Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schmerz und Juckreiz: Zwei verschiedene Paar Schuhe

29.10.2007
Bei der Behandlung nicht voneinander zu trennen

Juckreiz galt lange als "Unterempfindung" des Schmerzes. Dass er das nicht ist, bewies der Nachweis eigener Nervenfasern in der Haut und im Rückenmark, die ausschließlich für den Botenstoff Histamin empfindlich sind.

Dennoch sind Schmerz und Juckreiz nicht voneinander zu trennen: Einerseits können die juckreizleitenden Nervenfasern auch brennende Schmerzen auslösen. Andererseits können im Rückenmark schmerzleitende Nervenbahnen die Weiterleitung von Juckreiz verhindern. Das berichtete PD Dr. Sonja Ständer vom Universitätsklinikum Münster beim Deutschen Schmerzkongress in Berlin.

Gegenseitiger Einfluss

... mehr zu:
»Juckreiz »Rückenmark »Schmerz

"Akuter Juckreiz hat wie akuter Schmerz eine wichtige Warnfunktion: Er macht auf Fremdkörper oder Parasiten auf der Haut aufmerksam", erklärte Dr. Ständer. Chronischer Juckreiz dagegen, der länger als sechs Wochen andauert, weist auf innere, Nerven- oder Hautkrankheiten hin. "Wir schätzen, dass etwa acht bis zehn Prozent der Deutschen von chronischem Pruritus betroffen sind", so Dr. Ständer. Diabetes, Nieren- und Lebererkrankungen, Eisenmangel oder psychische Erkrankungen können das Jucken auslösen. Die Mechanismen, die zur Juckreizentstehung führen, sind nur zum Teil bekannt und erforscht - die Juckreizforschung ist im Vergleich zur Schmerzforschung ca. 20 Jahre jünger.

Juckreiz blockieren im Rückenmark

"Wir wissen aber jetzt, dass im Rückenmark schmerzleitende Nervenbahnen die Weiterleitung von Juckreiz verhindern können", so Dr. Ständer. Diese schmerzleitenden Bahnen können durch Opioi-de blockiert werden. Dadurch kann wiederum die Juckreizwahrnehmung gesteigert werden. Diesen Juckreiz kann man mit Opioidantagonisten therapieren, die die Wirkung von Opioiden blockieren. "Hier bestehen also gegensätzliche Mechanismen", erklärte die Spezialistin für Neurodermatologie. Ein ähnlicher Mechanismus ist für die Substanzen Gabapentin und Pregabalin bekannt, die auf die gleiche Weise wirken wie der körpereigene Nervenbotenstoff Gamma-Aminobuttersäure (GABA): Sowohl die Nervenzellen der Schmerz- als auch die der Juckreizleitungsbahnen sind empfindlich dafür. Gabapentin und Pregabalin können die Weiterleitung von Juckreiz im Rückenmark aufhalten.

Studien fehlen

Studien zum optimalen Einsatz von Medikamenten gegen Juckreiz gibt es noch kaum, einheitliche Empfehlungen können die Spezialisten wegen der vielen verschiedenen Ursachen für Juckreiz nicht aussprechen. "Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass Juckreiz eine eigenständige Empfindung ist: Es bestehen eindeutige Unterschiede zum Schmerz", unterstrich Dr. Ständer. "Juckreiz ist aber vom Schmerz beeinflussbar und nicht vollständig von ihm zu trennen."

Ansprechpartnerin

PD Dr. Sonja Ständer, Klinische Neurodermatologie, Universitätsklinikum Münster, Von-Esmarch-Str. 58, Tel.: 0251/83-56501, Fax.: 0251/83-56522, E-Mail: sonja.staender@uni-muenster.de

Meike Drießen | idw
Weitere Informationen:
http://www.dgss.org

Weitere Berichte zu: Juckreiz Rückenmark Schmerz

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften