Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Sehstörungen im Kindesalter: Auch ältere Kinder und Jugendliche mit Schwachsichtigkeit profitieren von einer Therapie

24.09.2007
Eine Schwachsichtigkeit, die häufigste Augenerkrankung im Kindesalter, kann auch dann noch wirksam behandelt werden, wenn die Diagnose erst im späteren Kindes- und Jugendalter gestellt wird.

Die Ergebnisse einer Pilotstudie von Dr. Maria Fronius von der Universitäts-Augenklinik in Frankfurt/Main, präsentiert auf der 105. Jahrestagung der Augenärzte in Berlin, widerlegt das Verordnungsverhalten mancher Augenärzte: Bei einer Umfrage der Frankfurter Experten hatte jeder fünfte Ophthalmologe angegeben, keine Therapie mehr einzuleiten, wenn das betroffene Kind älter als sieben Jahre ist.

Schwachsichtigkeit ist die häufigste Augenerkrankung im Kindesalter. Wenn ein Kind beispielsweise schielt, ein Auge sehr stark weitsichtig, seine Hornhaut verkrümmt oder trübe ist, übernimmt das andere gesunde Auge die Führung. Eine Fehlentwicklung des Sehsystems ist dann die Folge. Mit dem sehschwachen Auge kann das Kind seine Umgebung nur noch undeutlich oder verschwommen wahrnehmen. Um das schwache Auge zu trainieren, lassen Augenärzte ihre kleinen Patienten mehrere Stunden am Tag eine Klappe tragen, die das gesunde Auge bedeckt.

Doch unklar ist, bis zu welchem Alter eine solche Therapie erfolgversprechend ist, wenn die Schwachsichtigkeit erst später, eventuell sogar erst im Jugendalter entdeckt wird.

... mehr zu:
»Fronius »Schwachsichtigkeit

Eine Umfrage von Dr. Maria Fronius von der Forschungseinheit "Sehstörungen des Kindesalters" der Universitäts-Augenklinik Frankfurt/Main bei Augenärzten und Orthoptistinnen, Fachkräften für die Behandlung von Sehstörungen, zeigt, dass 20 Prozent der Augenärzte und 8,6 Prozent der Orthoptistinnen das Tragen einer Augenklappe nicht mehr verordnen würden, wenn das betroffene Kind zum Zeitpunkt der Diagnosestellung älter als sieben Jahre ist. Demgegenüber nennen US-amerikanische Leitlinien eine Obergrenze von zehn und deutsche Empfehlungen sogar eine Obergrenze von 18 Jahren.

Um die tatsächlichen Grenzen auszuloten, setzt das Team von Maria Fronius die Methode auch bei älteren Kindern im Rahmen einer durch einen Forschungspreis der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft geförderten Pilotstudie ein. In die Studie wurden bislang neun Kinder im Alter zwischen sieben und 15 Jahren eingeschlossen, bei denen die Sehschwäche erst so spät entdeckt wurde und bei denen andere Ärzte die Behandlung zumeist als nicht mehr sinnvoll abgelehnt hatten.

Um zu kontrollieren, ob sich die Patienten auch tatsächlich an die verordneten Tragezeiten (täglich fünf bis sieben Stunden) der Klappe halten, verwenden die Experten eine Augenklappe, die elektronisch so ausgestattet ist, dass sie die tatsächlichen Tragezeiten erfasst. Denn das Nicht-Befolgen der ärztlichen Anweisung, die Non-Compliance, ist bei dieser Therapie ein gravierendes Problem. Denn es ist für die Kinder sehr anstrengend, die Klappe zu tragen und sich nur mit ihrem schwachen Auge zu orientieren.

Wie die ersten Auswertungen zeigen, trugen die Kinder und Jugendlichen im ersten Monat ihre Augenklappe im Schnitt 4,6 Stunden und während der folgenden drei Monate noch 3,8 Stunden täglich. In dieser Zeit besserte sich bei mehreren Kindern auch deutlich die Sehfähigkeit des schwachen Auges. "Wir konnten dabei bisher weder einen Zusammenhang zwischen dem Alter der Kinder und deren Compliance noch dem Alter und der Besserung der Sehkraft feststellen", sagt Maria Fronius. "Die Untersuchung größerer Patientenzahlen wird eine genauere Analyse der günstigen Voraussetzungen für eine erfolgversprechende Therapie sowie auch eventueller Risikofaktoren ermöglichen. Aber diese Erkenntnisse sind wichtig, weil wir nun Hinweise haben, dass man selbst dann noch etwas tun kann, wenn die Diagnose erst später gestellt wurde."

Mehr zum Thema Augenerkrankungen im Kindesalter gibt es noch am Sonntag in der letzten Pressekonferenz dieser Tagung um 12.30 Uhr. Außerdem präsentieren Experten das neue Konzept für die Qualitätssicherung bei Laser-OPs (LASIK etc.) zur Behandlung von Fehlsichtigkeit.

Abschluss-Pressekonferenz
Sonntag, 23. September 2007, 12:30 - 13:30 Uhr
Raum 30241 / 2. OG, Estrel Convention Center Berlin
Pressekontakt: ProScience Communications GmbH Barbara Ritzert
während des Kongresses: Pressebüro im Raum 30212 · Fon: (0306831-30212)
ritzert@proscience-com.de
danach:
Andechser Weg 17
82343 Pöcking Fon 0 8157 9397-0 ritzert@proscience-com.de
Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) ist die medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft für Augenheilkunde in Deutschland.

Ihr Ziel ist die Förderung der Ophthalmologie vor allem in den Bereichen Forschung und Wissenschaft. Zu diesem Zweck initiiert und unterstützt die Gesellschaft u.a. Forschungsvorhaben und wissenschaftliche Studien, veranstaltet und Symposien, gibt wissenschaftliche Fachzeitschriften heraus und gewährt Stipendien vornehmlich für junge Forscher. Mit über 5300 Mitgliedern zählt sie zu den bedeutenden medizinischen Fachgesellschaften in Deutschland. Gegründet wurde die DOG 1857 in Heidelberg. Sie ist damit die älteste medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft der Welt.

Barbara Ritzert | idw
Weitere Informationen:
http://www.dog.org

Weitere Berichte zu: Fronius Schwachsichtigkeit

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Therapieansätze bei RET-Fusion - Zwei neue Inhibitoren gegen Treibermutation
26.06.2017 | Uniklinik Köln

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Future Security Conference 2017 in Nürnberg - Call for Papers bis 31. Juli

26.06.2017 | Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

„Digital Mobility“– 48 Mio. Euro für die Entwicklung des digitalen Fahrzeuges

26.06.2017 | Förderungen Preise

Fahrerlose Transportfahrzeuge reagieren bald automatisch auf Störungen

26.06.2017 | Verkehr Logistik

Forscher sorgen mit ungewöhnlicher Studie über Edelgase international für Aufmerksamkeit

26.06.2017 | Physik Astronomie