.

At first glance, the proximity sensor appears to be nothing special: a thin, elastic layer of silicone onto which black square surfaces are printed, but these...

Im Focus: 3-D scanning with water

3-D shape acquisition using water displacement as the shape sensor for the reconstruction of complex objects

A global team of computer scientists and engineers have developed an innovative technique that more completely reconstructs challenging 3D objects. An ancient...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

Gipfeltreffen der String-Mathematik: Internationale Konferenz StringMath 2017

24.07.2017 | Veranstaltungen

Von atmosphärischen Teilchen bis hin zu Polymeren aus nachwachsenden Rohstoffen

24.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

IT-Experten entdecken Chancen für den Channel-Markt

25.07.2017 | Unternehmensmeldung

Erst hot dann Schrott! – Elektronik-Überhitzung effektiv vorbeugen

25.07.2017 | Seminare Workshops

Dichtes Gefäßnetz reguliert Bildung von Thrombozyten im Knochenmark

25.07.2017 | Biowissenschaften Chemie