Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Individuelle Tests für Krebsmedikamente

11.10.2000


Zytostatika sind Medikamente, die das Wachstum von Krebszellen verhindern sollen sie hemmen die Zellteilung. Allerdings schlägt nicht jede Chemotherapie bei jedem Patienten gleich gut an. Bei manchen
Patienten wirkt das Präparat sehr gut, bei anderen können die Tumorzellen resistent sein. Methoden, um bereits vor der Therapie abzuklären, ob ein Medikament oder eine Medikamenten - Kombination wirkt oder nicht, sind in-vitro Zytostatika-Tests. Die bisherigen Verfahren sind jedoch sehr aufwendig und die Nachweisgrenzen niedrig. Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB in Stuttgart entwickelten gemeinsam mit der Firma In-Vitro Biotec GmbH ein wesentlich schnelleres und aussagekräftigeres Testverfahren. 

Die Auswahl des geeigneten Medikaments ist äußerst schwierig, denn jeder Erkrankte reagiert anders auf die Präparate. Größte Gefahr ist, dass die Tumorzellen des Patienten im Verlauf der Chemotherapie gegen die Medikamente resistent werden. Das heißt die Behandlung wird wirkungslos und die Krebszellen können ungehindert weiterwachsen. »Mit dem Test soll noch vor der Therapie die Empfindlichkeit des Patienten gegenüber verschiedenen Medikamenten getestet werden«, erklärt Dr. Thomas Graeve vom IGB. Durch beispielsweise Punktionen werden aus dem Tumor des Patienten Zellen entnommen, um sie anschließend im Labor in-vitro zu kultivieren. Die aufgearbeiteten und gereinigten Zellen werden in einer Nährlösung am Leben gehalten. »An dieser Kultur lassen sich die verschiedenen Präparate testen«, so Dr. Graeve weiter. Schon nach kurzer Zeit kann der Test ausgewertet und die untersuchten Präparate auf ihre Wirkung hin beurteilt werden: »Überleben die Zellen, ist das Präparat unwirksam, der Patient resistent. Sind die kultivierten Tumorzellen hingegen tot, wirkt das Medikament«, fasst Dr. Graeve zusammen.

Vorteil der individuellen in-vitro-Prädiagnostik ist, dass der behandelnde Arzt schon früh eine Therapie auswählen kann und sich die Lebensqualität des Patienten auf diese Weise erheblich verbessern lässt, da unwirksame Therapiezyklen vermieden werden. Dadurch lassen sich auch zusätzliche, preisintensive Therapiesequenzen einsparen.

Ansprechpartner:
Dr. Thomas Graeve
Telefon: 07 11/9 70-41 17
Telefax: 07 11/9 70-42 00
E-Mail: grae@igb.fhg.de
Dr. Marion Mappes
Telefon: 07 11/35 13-8 47
Telefax: 07 11/35 13-8 39

Dr. Thomas Graeve, Dr. Marion Mappes |

Weitere Berichte zu: Chemotherapie Krebszelle Tumorzelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften