Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Risiko für plötzlichen Herztod senken - Index zeigt individuellen Gehalt essentieller Fettsäuren an

15.10.2007
Mindestens 100.000 Menschen sterben in Deutschland jedes Jahr am plötzlichen Herztod. Einer von mehreren bekannten Faktoren, die hier in gewissem Maße präventiv wirken können, ist der regelmäßige Verzehr von Fisch.

Dieser Effekt wird auf zwei Omega-3-Fettsäuren zurückgeführt, die vor allem in fetthaltigen Fischarten vorkommen. Professor Clemens von Schacky, Leiter der Abteilung "Präventive Kardiologie" der Medizinischen Klinik und Poliklinik Innenstadt der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München hat in Zusammenarbeit mit einem amerikanischen Kollegen den "Omega-3-Index" entwickelt, mit dessen Hilfe der Gehalt eines Menschen an diesen essentiellen Fettsäuren bestimmt werden kann. Wie der Kardiologe vor kurzem in der Fachzeitschrift "Münchner Medizinische Wochenschrift" (MMW) berichtete, könnte der Index auch helfen, das persönliche Risiko für den plötzlichen Herztod zu ermitteln.

Bei einem zu niedrigen Index könnten dann, so von Schacky, über die gezielte Einnahme der beiden wichtigen Omega-3-Fettsäuren als vorbeugende Maßnahme höhere Werte erreicht und damit das Risiko für den plötzlichen Herztod gesenkt werden.

Die Eicosapentaensäure und die Docosahexaensäure, kurz EPA und DHA, werden mittlerweile von vielen kardiologischen Fachgesellschaften bei verschiedenen Herz-Kreislauf-Erkrankungen empfohlen, vor allem bei der Nachbehandlung eines Herzinfarktes und der Prävention des plötzlichen Herztods. Sie gehören als Omega-3-Fettsäuren zu den essentiellen Fettsäuren, die der Körper also benötigt, aber nicht selbst bilden kann. Besonders reich an EPA und DHA sind frei lebende, fettreiche Fischarten, etwa Lachs, Makrele und Hering. Weniger empfehlenswert sind dagegen langlebige Raubfische wie Schwert- und Thunfisch, weil sie oft auch Toxine wie Methylquecksilber enthalten. Man weiß, dass die beiden Omega-3-Fettsäuren entzündungshemmend wirken, der Bildung von Blutgerinnseln entgegenwirken, vor allem aber schwere Herzrhythmusstörungen vermindern. Das wiederum könnte das Risiko des plötzlichen Herztods reduzieren. So wird vermutet, dass die vergleichsweise geringen Zahlen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen etwa bei Japanern und den Inuit in Grönland auf deren fischreiche Diät zurückzuführen sind.

"Ich habe in Martinsried bei München ein Labor gegründet, das die individuelle Bestimmung des Omega-3-Index eines Menschen anbietet", so von Schacky, der auch als Geschäftsführer des Unternehmens tätig ist. "Dieser Wert wird über den Gehalt der Erythrozyten, also der roten Blutkörperchen, an EPA und DHA, erfasst. Der bei uns gängige Bereich liegt bei etwa vier Prozent.

Erst ab Werten von rund acht Prozent aber wird ein plötzlicher Herztod deutlich unwahrscheinlicher." Im Vergleich dazu wurden in der koreanischen Bevölkerung im Schnitt Werte von etwa neun Prozent gefunden. Bei den Japanern liegt der Index durchschnittlich bei etwa elf Prozent. "Es ist noch unklar, ob man den Omega-3-Index in ungesunde Höhen treiben kann", so von Schacky. "In Alaska haben wir sogar einen gesunden Mann gefunden, dessen Wert bei 20 Prozent lag.

Dafür ist aber wohl eine extreme Zufuhr der Fettsäuren nötig, wie sie etwa bei den Inuit üblich ist. Unsere Messungen in München haben ergeben, dass es in unseren Breiten schwierig sein sollte, über die acht Prozent zu kommen. Grundsätzlich aber denke ich, dass durch eine Anhebung der Werte auf dieses Niveau die Anzahl der plötzlichen Herztode wohl deutlich gesenkt werden könnte."

Publikation:
"Omega-3-Fettsäuren in der Kardiologie", Clemens von Schacky,
Münchner Medizinische Wochenschrift (MMW), III/2007 (149. Jg.)
Ansprechpartner:
Professor Dr. Clemens von Schacky
Abteilung "Präventive Kardiologie", Medizinische Klinik und Poliklinik Innenstadt der LMU
Tel.: 089 / 5160 2165
Fax: 089 / 5160 2194
E-Mail: clemens.vonSchacky@med.uni-muenchen.de

Luise Dirscherl | idw
Weitere Informationen:
http://www.omegametrix.eu

Weitere Berichte zu: Fettsäure Herztod Omega-3-Fettsäure

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Methode der Eisenverabreichung
26.04.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Bestrahlung bei Hirntumoren? Eine neue, verlässlichere Einteilung erleichtert die Entscheidung
26.04.2017 | Universitätsklinikum Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie