Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Verengte Herzkranzgefäße - Welche Stütze ist die richtige?

02.11.2007
Herzstiftung: Einsatz medikamentenbeschichteter Stents sorgfältig abwägen

Millionen von Menschen leiden an der koronaren Herzkrankheit, einer Verengung der Herzkranzgefäße, die zum Herzinfarkt führen kann. Seit der ersten Aufdehnung verengter Herzarterien mit einem Ballonkatheter vor 30 Jahren hat sich die Behandlung der koronaren Herzkrankheit eindrucksvoll weiterentwickelt.

Ein Meilenstein während dieser Entwicklung war die Einführung der Stents - kleiner Gefäßstützen aus Gitterdraht, die für stetigen Blutfluss sorgen sollen, nachdem die Ärzte das kranke Blutgefäß mit dem Ballonkatheter erweitert haben.

Als weiterer großer Fortschritt wurden dann medikamentenbeschichtete Stents gefeiert. Sie gewährleisten einen deutlich verbesserten Schutz vor einer Wiederverengung des aufgedehnten Blutgefäßes. Für Aufregung sorgten aber die Ergebnisse von Studien, die zeigten, dass diese Gefäßstützen gleichzeitig das Risiko einer späteren, lebensbedrohlichen Blutgerinnselbildung im Stent leicht erhöhen. Eine solche Stentthrombose ist mit einem Herzinfarkt vergleichbar.

Keine Unterschiede bei Herzinfarkten und Todesfällen

Berichte über dieses Risiko haben bei vielen Herzpatienten zu Angst und Verunsicherung geführt. Sie können jetzt weitgehend beruhigt werden. "Denn die genaue Durchsicht aller Studiendaten von rund 29.000 Patienten zeigte, dass medikamentenbeschichtete Stents im Beobachtungszeitraum von vier Jahren nicht zu mehr Herzinfarkten und Todesfällen führten als normale Stents", erklärt PD Dr. med. Thomas Voigtländer vom Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung. "Jedoch", so der Kardiologe, "sollte der Einsatz eines medikamentenbeschichteten Stents sorgfältig abgewogen werden."

Vorteile bringen medikamentenbeschichtete Stents vor allem bei Patienten mit erhöhtem Risiko für eine Wiederverengung, wenn zum Beispiel ein dünnes Herzkranzgefäß (kleiner als 3 mm) über eine längere Strecke verengt ist. Zurückhaltend mit der Verwendung dieser Stents sollte man hingegen bei einem erhöhten Risiko für eine Stentthrombose sein, etwa wenn bei weit fortgeschrittener koronarer Herzkrankheit mehrere Gefäße gleichzeitig zu behandeln sind. Und möglichst gar nicht eingesetzt werden sollten beschichtete Stents - wegen der für sie vorgeschriebenen längerfristigen Einnahme gerinnungshemmender Medikamente - etwa vor demnächst geplanten Operationen oder bei Patienten, die an mehreren Krankheiten leiden und eine Vielzahl von Tabletten einnehmen müssen.

Entscheidend: Schutz vor Blutgerinnseln

Entscheidend für den Erfolg jeder Stenttherapie ist, dass es möglichst zu keiner Verklumpung von Blutplättchen und damit keiner Thrombose kommt. Stent-Patienten müssen daher lebenslang Acetylsalicylsäure (ASS) und für eine gewisse Zeit nach dem Einsatz des Stents zusätzlich das Mittel Clopidogrel einnehmen: Beim unbeschichteten Stent sind dies vier Wochen, beim beschichteten sechs bis zwölf Monate.

"Auch eine erfolgreiche Stenttherapie ändert jedoch nichts daran, dass der Patient weiter an der koronaren Herzkrankheit leidet", betont der Vorsitzende der Deutschen Herzstiftung, Prof. Dr. med. Hans-Jürgen Becker: "Seine Zukunft hat der Herzpatient dabei zu einem großen Teil selbst in der Hand. Denn er kann das Fortschreiten der Krankheit bremsen - insbesondere durch eine gesunde Ernährung mit Mittelmeerkost, regelmäßige Bewegung und die konsequente Einnahme der verordneten Medikamente."

Broschüre zur Therapie der koronaren Herzkrankheit

Ausführliche Informationen zum Einsatz von Stents bei der Behandlung krankhaft veränderter Herzkranzgefäße enthält die aktuell zur Herzwoche 2007 von der Deutschen Herzstiftung herausgegebene Broschüre "Medikamente, Stents, Bypass - Therapie der koronaren Herzkrankheit". Sie ist gegen Einsendung von drei Euro in Briefmarken erhältlich bei: Deutsche Herzstiftung e.V., Vogtstraße 50, 60322 Frankfurt am Main.

Informationen:
Deutsche Herzstiftung e.V.
Pressestelle
Dr. Klaus Fleck / Pierre König
Tel. 069/95 51 28-119
Fax: 069/95 51 28-313
fleck@herzstiftung.de

Pierre König | idw
Weitere Informationen:
http://www.herzstiftung.de

Weitere Berichte zu: Herzinfarkt Herzkrankheit Herzkranzgefäß Stent

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Makula-Degeneration – Deutschlands häufigste Augenerkrankung braucht mehr Aufmerksamkeit
30.05.2017 | Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: New Method of Characterizing Graphene

Scientists have developed a new method of characterizing graphene’s properties without applying disruptive electrical contacts, allowing them to investigate both the resistance and quantum capacitance of graphene and other two-dimensional materials. Researchers from the Swiss Nanoscience Institute and the University of Basel’s Department of Physics reported their findings in the journal Physical Review Applied.

Graphene consists of a single layer of carbon atoms. It is transparent, harder than diamond and stronger than steel, yet flexible, and a significantly better...

Im Focus: Detaillierter Blick auf molekularen Gifttransporter

Transportproteine in unseren Körperzellen schützen uns vor gewissen Vergiftungen. Forschende der ETH Zürich und der Universität Basel haben nun die hochaufgelöste dreidimensionale Struktur eines bedeutenden menschlichen Transportproteins aufgeklärt. Langfristig könnte dies helfen, neue Medikamente zu entwickeln.

Fast alle Lebewesen haben im Lauf der Evolution Mechanismen entwickelt, um Giftstoffe, die ins Innere ihrer Zellen gelangt sind, wieder loszuwerden: In der...

Im Focus: Neue Methode für die Datenübertragung mit Licht

Der steigende Bedarf an schneller, leistungsfähiger Datenübertragung erfordert die Entwicklung neuer Verfahren zur verlustarmen und störungsfreien Übermittlung von optischen Informationssignalen. Wissenschaftler der Universität Johannesburg, des Instituts für Angewandte Optik der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) präsentieren im Fachblatt „Journal of Optics“ eine neue Möglichkeit, glasfaserbasierte und kabellose optische Datenübertragung effizient miteinander zu verbinden.

Dank des Internets können wir in Sekundenbruchteilen mit Menschen rund um den Globus in Kontakt treten. Damit die Kommunikation reibungslos funktioniert,...

Im Focus: Strathclyde-led research develops world's highest gain high-power laser amplifier

The world's highest gain high power laser amplifier - by many orders of magnitude - has been developed in research led at the University of Strathclyde.

The researchers demonstrated the feasibility of using plasma to amplify short laser pulses of picojoule-level energy up to 100 millijoules, which is a 'gain'...

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebensdauer alternder Brücken - prüfen und vorausschauen

29.05.2017 | Veranstaltungen

49. eucen-Konferenz zum Thema Lebenslanges Lernen an Universitäten

29.05.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz an der Schnittstelle von Literatur, Kultur und Wirtschaft

29.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Center Smart Materials CeSMa erhält SilverStar Förderpreis 2017 für innovativen Druckmessstrumpf

30.05.2017 | Förderungen Preise

Alternative Nutzung von Biogasanlagen – Wachse aus Biogas für die Kosmetikindustrie

30.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Detaillierter Blick auf molekularen Gifttransporter

30.05.2017 | Biowissenschaften Chemie