Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Dein ist mein ganzes Herz - Die Verpflanzung von Organen in der modernen Medizin

16.10.2000


... mehr zu:
»Herzverpflanzung »Niere
Der 3. Dezember 1967 ist als ganz besonderer Tag in die Geschichte der Medizin eingegangen: An jenem Tag pflanzte der Chirurg Christian Barnard einem todkranken 55-Jährigen das gesunde Herz eines kurz zuvor
verstorbenen 25-Jährigen ein - ein Meilenstein im Fortschritt der Medizin. Fünf Stunden dauerte die Operation damals, und sie löste hitzige Debatten darüber aus, ob eine solche Organverpflanzung ethisch überhaupt zu rechtfertigen sei. Der Patient überlebte nur 18 Tage, dann starb er an einer Lungenentzündung.
Inzwischen gehören Herzverpflanzungen zum Alltag: Mehr als 54.000 Herzen, dazu noch rund 74.000 Lebern und 470.000 Nieren wurden bisher weltweit verpflanzt. Allein in Deutschland erhalten jedes Jahr rund 600 Menschen ein neues Herz, 800 eine neue Leber und 2.300 eine neue Niere. Und auch die Überlebenschancen haben sich drastisch erhöht - fünf Jahre nach der Operation leben heute noch mehr als 80 Prozent der Herzempfänger. Das verdanken sie den sogenannten Immunsuppressiva. Diese Mittel, die das Abstoßen der fremden Organe verhindern, wurden im Lauf der Zeit immer weiter entwickelt. Doch das hat seinen Preis: Die Medikamente müssen tagtäglich für den Rest des Lebens eingenommen werden.
Welche Rolle die Organtransplantationen mittlerweile in der modernen Medizin spielen, darüber spricht die Oberärztin und Fachärztin für Chirurgie an der Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie des Klinikums Chemnitz, Frau Dr. med. Christiane Habeck, am Mittwoch, dem 18. Oktober 2000, um 17.30 Uhr im Zentralen Hörsaal- und Seminargebäude der Chemnitzer Uni, Reichenhainer Straße 70, Hörsaal N 111. Ihr Vortrag trägt den Titel "Organspende und Organtransplantation" und ist Teil der äußerst erfolgreichen Reihe "Medizin im Spannungsfeld zwischen Wissenschaft und Gesellschaft", die die Uni seit dem Wintersemester 1997/98 gemeinsam mit dem Klinikum Chemnitz anbietet. Hierzu sind alle Chemnitzer Bürger eingeladen, der Eintritt ist selbstverständlich frei.
Die erste Herzverpflanzung war auch deshalb besonders spektakulär, weil das Herz viele Jahrhunderte als Sitz der Seele galt - und in manchen Kulturen noch immer gilt. Doch die Übertragung von Organen von einem Mensch auf einen anderen ist wesentlich älter, als es die Großtat von Barnard vermuten lässt: Schon im zweiten Jahrhundert wurden in Indien und China Hautstückchen transplantiert. Versuche, Blut (auch ein Organ!) zu übertragen, sind seit Ende des 18. Jahrhunderts bekannt, und seit Beginn des 19. Jahrhunderts verpflanzte man auch in Europa Haut. Die Übertragung menschlicher Hornhaut - heute mit 4.000 Fällen jedes Jahr allein in Deutschland längste eine Routineoperation- gelang erstmals 1905. Schon 1902 wurde in Wien zum ersten Mal eine vollständige Niere von einem Hund auf einen anderen transplantiert. Doch bald erkannte man, dass solche komplizierten Organe bald wieder abgestoßen werden, ein Prozess, den man damals noch nicht verstand.
Auftrieb bekam die Transplantationsmedizin - das Wort wurde übrigens von dem deutschen Chirurgen Rudolf Pichlmayr geprägt - , als es dem amerikanischen Mediziner Joseph Murray 1954 gelang, eine Niere von einem eineiigen Zwilling in den anderen zu verpflanzen. Bereits in den vierziger Jahren hatte man zudem entdeckt, dass sich durch Cortison die Bildung von Antigenen hemmen lässt - und die sind für die Abstoßungsreaktion verantwortlich. Heute freilich verwendet man dazu das wesentlich wirksamere Antibiotikum Cyclosporin. Bereits 1963 auch verpflanzte der amerikanische Arzt Thomas Starzl erstmals eine menschliche Leber, und auch die ersten Bauchspeicheldrüsen wurden schon 1966, noch vor Barnard, übertragen.
Längst aber stehen für die lebensrettenden Transplantationen nicht genug Organe zur Verfügung. So mancher Patient stirbt, während er auf einen Spender wartet: Statt 6000 Herzen werden jedes Jahr 1000 benötigt, statt 2.300 Nieren 11.000. Doch noch immer sind viele Menschen nicht bereit, im Falle ihres Todes ein Organ zu spenden - offensichtlich wird hier eine Urangst des Menschen berührt. Das ist besonders beschämend, weil viele der in Deutschland eingepflanzten Organe aus dem Ausland kommen. Die anfallenden Organe werden nämlich von der Eurotransplant im niederländischen Leiden verteilt, und einziger Maßstab dabei ist die Verträglichkeit zwischen Spender- und Empfängergewebe, nationale Erwägungen spielen dabei keine Rolle. Gerade in Deutschland ist die Zahl der Spendewilligen aber besonders gering.
Dabei kommen als Spender ohnehin nur solche Menschen in Frage, deren Hirntod von zwei Ärzten unabhängig voneinander festgestellt worden ist, deren übrige Organe hingegen intakt sind. In Deutschland muss außerdem eine testamentarische Verfügung - etwa ein Organspenderausweis - des Verstorbenen vorliegen oder die Angehörigen müssen der Organentnahme zustimmen. In anderen Ländern ist das anders: In Österreich etwa muss der Verstorbene zu Lebzeiten einer Entnahme eigens widersprochen haben, in Singapur bekommt nur der ein Organ und selbst Spenderblut, der auch zur Spende bereit war und in der ehemaligen DDR war eine Entnahme sogar ohne Einwilligung möglich. "Hier muss sich aus Gründen der Mitmenschlichkeit das Denken der Menschen ändern, damit auch wir mehr Spenderorgane zur Verfügung haben", so Frau Dr. Habeck. Mit ihrem Vortrag will sie erreichen, das verständliche Ängste und Vorbehalte gegen eine Organspende abgebaut werden. (HJG)

Hubert J. Gieß | idw

Weitere Berichte zu: Herzverpflanzung Niere

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz im Kampf gegen Prostatakrebs entdeckt
24.05.2018 | Universität Bern

nachricht Die neue Achillesferse von Blutkrebs
22.05.2018 | Ludwig Boltzmann Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Molecular switch will facilitate the development of pioneering electro-optical devices

A research team led by physicists at the Technical University of Munich (TUM) has developed molecular nanoswitches that can be toggled between two structurally different states using an applied voltage. They can serve as the basis for a pioneering class of devices that could replace silicon-based components with organic molecules.

The development of new electronic technologies drives the incessant reduction of functional component sizes. In the context of an international collaborative...

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Im Focus: Faserlaser mit einstellbarer Wellenlänge

Faserlaser sind ein effizientes und robustes Werkzeug zum Schweißen und Schneiden von Metallen beispielsweise in der Automobilindustrie. Systeme bei denen die Wellenlänge des Laserlichts flexibel einstellbar ist, sind für spektroskopische Anwendungen und die Medizintechnik interessant. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT) haben, im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekts „FlexTune“, ein neues Abstimmkonzept realisiert, das erstmals verschiedene Emissionswellenlängen voneinander unabhängig und zeitlich synchron erzeugt.

Faserlaser bieten im Vergleich zu herkömmlichen Lasern eine höhere Strahlqualität und Energieeffizienz. Integriert in einen vollständig faserbasierten...

Im Focus: LZH zeigt Lasermaterialbearbeitung von morgen auf der LASYS 2018

Auf der LASYS 2018 zeigt das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) vom 5. bis zum 7. Juni Prozesse für die Lasermaterialbearbeitung von morgen in Halle 4 an Stand 4E75. Mit gesprengten Bombenhüllen präsentiert das LZH in Stuttgart zudem erste Ergebnisse aus einem Forschungsprojekt zur zivilen Sicherheit.

Auf der diesjährigen LASYS stellt das LZH lichtbasierte Prozesse wie Schneiden, Schweißen, Abtragen und Strukturieren sowie die additive Fertigung für Metalle,...

Im Focus: Achema 2018: Neues Kamerasystem überwacht Destillation und hilft beim Energiesparen

Um chemische Gemische in ihre Einzelbestandteile aufzutrennen, ist in der Industrie die energieaufwendige Destillation gängig, etwa bei der Raffinerie von Rohöl. Forscher der Technischen Universität Kaiserslautern (TUK) entwickeln ein Kamerasystem, das diesen Prozess überwacht. Dabei misst es, ob es zu einer starken Tropfenbildung kommt, was sich negativ auf die Trennung der Komponenten auswirken kann. Die Technik könnte hier künftig automatisch gegensteuern, wenn sich Messwerte ändern. So ließe sich auch Energie einsparen. Auf der Prozesstechnik-Messe Achema in Frankfurt stellen sie die Technik vom 11. bis 15. Juni am Forschungsstand des Landes Rheinland-Pfalz (Halle 9.2, Stand A86a) vor.

Bei der Destillation werden Flüssigkeiten durch Verdampfen und darauffolgende Kondensation des Dampfes in ihre Bestandteile getrennt. Ein bekanntes Beispiel...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Größter Astronomie-Kongress kommt nach Wien

24.05.2018 | Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neuer Ansatz im Kampf gegen Prostatakrebs entdeckt

24.05.2018 | Medizin Gesundheit

Konventionelle Antibiotika-Therapie ergänzen

24.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Vom Stroh zum Energieträger: Eintopf-Rezept für Wasserstoffgewinnung

24.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics