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Erprobung in klinischer Studie: Essener Wissenschaftler entwickelten DNA-Impfstoff gegen schwarzen H

31.07.2000


In Zusammenarbeit mit Internisten aus Mainz und München überprüfen Wissenschaftler des Essener Universitätsklinikums in einer klinischen Studie zum ersten Mal die Wirkung eines DNA-Impfstoffes gegen den
Schwarzen Hautkrebs. 15 Patienten, die an einem malignen Melanom leiden, bei denen sich aber noch keine Metastasen (Tochtergeschwülste) gebildet haben, nehmen an dieser sogenannten Phase-I-Studie teil. Die beteiligten Ärzte und Biologen um Privatdozent Dr. Stephan Wagner von der Essener Universitäts-Hautklinik wollen herausfinden, ob der Impfstoff das Immunsystem aktivieren und auf diese Weise einen Schutz gegen die Tumorbildung bieten kann und ob er gut verträglich ist. Da die DNA-Vakzine bereits bei mehr als 120 000 Menschen bei Pockenschutzimpfungen eingesetzt worden ist, ohne dass spezifische Nebenwirkungen beobachtet werden konnten, halten die Essener Forscher den Impfstoff für sehr sicher und sind zuversichtlich, die an der Studie teilnehmenden Patienten keinen unerwarteten Nebenwirkungen auszusetzen.

Die großen Erwartungen, die mit der Entwicklung von DNA-Impfstoffen als neue Therapiemittel verknüpft worden seien, hätten sich gerade beim Hautkrebs noch nicht erfüllt, beschreibt Stephan Wagner im Essener Klinikum den aktuellen Stand der Therapiemöglichkeiten beim malignen Melanom. Insbesondere seien die Ergebnisse von Studien, in denen bereits metastasierten Melanom-Patienten DNA injiziert worden sei, um über eine Stimulation des Immunsystems eine Rückbildung der Tumoren zu erreichen, nicht sonderlich ermutigend gewesen. Bei einigen Patienten seien Erfolge erzielt worden, bei anderen hingegen nicht. Der jeweilige Wirkungsgrad könnte, vermutet Wagner, unter anderem durch die Dosierung des Impfstoffes, die Impf-Frequenz sowie den Ort der Immunisierung beeinflusst worden sein. Erwiesen hat sich zudem, dass Metastasen von Melanomen unterschiedliche Mechanismen entwickeln, um einer Immunantwort zu entgegen. Dies kann bei verschiedenen Patienten zu unterschiedlichen klinischen Verläufen führen, aber auch zu verschiedenen Reaktionen von Melanom-Metastasen bei ein und demselben Patienten. Die DNA-Therapie gegen ein bereits metastasiertes Melanom müsse, sagt Wagner, deshalb noch mit Skepsis betrachtet werden.

Dennoch haben Impfstoffe auf DNA-Basis gegenüber herkömmlichen Impfstoffen eine Reihe von Vorteilen. Sie sind leichter herzustellen und zu lagern und vermitteln teilweise bessere Immunantworten. Als Alternative zu den bereits verfügbaren DNA-Impfstoffen hat Wagners Arbeitsgruppe, bestehend aus fünf Biologen und Ärzten sowie drei Medizinisch-Technischen Assistenten, in mehr als sechsjähriger Arbeit und mit finanzieller Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft, die Deutsche Krebshilfe und das NRW-Wissenschaftsministerium einen neuen DNA-Impfstoff entwickelt. Die Wissenschaftler haben auf der Oberfläche von Melanom-Zellen Eiweißmoleküle identifiziert und darauf mit modernen Methoden der Gen-technologie eine DNA-Vakzine hergestellt. Mit ihrer Hilfe können Zellen des Immunsystems Melanom-Zellen mit hoher Wahrscheinlichkeit erkennen und - unter Vermeidung der mit konventionellen Therapien wie der Chemotherapie verbundenen schweren Nebenwirkungen - zerstören. In Zusammenarbeit mit Arbeitsgruppen in Pittsburgh und Charlottesville, USA, sowie der Universität Wien konnten experimentelle Hinweise auf die Wirksamkeit des Impfstoffes gefunden werden. So wirkte, berichtet Stephan Wagner, der Impfstoff in der Erprobung bei Mäusen nachweislich der Tumorentstehung und Metastasierung entgegen. Die Stärke des neuen Impfstoffes liege in der Verhütung von Tumoren und nachfolgender Metastasierung, sagt Wag-ner. Seine Arbeitsgruppe, die für klinische Therapiestudien bei Melanom-Patienten bereits mit Preisen wie etwa der American Society of Clinical Oncology ausgezeichnet worden ist, geht davon aus, dass in erster Linie Melanom-Patienten, die noch nicht von Metastasen betroffen sind aber in der Gefahr der Metastasierung stehen, von dem neuen Impfstoff profitieren können.

Redaktion: Monika Rögge, Telefon (02 01) 1 83-20 85
Weitere Informationen: PD Dr. Stephan Wagner, Telefon (02 01) 7 23-36 44

Monika Roegge |

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