Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Darmkrebs: Zellschutz gestört

08.08.2000


Darmkrebs: Zellschutz gestört
Deutsche Krebshilfe unterstützt Würzburger Forschergruppe

Würzburg - Die Entstehung von Dick- und Mastdarmkrebs ist meist auf die Veränderung mehrerer Gene zurückzuführen. Substanzen, die das Erbgut schädigen können, sind beispielsweise hochreaktive Sauerstoffverbindungen. Doch unser Körper ist gegen diese sogenannten freien Radikale normalerweise gut gewappnet: Schutzenzyme fangen innerhalb der Zelle die aggressiven Stoffe ein und machen sie damit unschädlich. Untersuchungen weisen darauf hin, dass das Selenoprotein P eine solche Schutzfunktion inne hat. Analysen zeigten, dass Patienten mit Zellwucherungen im Darm weitaus weniger Selenoprotein P in der Schleimhaut bilden als gesunde Probanden. Wissenschaftler der Universität Würzburg wollen Ursachen und Auswirkungen dieser Unterschiede klären. Die Deutsche Krebshilfe unterstützt das zweijährige Forschungsvorhaben mit über 200.000 Mark.

Aus jedem fünften Dickdarmpolypen (gutartige Zellwucherungen) entwickelt sich im Laufe von 10 bis 15 Jahren ein bösartiger Tumor. Schädigungen (Mutationen) im Erbgut der Darmzellen führen zum unkontrollierten Zellwachstum und damit zur Tumorentstehung. Prozesse dieser Art können beispielsweise durch hochreaktive Sauerstoffverbindungen (freie Radikale) in Gang gesetzt werden. Freie Radikale fallen Tag für Tag als Nebenprodukte des Stoffwechsels in allen Zellen des Körpers an. Doch gegenüber Attacken dieser Substanzen sind wir bestens gerüstet: Jede einzelne Zelle ist reichhaltig mit Schutzenzymen ausgestattet, die die aggressiven Stoffe abbauen und damit unschädlich machen.

Mehrere dieser Schutzenzyme enthalten das Spurenelement Selen. Untersuchungen weisen darauf hin, dass auch das vor kurzem entdeckte Selenoprotein P zu dieser Enzymklasse zählt. Eine Würzburger Forschergruppe um Professor Dr. Josef Köhrle, Privatdozent Dr. Franz Jakob und Dr. Oliver Al-Taie beschäftigt sich im Detail mit dem Selenoprotein P und dessen Bedeutung bei der Entstehung von Dickdarmkrebs. Die Wissenschaftler konnten zeigen, dass Patienten mit gutartigen Zellwucherungen (Polypen) im Darm weitaus weniger Selenoprotein P bilden als gesunde Probanden. Die Forscher vermuten, dass die häufige Entstehung von Dickdarmkrebs aus einem Polypen mit dieser Beobachtung zusammenhängt: Wird zu wenig Selenoprotein P gebildet, könnte der Schutz der Dickdarmzellen vor dem Angriff freier Radikale verringert sein. Die reaktiven Sauerstoffverbindungen können somit die Erbsubstanz schädigen und die Tumorentstehung begünstigen.

Die Wissenschaftler wollen nun der Ursache der verminderten Selenoprotein P-Bildung auf den Grund gehen. Die Information für die Herstellung des Proteins liegt in bestimmten Genen. Deshalb beschäftigt das Würzburger Forscherteam zunächst folgendes Problem: Ist die genetische Information für die Bildung des Selenoprotein P verändert und wenn ja, sind dafür vererbte oder neu erworbene Mutationen verantwortlich? Molekularbiologische Analysen von Gewebeproben aus Dickdarmtumoren sollen helfen, diese Frage zu klären. Professor Köhrle fasst die Bedeutung des von der Deutschen Krebshilfe finanzierten Projektes zusammen: "Die Untersuchungen sollen einen Beitrag dazu leisten, die Kenntnisse über die Entstehung von Dickdarmkrebs zu vertiefen. Vielleicht leiten sich von unseren Forschungsergebnissen neue Diagnoseverfahren ab, die eine Veränderung im Selenoprotein P-Gen und damit eine Veranlagung für die Bildung eines Dickdarmtumors nachweisen können."

Interviewpartner auf Anfrage!

Projekt-Nummer: 10-1492

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

Dr. med. Eva M. Kalbheim-Gapp |

Weitere Berichte zu: Dickdarmkrebs Selenoprotein Zellschutz

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten