Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit neuen Tests auf Biomarker zur individuellen Behandlung

22.04.2002


In den nächsten Jahren wird es zu einer Revolution in der Diagnostik und der Behandlung von Krankheiten kommen, weg von der Schrotschusstherapie hin zu einer individuellen maßgeschneiderten Behandlungsmöglichkeit für jeden Patienten. Dies wurde auf dem siebten internationalen Bayer Diagnostics Laboratory Symposium vom 7.-9. April in Berlin deutlich, das unter dem Motto "Navigating Change – Charting A Course To The Future" stand.

In Zukunft werden Tests zur Verfügung stehen, die anzeigen, welche Medikamente für welchen Patienten am besten geeignet sind. "Damit werden unnötige Therapien und schwere Nebenwirkungen verhindert. Außerdem können enorme Kosten eingespart werden, die heute durch die Verordnung nicht optimal wirkender Medikamente entstehen", betonte Dr. Werner Kroll, Bayer Corporation, Pharmaceutical Division, West Haven, Connecticut/USA. "Dies wird durch die Identifizierung von Genen und Proteinen möglich, die Krankheiten auslösen. Wir forschen daran, jedem Patienten das richtige Medikament in der richtigen Dosierung zur richtigen Zeit geben zu können", führte Kroll weiter aus.

Die ersten Schritte, die in die medizinischen Wende steuern, sind bereits getan. Wohin der Kurs für die Zukunft abgesteckt ist, macht der HER-2/neu-Test von Bayer Diagnostics deutlich. Dieses Onkoprotein ist bei zirka einem Drittel aller Frauen mit Brustkrebs erhöht. Wird das vom Tumor gebildete Eiweiß in hoher Konzentration im Blut gemessen, so ist die Prognose schlecht. "Bei diesen Patientinnen schlägt eine Hormontherapie nicht an", sagte Dr. Diana Lüftner, Charité, Berlin. Wird aufgrund der Testergebnisse jedoch eine Kombinationsbehandlung mit dem Antikörper Herceptin und Chemotherapie eingesetzt, kann die Überlebenszeit der Frauen mit metastasierendem Brustkrebs deutlich verlängert werden.

Ein anderes Beispiel ist der cPSA-Test von Bayer Diagnostics (komplexes prostataspezifisches Antigen). Der Test wird zusammen mit der rektalen Untersuchung zur Diagnose des Prostatakarzinoms genutzt. "cPSA liegt im Blut an Einweiß gebunden vor und ist ein für den Prostatakrebs spezifischer Biomarker", sagte Dr. Bob Djavan, Ludwig-Boltzmann-Institut, Universität Wien.

Zusammen mit der rektalen Untersuchung kann mit bis zu 90prozentiger Sicherheit bestimmt werden, ob ein Karzinom vorliegt. Bei erhöhtem cPSA und positivem Tastbefund sichert dann eine Gewebeentnahme (Biopsie) die Diagnose. Mit einer rechtzeitigen Behandlung wird die Krebssterblichkeit deutlich gesenkt. Durch die Bestimmung des cPSA können auch unnötige Gewebeentnahmen (Biopsien) vermieden werden. Prostatakrebs ist der häufigste bösartige Tumor beim Mann.

Ein weiterer Kurs in die Zukunft sind die künstlichen neuronalen Netzwerke, die beispielsweise zur Diagnose des Herzinfarkts in der Notfallmedizin bereits erfolgreich eingesetzt werden. Neuronale Netzwerke sind in der Lage, die unüberschaubare Datenflut zu analysieren und zu interpretieren. Eine Kombination aus cPSA-Bestimmung und neuronalem Netzwerk könnte zukünftig das individuelle Prostatakrebsrisiko errechnen, führte Djavan weiter aus.

Bei internationalen Sportereignissen wie den Olympischen Spielen in Sydney und Salt Lake City wird ein Bluttest genutzt, der auf dem ADVIA® 120 Hematology System von Bayer Diagnostics läuft. Damit kann bei Hochleistungssportlern das verbotene und gesundheitsgefährdende Blutdoping mit dem gentechnisch hergestellten Hormon rhEPO aufgedeckt werden.

Mit dem SAFE-Programm (Safe And Fair Event) sollen in Zukunft solche Praktiken verhindert werden. Es ist in der Lage, durch Analyse von bestimmten Biomarkern Beweise für eine rhEPO-Anwendung, Bluttransfusionen und andere Manipulationen zu liefern.

Mittlerweile sind über 2000 Proben von Sportlern bei Wettkämpfen untersucht wurden, führte Dr. Jim Stray-Gundersen, Norwegisches Olympisches Komitee, Oslo, aus. Dabei stellte sich heraus, dass über 90 Prozent der Sportler mit Sicherheit nicht gedopt waren. Bei den anderen waren Nachuntersuchungen notwendig, bei 0,7 Prozent wurden Testergebnisse mit hohen oder sehr hohen Hämoglobinwerten und abnormer Blutbildung mit dem Verdacht auf Doping erhoben. Zu dem SAFE-Konzept gehört es, in Zukunft regelmäßig zu testen und auf dieser Grundlage für die Sportler einen hämatologischen Ausweis anzufertigen.

"Mit den innovativen diagnostischen Tests wollen wir die medizinischen Trends für die Zukunft setzen", sagte Rolf Classon, Leiter von Bayer Diagnostics, Tarrytown, New York. "Dies geht nur zusammen mit den Anwendern unserer Produkte, deren Erfahrungen und Wünsche wir in unsere Entwicklungen mit einbeziehen. Bereits heute werden stündlich weltweit etwa 200.000 Proben von Patienten auf den Laborsystemen von Bayer getestet."

"Bayer hat sich zum Ziel gesetzt, zu den wachstumsstärksten führenden diagnostischen Unternehmen weltweit zu gehören", betonte Dr. Hans Hiller, Leiter des Geschäftsfelds Laboratory Testing bei Bayer Diagnostics. "Unsere diagnostischen Plattformen, wie der ADVIA® Centaur™, decken alle relevanten Tests ab. Bayer Diagnostics investiert in Biomarker mit hohem Wert wie beispielsweise cPSA und HER-2/neu. Auch bei den Systemen zur Diagnose von Herzkrankheiten, Allergien und Infektionskrankheiten stehen innovative Tests zur Verfügung."

BayNews Team | BayNews

Weitere Berichte zu: Biomarker Prostatakrebs

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten