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Neuronale Faktoren: ein neues therapeutisches Ziel zur Bekämpfung des schwarzen Hautkrebs?

04.10.2007
Der schwarze Hautkrebs (Melanom) zeigt in den letzten Jahren eine deutliche Zunahme. Wird der Tumor in einem frühen Stadium operativ entfernt, sind die Heilungschancen sehr hoch.

Bei einer Diagnose im späteren Stadium ist es jedoch bereits häufig zu einer Ausbreitung des Tumors im Körper gekommen, wodurch die Heilungsaussichten der Patienten sehr schlecht werden. Bis heute ist es noch nicht geklärt, warum das Melanom einen so aggressiven und schlecht therapierbaren Tumor darstellt. In einem von der Wilhelm Sander-Stiftung geförderten Projekt möchte das Forscherteam um Prof. Anja Bosserhoff untersuchen, ob eine bestimmte Gruppe von neuronalen Faktoren Einfluss auf die Entstehung und die Aggressivität des Melanoms hat.

Das maligne Melanom zeigt weltweit eine deutliche Zunahme der Inzidenz. In Deutschland wurden in den 70er Jahren jährlich 3 Fälle pro 100.000 Einwohner registriert, in den 90er Jahren 12-15 Fälle. Dabei hat das maligne Melanom eine sehr schlechte Prognose. Limitierend für die Überlebensrate zeigt sich vor allem die meist sehr frühe Metastasierung. Die einzige effektive Therapie ist bis heute die frühzeitige chirurgische Entfernung. Der Fokus vieler Arbeitsgruppen liegt daher auf der Charakterisierung der molekularen Veränderung bei der Melanom-Entstehung und dessen Fortschreiten und hier insbesondere der Ausbreitung im Körper (Metastasierung). Dabei konnte gezeigt werden, dass Proteine der Zellwanderung und des Zellwachstums bei der Metastasierung des malignen Melanoms eine wichtige Rolle spielen.

Mit experimentellen Ansätzen versuchen Prof. Bosserhoff und ihre Mitarbeiter neue dieser Proteine aufzuspüren und ihre Bedeutung in der Tumorentstehung und -ausbreitung zu untersuchen. Eine viel versprechende Gruppe von Molekülen sind "Neuronale Faktoren", welche Zell-Zell- und Zell-Matrix-Interaktionen von wandernden Zellen in der Embryogenese regulieren. Diese Gruppe besteht aus verschiedenen Molekülfamilien, die bislang hauptsächlich bezüglich ihrer Expression und Funktion im entwickelnden Nervensystem untersucht wurden. In diesem System regulieren sie das Wachstum und die zielgerichtete Wanderung von Nervenzellen.

Die Pigmentzellen der Haut, aus denen sich Melanome entwickeln können, weisen vielfältige Ähnlichkeiten zu Nervenzellen auf. Aufgrund dieses Zusammenhanges lässt sich ableiten, dass die neuronalen Faktoren auch eine Rolle bei der Wanderung von Melanomzellen spielen könnten. Die Gruppe um Frau Prof. Bosserhoff stellt die Hypothese auf, dass ein stark kontrolliertes Vorhandensein dieser Molekülfamilie auf Pigmentzellen wichtig ist, um die Hautstruktur aufzubauen und aufrechtzuerhalten. Bei bestimmten Abläufen, wie Wundheilung oder nach UV Bestrahlung, könnte das Muster verändert werden, um ein kontrolliertes Wachstum und eine geordnete Verteilung der Pigmentzellen in der Haut und damit regulierte Pigmentierung zu ermöglichen. Eine Fehlregulation könnte dagegen maßgeblich zur Entstehung und Ausbreitung des Melanoms beitragen. Das langfristige Ziel ist es, Therapien zu entwickeln, die diese Proteine so beeinflussen, dass der Tumor sein starkes Wachstum und seine aggressive Verbreitung nicht mehr fortsetzen kann.

Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit über 90.000 €. Stiftungszweck der Stiftung ist die medizinische Forschung, insbesondere Projekte im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden dabei insgesamt über 160 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Bernhard Knappe | idw
Weitere Informationen:
http://www.wilhelm-sander-stiftung.de

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