Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit Botox spastische Störungen bei Kindern lindern

06.11.2007
Spezialisten des UKJ stellen Behandlungskonzept bei angeborenen Bewegungsstörungen vor

Unsere Bewegungen sind uns selten bewusst - vielmehr denken wir beispielsweise über das Gehen kaum noch nach, nachdem es einmal erlernt wurde. Doch für manche Kinder bleiben diese Bewegungsabläufe lebenslang eine komplizierte Aufgabe: Durch früheste Schädigungen des Gehirns (Infantile Cerebralparese) werden die Bewegungsabläufe gestört, können die Kinder ihre motorischen Fähigkeiten nicht wie gewohnt entwickeln.

"Die während der Schwangerschaft oder Geburt auftretende Schädigung des zentralen Nervensystems führt zu spastischen Störungen", erläutert Oberärztin Dr. Angelika Eger vom Sozialpädiatrischen Zentrum des Universitätsklinikums Jena (UKJ). "Ohne Behandlung würden dabei die Muskeln verkürzen und die Gelenke in Fehlhaltungen versteifen, so dass sich die Kinder immer schlechter bewegen könnten". Zwar ist die angeborene und sich im Verlauf des Wachstums verstärkende Erkrankung nicht heilbar, kann aber mit modernen kombinierten Therapiemethoden gut beherrscht werden. "Die Kinder können zum Teil fast völlig normal laufen lernen", freut sich Dr. Eger, die viele Kinder mit spastischen Störungen behandelt.

Diese Fortschritte sind unter anderem einem interdisziplinären Behandlungskonzept zu verdanken, bei dem die Mediziner Botulinumtoxin A (Botox) zur Linderung der Spastik einsetzen. Dieses, nur an speziellen Zentren angewandte, Konzept wollen die Jenaer Spezialisten am 7. November Kinderärzten, Physiotherapeuten und Eltern von betroffenen Kindern vorstellen.

"Durch einen rechtzeitigen Einsatz von Botox, schon im Alter von anderthalb Jahren, können wir die Beeinträchtigungen für die Kinder ganz wesentlich verringern und ihnen ein Schicksal wie den Rollstuhl so lange wie möglich ersparen", so Eger. Dabei werde durch eine Spritze mit dem Neurogift Botox die krankhaft erhöhte Muskelspannung gelöst, so dass die Kinder normale Bewegungsabläufe erlernen können und physio- oder ergotherapeutische Maßnahmen besser greifen können.

Im Jenaer Sozialpädiatrischen Zentrum wird die Therapie ergänzt durch die in Ostdeutschland einmalige 3-D-Ganganalyse für Kinder, die eine genaue Diagnostik der beginnenden funktionalen Muskelstörungen ermöglicht. "Unser Ziel ist es, den Kindern maximale Selbstständigkeit zu ermöglichen, damit sie den Alltag meistern können", erklärt Dr. Angelika Eger.

In Deutschland ist eines von 500 neugeborenen Kindern von einer Infantilen Cerebralparese infolge einer Hirnschädigung betroffenen. Die Ursachen liegen teilweise in der Schwangerschaft, aber auch in der Geburt. Besonders oft tritt die Schädigung bei sehr frühen Frühgeborenen auf.

7. November 2007, 17.00 Uhr
"Aktuelles Konzept der Behandlung von Kindern mit Infantiler Cerebralparese (ICP) mit Botulinumtoxin"

Hotel Steigenberg Esplanade Jena

Ansprechpartnerin:
Oberärztin Dr. Angelika Eger
Sozialpädiatrisches Zentrum, Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Universitätsklinikum Jena
Tel.: 03641/938263
E-Mail: Angelika.Eger[at]med.uni-jena.de

Helena Reinhardt | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Weitere Berichte zu: Bewegungsabläufe Botox Cerebralparese Schwangerschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Verbesserte Heilungschancen durch individualisierte Therapie bei Hodgkin Lymphom
23.10.2017 | Uniklinik Köln

nachricht Aktuelle Therapiepfade und Studienübersicht zur CLL
20.10.2017 | Kompetenznetz Maligne Lymphome e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Salmonellen als Medikament gegen Tumore

HZI-Forscher entwickeln Bakterienstamm, der in der Krebstherapie eingesetzt werden kann

Salmonellen sind gefährliche Krankheitserreger, die über verdorbene Lebensmittel in den Körper gelangen und schwere Infektionen verursachen können. Jedoch ist...

Im Focus: Salmonella as a tumour medication

HZI researchers developed a bacterial strain that can be used in cancer therapy

Salmonellae are dangerous pathogens that enter the body via contaminated food and can cause severe infections. But these bacteria are also known to target...

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Konferenz IT-Security Community Xchange (IT-SECX) am 10. November 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Luftfracht

23.10.2017 | Veranstaltungen

Ehrung des Autors Herbert W. Franke mit dem Kurd-Laßwitz-Sonderpreis 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Magma sucht sich nach Flankenkollaps neue Wege

23.10.2017 | Geowissenschaften

Neues Sensorsystem sorgt für sichere Ernte

23.10.2017 | Informationstechnologie

Salmonellen als Medikament gegen Tumore

23.10.2017 | Biowissenschaften Chemie