Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Einheitliche Standards für Vorhofflimmer-Studien gefordert

22.10.2007
Europäische Ärzte geben unter Federführung des Kompetenznetzes Vorhofflimmern neue Empfehlungen heraus.

Vorhofflimmern ist eine komplexe Krankheit, an der mehrere Millionen Menschen in Europa leiden. Die Ursachen dieser Herzrhythmusstörung sind zum Teil noch unverstanden, die klinischen Folgen vielfältig und oft schwer vorhersehbar. So stellt das Vorhofflimmern eine der häufigsten Ursachen für Schlaganfälle dar. Ebenso verschieden sind die Behandlungsmöglichkeiten, die weltweit in klinischen Studien ständig weiter optimiert werden. Doch die Erfolge der unterschiedlichen therapeutischen Ansätze lassen sich nur schwer vergleichen, solange es keine einheitlichen Standards für Vorhofflimmer-Studien gibt.

Verbindliche Ergebnisparameter für kontrollierte klinische Vorhofflimmerstudien zu definieren, war deshalb das erklärte Ziel einer Ende Januar 2007 gemeinsam vom Kompetenznetz Vorhofflimmern (AFNET) und der European Heart Rhythm Association (EHRA) veranstalteten Konferenz, an der rund 60 namhafte europäische Vorhofflimmer-Spezialisten aus Wissenschaft und Industrie teilnahmen. Als Ergebnis dieser Konsensuskonferenz veröffentlichten die beteiligten Wissenschaftler unter Federführung des AFNET nun eine Reihe von Empfehlungen für Vorhofflimmer-Studien ("Outcome Parameters for Trials in Atrial Fibrillation" Kirchhof et al., Europace 25.09.2007, und "Outcome Parameters for Trials in Atrial Fibrillation - Executive Summary" Kirchhof et al., European Heart Journal 25.09.2007).

Die Teilnehmer der Konferenz empfehlen in den Publikationen, dass in allen Studien neben Toden, Schlaganfällen, schweren Blutungen, EKG-Aufzeichnungen von Vorhofflimmern auch die Pumpkraft des Herzens und die Lebensqualität erfasst und berichtet werden. Einige der Empfehlungen beruhen auf Einteilungen, die seit über 50 Jahren in Gebrauch sind, andere beruhen auf Daten der letzten wenigen Jahre. Für die verschiedenen Bereiche geben die Autoren jeweils eine Liste von erforderlichen Parametern an, die in einer kontrollierten klinischen Studie nicht fehlen dürfen. Eine wichtige Beobachtung ist das häufige asymptomatische Auftreten von Vorhofflimmern. Daher wird gefordert, dass häufige EKG-Aufzeichnungen in allen Vorhofflimmer-Studien Standard werden sollen, wie sie in zum Beispiel in den Studien des Kompetenznetzes Vorhofflimmern schon üblich sind. Zur besseren Beurteilung der Lebensqualität der Patienten schlagen die Autoren vor, die häufig mit Vorhofflimmern verbundenen Symptome wie Herzklopfen, Schwindel, Atemnot und Angst, die von Patient zu Patient sehr unterschiedlich stark auftreten, nach Schweregrad zu klassifizieren. Hierfür wird eine einfache Klassifizierung beschrieben.

... mehr zu:
»Vorhofflimmern

Ziel der neuen Empfehlungen ist es, zukünftige Studien durch einheitliche Vorgaben besser vergleichbar und dadurch die Therapieverfahren besser bewertbar zu machen. "Damit wird der behandelnde Arzt es in Zukunft leichter haben, für jeden einzelnen Patienten aus der Vielzahl der Behandlungsmöglichkeiten die am besten geeignete Therapie auszuwählen" so Professor Günter Breithardt, der gemeinsam mit Professor Paulus Kirchhof die Konsensuskonferenz ins Leben gerufen hatte.

Professor Breithardt, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik C, Kardiologie und Angiologie, am Universitätsklinikum Münster, ist Sprecher des Kompetenznetzes Vorhofflimmern, Professor Kirchhof, Oberarzt dieser Klinik, ist Leiter zweier Forschungsprojekte und Koordinator im Kompetenznetz Vorhofflimmern. Beide haben gemeinsam mit den Professoren Thomas Meinertz (Hamburg), Ursula Ravens (Dresden) und Gerhard Steinbeck (München) und europäischen Experten auf dem Gebiet des Vorhofflimmerns dieses interdisziplinäre Projekt umgesetzt.

Im Kompetenznetz Vorhofflimmern (AFNET) arbeiten deutschlandweit Wissenschaftler und Ärzte zusammen mit dem Ziel, die Behandlung und Versorgung von Vorhofflimmerpatienten zu verbessern. Das AFNET führt rund 20 wissenschaftliche Projekte durch, die sowohl Grundlagenforschung als auch klinische und epidemiologische Studien beinhalten. Das im Jahr 2003 gegründete interdisziplinäre Netzwerk wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanziert. Die Zentrale befindet sich am Universitätsklinikum Münster.

Kontakt:
Univ.-Prof. Dr. Dr.h.c. Günter Breithardt
Prof. Dr. Paulus Kirchhof
Medizinische Klinik und Poliklinik C, Kardiologie und Angiologie
Universitäts¬klinikum Münster
Albert-Schweitzer-Straße 33, 48149 Münster
Tel: 0251 / 83-47617
E-Mail: g.breithardt@uni-muenster.de; kirchhp@uni-muenster.de

Dr. Angelika Leute | idw
Weitere Informationen:
http://www.kompetenznetz-vorhofflimmern.de
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/entrez/query.fcgi?cmd=Retrieve&db=PubMed&dopt=Citation&list_uids=17897925
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/entrez/query.fcgi?cmd=Retrieve&db=PubMed&dopt=Citation&list_uids=17897924

Weitere Berichte zu: Vorhofflimmern

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein
02.12.2016 | Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

nachricht Epstein-Barr-Virus: von harmlos bis folgenschwer
30.11.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Flüssiger Wasserstoff im freien Fall

05.12.2016 | Maschinenbau

Forscher sehen Biomolekülen bei der Arbeit zu

05.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungsnachrichten