Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Miesmuschel als Vorbild: Bionischer Feuchtkleber könnte für bessere Haftung von Zahnimplantaten sorgen

19.10.2007
Forscher der Klinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie des Frankfurter Universitätsklinikums gewinnen mit ihrer Idee in der Bionik beim Innovationswettbewerb Medizintechnik 2007. Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert das Vorhaben

Die Miesmuschel macht es mit ihrer Haftbeständigkeit im Meerwasser vor: ein bionischer Feuchtkleber könnte für bessere Haftung von Zahnimplantaten sorgen. Mit dieser Idee gewann die Klinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie (MKG) des Klinikums der J. W. Goethe-Universität Frankfurt gemeinsam mit anderen Projekten den Innovationspreis Medizintechnik 2007.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das Vorhaben mit 300.000 Euro für die Durchführung eines Schlüsselexperiments. Die MKG-Klinik mit ihrem Direktor Prof. Dr. Dr. Robert Sader leitet das Projekt und das Konsortium. Ziel des Forschungsvorhabens ist es, einen neuartigen Feuchtklebstoff zu entwickeln, der hauptsächlich aus den Klebeproteinen der Miesmuschel Mytilus edulis und synthetischen Trägermaterialien (Polymeren) besteht.

An dem Forschungsprojekt sind Wissenschaftler und Medizintechniker des Bremer Fraunhofer Instituts für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung (IFAM), des Biotechnik-Zentrums (BitZ) und der Materialprüfungsanstalt (MPA) der Technischen Universität Darmstadt sowie des Freiburger Implantate-Herstellers Straumann beteiligt.

Die von Miesmuscheln aus einer Drüse ausgeschiedenen Proteine sind vielen technischen Klebern überlegen. Sie härten im (Salz-)Wasser und sind dort lange beständig, besitzen eine hohe Festigkeit und sind elastisch. Gleichzeitig haften sie auf so verschiedenen Untergründen wie Glas, Holz, Knochen oder Teflon. Den IFAM-Chemikern ist es nun gelungen, solche Proteine synthetisch herzustellen.

Die Frankfurter MKG-Klinik wird mit ihren Projektpartnern testen, inwiefern sich die Eigenschaften des bionischen Feuchtklebers für die Zahnfleischbefestigung von dentalen Titanimplantaten eignen. Hierfür werden Prof. Sader und seine Forschungsgruppe die Biokompatibilität der Klebstoffe in vitro prüfen und immunologische Untersuchungen einschließlich der Gefäßneubildung um den implantären Bereich herum vornehmen. Der Einsatz des Muschelklebers wird nach Ansicht von Projektleiter Prof. Sader aber nicht auf die Zahnmedizin beschränkt bleiben: "Wenn das so funktioniert, wie wir es uns vorstellen, könnte man zukünftig zum Beispiel eine Herzklappe einkleben anstatt sie einzunähen."

Bei der Suche nach der optimalen Zusammensetzung des Klebers wollen die Wissenschaftler verschiedene Mischungen testen. Insbesondere die Verträglichkeit des Klebers und seine physiko-chemischen und mechanischen Eigenschaften stehen dabei im Vordergrund, die Charakterisierung wird im BitZ und an der MPA in Darmstadt stattfinden. Schließlich soll der neue Haftstoff seine Fähigkeiten unter Alltagsbedingungen unter Beweis stellen und ein Titanimplantat mit dem Zahnfleisch verbinden. Wichtig ist, dass dabei eine feste, aber mechanisch flexible Verbindung zwischen dem Implantat und der angrenzenden Schleimhaut sowie dem Bindegewebe entsteht. Dadurch soll die natürliche Barrierefunktion des Zahnfleischs erhalten bleiben. Denn entscheidend für die langfristige Stabilität eines Zahnimplantats ist es, das Eindringen von Bakterien und somit eine lokale Infektion zu verhindern. Zudem muss der Kleber den Kaubewegungen standhalten.

In den kommenden zwei Jahren, auf die das Projekt zunächst ausgelegt ist, wollen die beteiligten Chemiker, Mediziner und Techniker die Grundlagen für den praktischen Einsatz schaffen. Es geht darum, einen optimalen Klebstoff herzustellen und dessen Wirksamkeit und Verträglichkeit an Zellkulturen nachzuweisen. Wenn das gelingt, kann in einem Folgeprojekt mit weiteren Versuchen die praktische Umsetzung erprobt werden.

Frankfurt am Main, 18. Oktober 2007

Für weitere Informationen:

Prof. Dr. Dr. Dr. Robert Sader
Klinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie
Klinikum der J.W. Goethe-Universität Frankfurt/ Main
Fon (0 69) 63 01 - 56 43
Fax (0 69) 63 01 - 56 44
E-Mail r.sader@em.uni-frankfurt.de
Ricarda Wessinghage
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Klinikum der J.W. Goethe-Universität Frankfurt/ Main
Fon (0 69) 63 01 - 77 64
Fax (0 69) 63 01 - 8 32 22
E-Mail ricarda.wessinghage@kgu.de

Ricarda Wessinghage | idw
Weitere Informationen:
http://www.kgu.de

Weitere Berichte zu: Bionischer Feuchtkleber Miesmuschel

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Herzerkrankungen: Wenn weniger mehr ist
30.03.2017 | Universitätsspital Bern

nachricht Stoßlüften ist besser als gekippte Fenster
29.03.2017 | Technische Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Atome rennen sehen - Phasenübergang live beobachtet

Ein Wimpernschlag ist unendlich lang dagegen – innerhalb von 350 Billiardsteln einer Sekunde arrangieren sich die Atome neu. Das renommierte Fachmagazin Nature berichtet in seiner aktuellen Ausgabe*: Wissenschaftler vom Center for Nanointegration (CENIDE) der Universität Duisburg-Essen (UDE) haben die Bewegungen eines eindimensionalen Materials erstmals live verfolgen können. Dazu arbeiteten sie mit Kollegen der Universität Paderborn zusammen. Die Forscher fanden heraus, dass die Beschleunigung der Atome jeden Porsche stehenlässt.

Egal wie klein sie sind, die uns im Alltag umgebenden Dinge sind dreidimensional: Salzkristalle, Pollen, Staub. Selbst Alufolie hat eine gewisse Dicke. Das...

Im Focus: Kleinstmagnete für zukünftige Datenspeicher

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Chemikern der ETH Zürich hat eine neue Methode entwickelt, um eine Oberfläche mit einzelnen magnetisierbaren Atomen zu bestücken. Interessant ist dies insbesondere für die Entwicklung neuartiger winziger Datenträger.

Die Idee ist faszinierend: Auf kleinstem Platz könnten riesige Datenmengen gespeichert werden, wenn man für eine Informationseinheit (in der binären...

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Nierentransplantationen: Weisse Blutzellen kontrollieren Virusvermehrung

30.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zuckerrübenschnitzel: der neue Rohstoff für Werkstoffe?

30.03.2017 | Materialwissenschaften

Integrating Light – Your Partner LZH: Das LZH auf der Hannover Messe 2017

30.03.2017 | HANNOVER MESSE