Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Herzchirurgen testen die Qualität verschiedener Blutpumpen

18.10.2000


... mehr zu:
»EKZ »Herzoperation
Bei Herzoperationen wird die Pumpe der Patienten stillgelegt und der Blutstrom durch den Körper mit Hilfe von Maschinen in Gang gehalten. Weil dies nicht immer unproblematisch ist, wird die biologische Verträglichkeit
der verwendeten Pumpsysteme im Rahmen einer Studie am Klinikum der Universität Würzburg untersucht.

Pro Jahr werden in Deutschland etwa 80.000 Eingriffe mit Hilfe der so genannten extrakorporalen Zirkulation (EKZ) durchgeführt. Das bedeutet: Das zum Herzen fließende Blut wird über ein externes Pumpsystem umgeleitet, mit Sauerstoff versorgt und dann wieder der Körperschlagader zugeführt. Die entsprechende Apparatur ist unter dem Namen Herz-Lungen-Maschine bekannt.

Bei manchen Patienten treten nach der Herzoperation Funktionsstörungen des Gehirns auf, die sich zum Beispiel in Form von Verwirrtheit oder verlangsamten Reaktionen äußern. Diese Störungen sind bei rund 60 Prozent aller Patienten vorübergehend. Gelegentlich bleiben sie allerdings auch erhalten, was bei 0,5 bis 8 Prozent der Operierten vorkommt. Ob hierfür die Technik der EKZ von Bedeutung ist, sei bislang nicht geklärt, so PD Dr. Jörg Babin-Ebell von der Klinik und Poliklinik für Herz- und Thoraxchirurgie der Universität Würzburg.

Unumstritten sei jedoch, dass bei der EKZ im Blut eine generelle Entzündungsreaktion auftritt und dass unter anderem die Blutgerinnung aktiviert wird - obwohl dem Blut Mittel zugesetzt werden, welche die Gerinnung hemmen sollen. Für diese Erscheinungen werden laut Dr. Babin-Ebell zwei Ursachen diskutiert: Zum einen könnte der Kontakt mit Fremdoberflächen, also mit den Schläuchen und Pumpen der Herz-Lungen-Maschine, die Blutbestandteile ganz allgemein aktivieren. Zum anderen sei es denkbar, dass die Pumpsysteme die Blutzellen schädigen und so zum Beispiel aus weißen Blutkörperchen Enzyme freisetzen, welche die Blutgerinnung ankurbeln.

Eine Arbeitsgruppe in der Würzburger Herz- und Thoraxchirurgie - ihr gehören Dr. Babin-Ebell, Dr. Wilko Reents, Dr. Konrad Neukam und Martina Misoph an - will deshalb die Auswirkungen der unterschiedlichen Pumpen wissenschaftlich überprüfen: Mit Hilfe des Ultraschalls (Dopplersonographie) sollen im Verlauf einer Herzoperation Unregelmäßigkeiten im Blutstrom entdeckt werden, seien es nun Luftbläschen, kleine Gerinnsel oder andere Störungen. Dabei überprüfen die Wissenschaftler sowohl die Situation in der Herz-Lungen-Maschine als auch im Kopf des Patienten. So können sie ermitteln, wie viele Störungen an der Maschine auftreten und wie viele davon letztlich im Gehirn ankommen.

An dieser Studie, die von der Jostra Medizintechnik AG (Hirrlingen) gefördert wird, ist auch Dr. Wolfgang Müllges von der Neurologischen Klinik der Universität Würzburg beteiligt: Bei den operierten Patienten sollen Art und Ausmaß der neurologischen Symptome erfasst werden. Zu diesem Zweck werden Konzentrations- und Gedächtnistests durchgeführt, mit denen sich die verschiedenen Gehirnfunktionen überprüfen lassen.

Weitere Informationen: Dr. Jörg Babin-Ebell, T (0931) 201-3342 oder 201-3346 (Klinikpforte), Fax (0931) 201-5088, 
E-Mail: joerg.babin-ebell@mail.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw

Weitere Berichte zu: EKZ Herzoperation

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht In Deutschland wächst die Zahl der Patienten mit Diabetes mellitus
23.02.2017 | Versorgungsatlas

nachricht Ursache für eine erbliche Muskelerkrankung entdeckt
22.02.2017 | Klinikum der Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie