Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Aktiver Lebensstil verringert Arteriosklerose-Risiken

28.07.2000


Jena. (28.07.00) Sportmuffel leben gefährlich. Denn wer nicht regelmäßig trainiert, dessen Risiko für eine Verkalkung der Herzkranzgefäße steigt auf das Doppelte. Diesem Phänomen, das bislang nur aus epidemiologischen Studien bekannt war, sind Wissenschaftler der Friedrich-Schiller-Universität Jena auf der Spur. Das Team um den Sportmediziner Professor Holger Gabriel untersucht mit modernsten Methoden, warum sich in Blutgefäßen von Sportlern weniger Verkalkungen bilden als bei Untrainierten. "Im Extremfall verschwinden sogar bereits bestehende Ablagerungen", erklärt Gabriel. Er führt diesen Effekt auf eine bessere Funktion einiger Immunzellen zurück.

Dass mäßiger Ausdauersport das Immunsystem günstig beeinflusst, hat der Forscher bereits in früheren Studien nachgewiesen. Damit eine Arteriosklerose überhaupt entstehen kann, bedarf es mehrerer Faktoren. Eine Störung der Gefäßwand - beispielsweise durch langjähriges Rauchen - gibt den Startschuss für einen Vorgang, der ähnlich wie eine Entzündung abläuft und kaum aufzuhalten ist. Während sich die normal arbeitende Gefäßinnenhaut vor schädigenden Einflüssen und damit vor einer Entzündung schützen kann, schlägt dieser Mechanismus bei einer Fehlfunktion ins Gegenteil um. Statt die Einwanderung von Zellen der körpereigenen Abwehr zu verhindern, lockt sie plötzlich selbst einige Immunzellen - Lymphozyten und Monozyten - an, die wie Kletten haften bleiben.

Durch den Einfluss eines Wachstumsfaktors wandeln sich die festgeklebten Monozyten in Fresszellen um, die schließlich Cholesterol einlagern und Schaumzellen bilden. Das ist die Grundlage für einen typischen arteriosklerotischen Kalkplaque. Einen weiteren Faktor stellen Wirbel im Blutstrom und eine verminderte Strömungsgeschwindigkeit des Blutes hinter Gefäßverzweigungen dar. "Dann bildet der Körper vermehrt jene Oberflächenrezeptoren aus, die ein weiteres Andocken von Entzündungszellen begünstigen", erklärt Holger Gabriel. "Das erhält den ganzen Prozess am Leben und die Arteriosklerose schreitet fort."

Dennoch ist dieser Vorgang nicht unumkehrbar. Bei regelmäßigem Sport nehmen die Monozyten ein anderes Aussehen an und verbessern ihre Funktion. - Sie haften schlechter an der Gefäßwand. Außerdem werden dort weniger Lockstoffe für weitere Entzündungszellen gebildet. Um das zu erreichen, genügen jeden zweiten Tag 30 bis 45 Minuten Ausdauersport wie Dauerlauf, Radfahren oder Schwimmen. Dennoch sollte nicht jeder Untrainierte, der sich vor Arteriosklerose schützen will, sofort losrennen. Denn bei Vorerkrankungen, die schon die Herzkranzgefäße betreffen, kann er sich dadurch mehr schaden als nützen. "Es ist ja noch gar nicht im Detail bekannt, wie Sport diese Ablagerungen verhindert", betont Gabriel, "das müssen wir erst erforschen."

Deshalb will er nicht nur Athleten, sondern auch ältere Menschen mit Arteriosklerose einbeziehen. Mit Blutentnahmen während des Trainings und danach werden er und sein Team untersuchen, bei welcher Belastung und nach welcher Zeit die verschiedenen Immunzellen im Blut erscheinen, wie sie arbeiten und ob sie sich ändern. Anhand der Ergebnisse will Gabriel den direkten Einfluss der einzelnen Immunzellen auf die Entstehung oder eine mögliche Rückbildung der arteriosklerotischen Plaques nachweisen. SG

Ansprechpartner:
Professor Dr. med. Holger Gabriel


Abteilung Sportmedizin der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Wöllnitzer Str. 42, 07749 Jena
Tel.: 03641/945650, Fax: 945652

E-mail: h.gabriel@ghz.de

Friedrich-Schiller-Universität
Referat Öffentlichkeitsarbeit
Fürstengraben 1
07743 Jena
Tel.: 03641/931031
Fax: 03641/931032
E-Mail: h7wohi@sokrates.verwaltung.uni-jena.de

Dr. Wolfgang Hirsch |

Weitere Berichte zu: Arteriosklerose Immunzelle Monozyt

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz gegen Gastritis
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Wenn Schimmelpilze das Auge zerstören
10.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher entwickeln zweidimensionalen Kristall mit hoher Leitfähigkeit

21.08.2017 | Physik Astronomie

Ein neuer Indikator für marine Ökosystem-Veränderungen - der Dia/Dino-Index

21.08.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Kieler Wissenschaft entwickelt exzellentes Forschungsdatenmanagement

21.08.2017 | Informationstechnologie